Entscheidung

Platzeck: Atomkraftwerk an Grenze zu Polen unwahrscheinlich (Upd.)

Der geplante Bau eines Atomkraftwerks im polnischen Gryfino unweit der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern ist offenbar noch nicht endgültig vom Tisch - obwohl laut Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck alle Anzeichen aus der polnischen Politik darauf hindeuten.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Schwerin (ddp/red) - "Trotzdem sollten wir alle mit unseren Anstrengungen nicht nachlassen. Noch hat die polnische Regierung meines Wissens nicht über Standorte entschieden und demzufolge auch nicht über ein definitives Aus für Gryfino", sagte Platzeck.

Der "Tagesspiegel" (Dienstagsausgabe) hatte berichtet, dass sich Polen für einen Standort in Zarnowiec bei Gdansk (Danzig) entschieden habe. Auch aus polnischen Regierungskreisen hieß es dem Blatt zufolge, dass Gryfino "so gut wie keine Chancen" habe. Gryfino liegt nur 140 Kilometer von Berlin entfernt.

Vor dem Hintergrund der polnischen Diskussion über den Bau von Atomkraftwerken erneuerte Platzeck sein Angebot, die Brandenburger Erfahrungen beim Ausbau der erneuerbaren Energien weiterzugeben. Diese Offerte hatte er im Vorjahr schon dem polnischen Wirtschaftsminister Waldemar Pawlak unterbreitet. "Letztlich ist eine Entscheidung zum Bau neuer Atomkraftwerke in Polen aber eine Angelegenheit, die unsere polnischen Partner mit sich selbst ausmachen müssen", sagte Platzeck.

Zugleich wies er die vom Deutschen Atomforum erhobenen Forderungen nach einer längeren Laufzeit deutscher Kernkraftwerke zurück. Die Bundesregierung müsse dieses Ansinnen zurückweisen, verlangte Platzeck mit Blick auf die ungeklärte Frage der Endlagerung. "Ich bin fest davon überzeugt, dass es sinnvoller ist, auf erneuerbare Energien zu setzen und deren Entwicklung voranzutreiben", sagte Platzeck.

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