Preisbewegung

Ölpreise fallen nach "Opec+"-Entscheidung

Am Montag sind die Ölpreise gefallen. Am Wochenende waren nach der Opec auch die sogenannten "Opec+"-Länder übereingekommen, wieder mehr Öl zu produzieren. Nachdem die Preise Freitag zunächst gestiegen waren, änderte sich der Preistrend am Montag.

Erdölpumpen© marrakeshh / Fotolia.com

Wien - Nach der Opec hat sich auch die Runde der sogenannten "Opec+"-Staaten darauf geeinigt, den Ölhahn weiter aufzudrehen. Das selbst auferlegte Förderlimit bleibt dabei bestehen, soll aber in den kommenden Monaten auch tatsächlich ausgeschöpft werden. Zuletzt hatten die kooperierenden Staaten rund eine Million Barrel (je 159 Liter) Öl am Tag weniger produziert, als vereinbart. Diesen Spielraum wollen die Erdöl-Exporteure nun wieder vollständig nutzen.

Welche Länder wollen die Ölproduktion steigern?

"Die Situation hat einen Richtungswechsel nötig gemacht", sagte Saudi-Arabiens Energieminister Khalid Al-Falih am Samstag nach dem "Opec+"-Treffen in Wien. So hätte etwa Indien die Opec darauf hingewiesen, dass der hohe Ölpreis ihre Wirtschaft belaste. "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass eine zusätzliche Produktion von einer Million Barrel am Tag im zweiten Halbjahr nötig ist." Welche Staaten mehr fördern dürfen, wurde noch nicht genau festgelegt.

"Ganz offensichtlich sind einige Länder nicht in der Lage, mehr zu produzieren", sagte Al-Falih. Experten gehen davon aus, dass nur Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait sowie das Nicht-Opec-Land Russland ihre Ölproduktion schnell hochfahren können. Al-Falih machte klar, dass Länder mit mehr Kapazitäten für andere einspringen werden.

"Opec+"-Staaten einigen sich Ende 2016 auf ein Förderlimit

Ende 2016 hatte sich die Opec gemeinsam mit zehn weiteren kooperierenden Staaten ("Opec+") auf ein Limit bei der Ölproduktion verständigt. Dadurch produzierte die Opec seit Januar 2017 nicht mehr als 32,5 Millionen Barrel Öl am Tag. Die tatsächliche Produktion unterschritt dieses Limit in den vergangenen Monaten deutlich, weil vor allem das krisengebeutelte Venezuela seine Quote nicht erfüllen konnte. Weltweit wurden im Mai 97,86 Millionen Barrel Öl täglich angeboten, etwa ein Drittel davon von den Opec-Staaten. Zu den "Opec+"-Staaten gehören neben den Opec-Mitgliedern unter anderem Russland und Mexiko.

"Opec+" diskutieren über langfristige Kooperation

Bereits am Freitag hatten sich die Opec-Staaten auf die neue Strategie geeinigt, der sich die kooperierenden Nicht-Opec-Länder dann anschlossen. Der Ölpreis legte trotz der ersten Entscheidungen am Freitag aber zunächst zu. "Der Markt hat mehr erwartet und entsprechend reagiert", sagte John Hall, Analyst des britischen Beratungsunternehmens Alfa Energy.

So hatte etwa Russlands Energieminister Alexander Nowak mehrfach eine Erhöhung um 1,5 Millionen Barrel am Tag ins Gespräch gebracht. Andere Experten betonten, dass es im Vorfeld Sorgen gegeben habe, dass es zu keiner Einigung kommen könnte.

Für die Opec sowie die "Opec+" war es umso wichtiger, dass sie trotz unterschiedlicher Interessen zu einer Einigung gekommen sind. Die Delegationen hatten während der Treffen in Wien immer wieder betont, dass sie auch zukünftig auf die "Opec+" setzen wollen. "Diese Gruppe kann einen Unterschied machen", sagte der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Al-Mazrouei.

Am Samstag wurde in der "Opec+"-Runde daher bereits über ein Konzept für eine langfristige Kooperation auch über das Jahr 2018 hinaus diskutiert. Nowak bezeichnete das als "extrem bedeutsamen Schritt nach vorne". In den kommenden Monaten soll darüber weiter beraten werden. Details über das Konzept wurden nicht bekannt.

Die derzeit geltende Vereinbarung über die gemeinsamen Förderlimits läuft Ende des Jahres aus. "Unser Sektor ist einer der Motoren des Weltwirtschaftswachstums, einer der Motoren des Fortschritts", sagte Nowak. Daher gelte es, nun Strategien für die Zukunft zu entwickeln.

Ölpreise fallen am Montag

Am Montag nach der Entscheidung sind die Ölpreise gefallen, wenn auch unterschiedlich stark. Der Preis für Rohöl aus der Nordsee gab deutlich nach, während für amerikanisches Leichtöl nur etwas weniger bezahlt werden musste. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August 74,14 US-Dollar. Das waren 1,41 Dollar weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank dagegen nur um 23 Cent auf 68,35 Dollar.

Quelle: DPA

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