Die Entscheidung

Regulierungsbehörde entscheidet am Donnerstag über Zukunft der Flatrates - Teil I

Derzeit kann kein Anbieter eine kostendeckende Flatrate anbieten - T-Online macht Druck über den Preis.

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Stellen Sie sich mal vor, Sie schalten abends den Fernseher ein - und ein kleiner Gebührenzähler tickt leise vor sich hin. Sagen wir mal: 2,5 Pfennige pro Minute. Macht bei einem 90 Minuten langen Spielfilm immerhin 2,25 Mark. Morgens noch ein wenig Frühstücksfernsehen, vor dem Spielfilm noch die Nachrichten, am Wochenende natürlich ein bisschen mehr. Das summiert sich über vier Wochen. Derzeit zahlen Sie für ein Fernsehgerät 28,25 Mark Monatgebühr an die GEZ - eine Pauschale, die Sinn macht, und die nach wie vor dazu beiträgt, dass Fernsehen das Medium Nummer eins ist. Oder wollten Sie für Ihren TV-Apparat monatlich 50 oder 60 Mark berappen? - Also.

Beim Internet ist das nicht ganz so einfach - anstatt einer Pauschalabrechnung herrscht hier nämlich nach wie vor die Minutenabrechnung vor. Leider. Denn der Großteil der Surfer ist es leid, auf den Gebührenzähler zu schauen und ständig nach neuen oder günstigeren Anbietern mit einer vielleicht schnelleren Leitung zu suchen. "Flatrates" schaffen da Abhilfe - Internetsurfen zum Pauschalpreis, und das rund um die Uhr. Wie beim Fernsehen eben.

Der Markt kam bereits Ende des vergangenen Jahres in Bewegung, aber so richtig ging's erst los, als die Telekom-Tochter T-Online Mitte dieses Jahres eine Flatrate für 79 Mark anbot. Andere Anbieter zogen nach - und mussten ihr Angebot alsbald wieder einstellen. AddCom verhängte einen Anmeldestopp, Sonnet, NGI und die Medien Info Center GmbH kippten die Angebote gänzlich, Flatrate-Pionier Surf1 musste gar Insolvenz anmelden. Grund: Die anderen Anbieter müssen der Telekom, die im Ortsnetz mit einer Flächendeckung von rund 98 Prozent nach wie vor das Monopol hat, ein Nutzungsentgelt für deren Leitung zahlen - und zwar in Höhe von rund 1,5 Pfennigen pro Minute, wie es das Gebührenverzeichnis für den Anschluss für Online-Dienste-Anbieter (AfOD) vorschreibt.

Berechnet man anhand dieses Preises die Bedingungen für die AOL-Flatrate (78 Mark), so kommt man zu dem Ergebnis, dass User rund 86,7 Stunden pro Monat online sein dürfen, damit das AOL-Angebot kostendeckend angeboten werden kann. Denn: Jede Minute mehr kostet AOL schlichtweg Geld, ganz klar; dann ist Quersubventionierung angesagt, dann muss aus anderen Geschäftsbereichen Geld zugeschossen werden - und das können nur große Unternehmen wie AOL. Die kleineren Anbieter hingegen dürfen einpacken.

Fast 90 Stunden Internet pro Monat, drei Stunden am Tag - eine ganze Menge Zeit, sollte man meinen. Die Realität aber spricht eine deutliche Sprache: Bei Surf1 - immerhin über ein Jahr als Anbieter auf dem Markt, und das keineswegs mit lässig kalkulierten Preisen - lag die durchschnittliche (!) Nutzungszeit zuletzt bei satten 240 Stunden, wie Nylis Renschler, CEO des Bitburger Providers, gegenüber der Internet World (Ausgabe 12/2000, S. 44 ff.) verriet. Gleiches Bild bei Sonnet, der Ex-Flatrate von Versatel: Dort blieben die Kunden durchschnittlich fünf Stunden pro Tag online, binnen zwei Monaten lief ein Verlust im zweistelligen Millionenbereich auf.

Besser dran sind da Mannesmann Arcor, Mobilcom oder zahlreiche kleinere Telekommunikationsgesellschaften, die den Kunden Direktanschlüsse bieten können und somit kein Entgelt für die Nutzung der Telekom-Leitung zahlen müssen. Die Flensburger TK-Gesellschaft "Komtel" hat dieser Tage eine Flatrate für nurmehr zehn Mark rausgebracht, Mannesmann Arcor - bereits in über 30 Großstädten ansässig - verlangt 39 DM bei nur dreimonatiger Laufzeit (alle anderen zumeist ein Jahr). Eigenen Angaben zufolge ist das 39 Mark-Angebot für Mannesmann Arcor kostendeckend - hier lohnt sich ein eigenes Netz.

Wirklich günstige und bundesweit gültige Angebote liefern derzeit nur drei etablierte Anbieter: Talknet (eingeschränkte Teilzeit-Flatrate für Abendstunden, 59 Mark) sowie AOL (78 Mark) und T-Online (79 Mark) - und genau darum geht's. Talknet macht prophylaktische Einschränkungen, derweil AOL aufgrund seiner Unternehmensgröße quersubventionieren kann. T-Online macht mit seiner Flatrate, wie jüngst bekannt wurde, zwar auch Verluste, trotzdem aber keinerlei Einschränkungen. Ganz im Gegenteil: Die zwölf Mal schnellere DSL-Flatrate kostet nur noch 49 Mark - Preisdumping pur, mit dem Ziel, die Breitbandtechnik entsprechend zu forcieren. Alle anderen Provider mit bundesweit verfügbaren und erschwinglichen Angeboten haben angesichts dieser irrealen Preise bereits kapituliert. "Es muss nun endlich Schluss sein mit massiven Dumpingpreisen, die in diesem wichtigen Zukunftsmarkt zu einem ruinösen Verdrängungswettbewerb führen werden und damit zu Lasten der Verbraucher gehen", stellte diese Woche Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), ebenso deutlich wie lapidar klar. Wenn selbst das größte deutsche Online-Unternehmen - also T-Online - im Bereich Internetzugang nicht kostendeckend arbeite, werde sich, so Grützner, "im gesamten Internetbereich kein gesunder Wettbewerb entwickeln.

Teil II

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