Schluss mit lustig!

Neue Stromanbieter klagen gegen Netzbetreiber

Sechs neue Stromanbieter haben von der Taktik der ehemaligen Monopolisten die Faxen dicke und haben deshalb gegen 13 von ihnen Klage eingereicht. Sie beschweren sich, auch vier Jahre nach faktischer Strommarktöffnung vom Markt ausgeschlossen zu sein.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

"Gleiches Wahlrecht für jeden Bürger in Deutschland – auch beim Strom!" Mit diesem patriotischen Slogan sind jetzt sechs neue Stromanbieter gegen 13 Stadtwerke, Regionalversorger und Netzbetreiber ins Feld gezogen und haben exemplarisch Klage eingereicht. Der Vorwurf lautet: "Auch im vierten Jahr der Liberalisierung beim Strom grenzen viele Netzbetreiber die neuen Anbieter durch willkürliche Netznutzungsentgelte faktisch aus ihrem Netzgebiet aus. Sie verhindern dadurch den Wettbewerb und entmündigen hiermit automatisch Millionen Bürger in Deutschland. Denn wenn neue Wettbewerber nicht zu fairen Konditionen anbieten können, fehlt den Kunden das Recht auf die Wahlfreiheit beim Strom."

ares, best energy, LichtBlick, National Energy, Riva und Yello Strom wollen mit den Klagen gegen 13 Netzbetreiber die systematische Verweigerungshaltung gegen den Wettbewerb beim Strom beenden. Faktisch würde durch die "Schutzzoll-Politik überteuerter Netznutzungsentgelte" neuen Anbietern die Durchleitung unannehmbar gemacht. best energy Geschäftsführer Dr. Henning Borchers: "Meist werden die überhöhten Entgelte mit Verweis auf Berechnungsleitlinien der Verbändevereinbarung II begründet. Doch diese Verbändevereinbarung besteht aus Richtlinien, die so intransparent sind, dass dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet ist - also auch überhöhte Entgelte decken." Und auch Yello Strom Sprecher Andreas Müller ist sauer: "Wie willkürlich oft Netzdurchleitungsentgelte in Rechnung gestellt werden, zeigt beispielhaft die Antwort eines Netzbetreibers, den Yello um Erläuterung seiner Entgelte gebeten hatte. Er schrieb : ... der guten Ordnung halber bestätigen wir Ihr Schreiben vom ... und teilen Ihnen mit, dass wir uns zur Zeit außer Stande sehen, die Angemessenheit unserer Netznutzungsentgelte detaillierter nachzuweisen."

Gero Lücking, Sprecher von LichtBlick, ergänzt: "Gegen jeden fünften Netzbetreiber haben die Kartellbehörden inzwischen Voruntersuchungen wegen systematisch überteuerter Durchleitungsentgelte eingeleitet. Mit unserer Klageaktion vor den Zivilgerichten begleiten wir diese überfälligen behördlichen Aktivitäten - im Interesse weiterhin attraktiver Angebote im Markt." Aus diesem Grund fordert Monika Noormann, Leiterin Operations NES AG, im Hinblick auf die gerade laufenden Verhandlungen zur Verbändevereinbarung II plus: "Wenn in den Verhandlungsrunden zur sogenannten Verbändevereinbarung II plus die Preise nicht deutlich nach unten korrigiert werden, müssen wir die neue Verbändevereinbarung schon heute als gescheitert beurteilen."

Das könnte Sie auch interessieren
  • Stromnetz

    Urteil des BGH – Anstieg der Netzentgelte gestoppt

    Die Netzentgelte machen ein Viertel des Strompreises aus. Deren Höhe wird unter anderem von der Bundesnetzagentur reguliert und hier kam es zu einem Streit mit den Netzbetreibern. Für Verbraucher gibt es gute Nachrichten zum Ausgang des Verfahrens vor dem BGH.

  • Strompreis

    Netzentgelte sinken im Schnitt um vier Prozent

    Die Netzentgelte sollen den Tarifexperten von Verivox zufolge im kommenden Jahr im bundesweiten Schnitt sinken. Das gilt leider nicht für alle Bundesländer. Und vor allem bedeutet das nicht, dass die Stromanbieter die Preissenkungen weitergeben.

  • Stromtarife

    VEA kritisiert fehlenden Wettbewerb auf den Energiemärkten

    Noch immer zeigt sich der VEA unzufrieden mit dem Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt. Als größtes Hindernis bezeichnete der Verband die Zugangsregeln und die Preisstellung für die Netznutzung.

  • Energieversorung

    Neues von der DSA: Ärger in Oldenburg und Garbsen

    Weil die Hamburger DSA "ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt" haben die Oldenburger EWE AG und die Stadtwerke Garbsen den Kunden die Notstromversorgung angekündigt. Die DSA hat jedoch zugesagt, die Probleme in den nächsten Tagen klären zu wollen.

  • Stromnetz Ausbau

    Initiative Pro Wettbewerb: Netzbetreiber wollen Monopolpreise für Stromdurchleitungen zementieren

    Heute hat der Verband der Netzbetreiber vorgeschlagen, 18 Tarifsysteme für die Stromdurchleitung zu schaffen. Die Initiative Pro Wettbewerb ist entrüstet: Der Verband sei nicht legitimiert, ein neues Preissystem zu schaffen. Stattdessen hätte er sich zum Preisniveau äußern sollen.

Top