Verbraucherinformation

Regierung will Stiftung Warentest bezuschussen

Die Bundesregierung will die Stiftung Warentest mit zusätzlichen 1,5 Millionen Euro unterstützen. Damit soll die unabhängige Information von Verbrauchern in Finanzfragen und bei der Geldanlage gefördert werden.

06.03.2012, 13:00 Uhr
Geld© c / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Dazu beschloss der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und FDP am Sonntagabend, der Stiftung Warentest ab kommendem Jahr zusätzlich 1,5 Millionen Euro zuzuschießen.

Ursprünglich wollte die Koalition eine eigene Stiftung Finanztest schaffen. Der jährliche Zuschuss für die Stiftung Warentest sei dafür vorgesehen, die Verbraucherinformation zu Finanzprodukten "noch intensiver" zu gestalten, erklärte Aigner. Durch verstärkte Information zu Finanz- und Geldanlagethemen sollten sich Verbraucher auch selbst besser vor Falschberatung durch Banken und Sparkassen schützen können. Zudem solle die Entscheidung für oder gegen bestimmte Geldanlagen erleichtert werden.

Zuschuss statt eigener Stiftungs-Gründung

Die Bundesregierung hatte im Koalitionsvertrag 2009 während der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise vereinbart, die Gründung einer unabhängigen Stiftung für Finanzprodukte nach dem Muster der Stiftung Warentest zu prüfen. In der Finanzkrise hatten Verbraucher durch riskante Geldanlagen teils viel Geld verloren.

Mit dem Grundsatzbeschluss für den Zuschuss hat die Bundesregierung ihre Pläne für eine eigenständige Stiftung Finanztest nun offenbar vorerst begraben. Eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums sagte, Ergebnis der Prüfung zur möglichen Schaffung einer eigenständigen Stiftung Finanztest sei gewesen, dass die dafür vorgesehenen Mittel nun der Stiftung Warentest zur Verfügung gestellt würden.

Mit dieser Lösung will sich die Bundesregierung offenbar die umständliche und finanziell aufwändige Gründung einer eigenen Stiftung Finanztest sparen. Diese hätte Zeit beansprucht - und zusätzlich entsprechendes Stiftungskapital.

Stiftung soll stärker über Finanzprodukte informieren

Die Stiftung Warentest informiert Verbraucher über Anlagethemen unter anderem in ihrer Zeitschrift "Finanztest". Darin prüft diese die Eigenschaften von Geldanlagen sowie die Eignung für Verbraucher. Verbraucherschutzministerin Aigner forderte die Stiftung auf, künftig auch die Vergleichbarkeit von Finanzprodukten, die Aussagen der Anbieter über Geldanlagen sowie die Qualität der gesetzlich vorgeschriebenen Produktinformationsblätter zu prüfen.

Die Stiftung Warentest kündigte an, ihre Test-Tätigkeit in Finanzfragen ausweiten zu wollen. Es sei denkbar, mehr Finanzinstitute in Tests als bisher einzubeziehen oder schneller auf Entwicklungen zu reagieren, sagte Stiftungsvorstand Hubert Primus MDR Info.

Kritik: Sanktionsmöglichkeiten fehlen

Verbraucherschützer kritisierten, der Zuschuss alleine für die Stiftung Warentest reiche nicht aus. Der Stiftung fehle es an Sanktionsmöglichkeiten - anders als der Finanzaufsicht BaFin, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Gerd Billen, dem "Tagesspiegel" (Dienstagsausgabe). "Die Stiftung Warentest kann testen und informieren, die BaFin kann sanktionieren." Billen ist Mitglied des Verwaltungsrates der Stiftung Warentest, welcher die Führung der Stiftung kontrolliert.

Der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Horst Kelber, forderte von der Bundesregierung, zusätzlich die unabhängige Finanzberatung von Verbrauchern zu stärken. Grünen-Verbraucherexpertin Nicole Maisch erklärte, die 1,5 Millionen Euro zusätzlich stellten "nur einen Tropfen auf den heißen Stein" dar.

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