Verzögerungen

Postbank-Streik könnte 30 Millionen Kunden betreffen

Ab Donnerstag wollen Angestellte der Postbank mit Warnstreiks gegen Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen protestieren. Gerade in der Vorweihnachtszeit kann das dazu führen, dass beispielsweise Überweisungen länger benötigen. Auch Kunden der Deutschen Bank und der Münchner HypoVereinsbank können betroffen sein.

Geld© svort / Fotolia.com

Bonn (dapd/red) - Weil die Postbank auch Überweisungen anderer Banken bearbeitet, geht es um bis zu 30 Millionen Kunden. Auf die verbliebenen Beamten bei der Postbank kommt deshalb eine Menge Arbeit zu.

Die 14 Millionen Postbank-Kunden müssen sich von Donnerstag an zuerst auf Einschnitte im Service einstellen. Vor allem bei Überweisungen könne es zu Problemen kommen, erklärte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, die zu dem mehrtägigen Ausstand aufruft.

Das Problem wird sich aber auch schnell bei anderen Banken bemerkbar machen. Denn auch die rund zehn Millionen Privatkunden der Deutschen Bank und die mehr als 2,5 Millionen Privatkunden der Münchner HypoVereinsbank sind betroffen. Die Banken haben die Postbank mit Überweisungsdienstleistungen beauftragt.

Auch Unternehmen könnten betroffen sein

Die Deutsche Bundesbank, die im System des Zahlungsverkehrs eine zentrale Rolle spielt, erklärte, es könne zu Verzögerungen kommen, die später nachgearbeitet werden müssten. Weil die Postbank-Tochter Betriebs-Center für Banken (BCB) auch für die Landesbank HSH Nordbank den Zahlungsverkehr abwickelt, müssen sogar Unternehmen mit Schwierigkeiten rechnen - etwa wenn sie ihre Mieten zahlen oder Leasingverträge bedienen wollen.

Zu den ersten Opfern des Postbank-Streiks wird wahrscheinlich auch das Geldtransferhaus Western Union zählen. Die BCB wickele fast den kompletten Überweisungsverkehr für Western Union ab, hieß es von Mitarbeitern. Der werde am Donnerstag schwer ins Stocken geraten. Western Union war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bei der Postbank könne es überdies zu Problemen beim Online-Banking und in Call-Centern kommen, sagte Streik-Organisator Gerd Tausendfreund. "Die Postbank versucht, mit uns einen Notfallplan auszuhandeln, damit einige Bereiche weiter geführt werden können", fügte er hinzu. Zu einer Einigung sei es aber noch nicht gekommen.

Postbank ruft ver.di zum Einlenken auf

Die Postbank appellierte an ver.di, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren und nicht zu streiken. "Wir haben bereits im Sommer einige Einigungen erzielt. Unter anderem haben wir betriebsbedingte Kündigungen bis 2014 ausgeschlossen", sagte Sprecher Joachim Strunk.

Grund für den Streit sind Pläne der Deutschen Bank, bei ihrer Tochter Postbank drastisch die Kosten zu senken. Gespräche waren am Freitag gescheitert. ver.di ist in einer starken Position: Etwa 70 Prozent der Postbank-Angestellten sind in der Gewerkschaft organisiert. Nur die wenigen verbliebenen Beamten dürfen nicht streiken.

Die Gewerkschaft kritisiert, dass im Bereich Kreditservices weniger Lohn gezahlt, der Urlaub reduziert und die Wochenarbeitszeit auf 42 Stunden verlängert werden solle. Außerdem ist geplant, die Kreditservices in Hameln, Essen und Berlin zu konzentrieren. Davon wären rund 1.400 der insgesamt rund 20.000 Beschäftigten betroffen. ver.di befürchtet, dass die Deutsche Bank als neuer Mehrheitseigner der Postbank ähnliche Pläne für den gesamten Konzern hat.

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