Preistreiberei

Regulierung: Umweltminister erwartet sinkende Strompreise

Die hohen Strompreise sorgen auch weiterhin für Unruhe: Während Umweltminister Trittin davon ausgeht, dass sie aufgrund der Netznutzungsentgeltregulierung bald wieder fallen, prüft das Bundeskartellamt, ob die großen Konzerne den Emissionshandel zu Preistreiberei beim Strom nutzen.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) übt heftige Kritik an der Preispolitik der Stromkonzerne: "Für diese Preistreiberei haben sich ganz allein die Konzerne zu verantworten, und ich habe sie vergangene Woche auch aufgefordert, das zu tun", sagte Trittin der "Welt am Sonntag".

Für "vorgeschoben" und vollkommen unbegründet hält der Minister das Argument der Konzerne, die gestiegenen Preise für Emissionsrechte seien die Ursache für den Preisanstieg. "Die Unternehmen haben die Zertifikate für den Emissionshandel vom Staat, also vom Steuerzahler, geschenkt bekommen", sagte Trittin.

Trittin geht davon aus, dass die Strompreise demnächst wieder sinken werden. Dazu werde auch die Regulierung der Netznutzungsentgelte beitragen. "Wenn sich die deutschen Netzkosten an den europäischen Durchschnitt angleichen, könnten die Preise für die Privathaushalte um zehn Prozent und für die Industriekunden sogar um bis zu 20 Prozent fallen", sagte der Minister.

Das Bundeskartellamt hatte am Freitag mitgeteilt, es werde geprüft, ob die großen deutschen Energiekonzerne den Handel mit Emissionszertifikaten zu Preistreiberei bei Strom nutzen. Die Behörde forderte die beiden Branchenführer E.ON und RWE zu Stellungnahmen bis Mitte September auf. Ob weitere Unternehmen wie EnBW oder Vattenfall Europe einbezogen würden, sei noch nicht entschieden.

Die "Financial Times Deutschland" hatte am Freitag berichtet, Trittin habe die vier großen Energiekonzerne RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall Europe aufgefordert, "nachvollziehbar darzulegen", ob und wie viele Emissionszertifikate seit Jahresbeginn erworben und verkauft worden seien.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Strom- und Gaspreise

    Deutlicher Preisanstieg bei Strom und Gas

    Strom kostet in diesem Jahr rund 30,85 Cent pro Kilowattstunde und ist damit so teuer wie nie zuvor. Gleichzeitig sind die Preise für Gas erstmals wieder in den letzten Jahren angestiegen. Laut Bundesnetzagentur sind es besonders die Großhandelspreise, die die Kosten in die Höhe treiben.

  • CO2 Emissionen

    Einnahmen aus CO2-Rechten verdoppeln sich

    Unternehmen müssen für den Ausstoß von CO2 Zertifikate erwerben. Die Preise für die Emissionsrechte haben sich im Vergleich zum vergangenen Jahr fast verdreifacht, was dem Bundeshaushalt Erlöse in Milliardenhöhe beschert.

  • Hochspannungsmasten

    Kartellamt prüft Strompreis-Beschwerden gegen E.ON und RWE

    Das Bundeskartellamt prüft den Vorwurf, dass große deutsche Energiekonzerne ihre beherrschende Stellung beim Emissionshandel missbrauchen. Unter anderem wird den Stromversorgern vorgeworfen, unentgeltlich zugeteilte Emissionszertifikate zu einem höheren Börsenpreis als Kosten in den Strompreis einzurechen.

  • Stromtarife

    Abkehr von Kyoto: Tiefpunkt der Glaubwürdigkeit

    Mit seinem Vorschlag, Kyoto als gescheitert zu erklären und den amerikanischen Vorschlag eines "Klimapaktes" zu unterstützen, hat BDI-Geschäftsführer Kreklau herbe Kritik ausgelöst. Trittin bezeichnete es als "Griff in die Mottenkiste", andere sprachen vom "Tiefpunkt der umweltpolitischen Glaubwürdigkeit".

  • Strompreise

    VEA: Energieversorger bereichern sich auf Kosten der Wirtschaft

    Die großen Energieversorger in Deutschland verzeichneten Rekordgewinne, während insbesondere bei den energieintensiven Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit aufgrund der hohen Strompreise leide. Deshalb appellierte der Bundesverband der Energieabnehmer jetzt an die Solidarität der Versorger.

Top