Fortschirttt

Netzagentur zeigt sich zufrieden mit dem Ausbau der Stromautobahnen

Beim Bau der großen Nord-Süd-Stromautobahnen ist es in der Vergangenheit zu Verzögerungen gekommen. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, sieht den Ausbau jetzt auf einem guten Weg.

26.05.2021, 08:37 Uhr (Quelle: DPA)
Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sieht den Bau der großen Nord-Süd-Stromtrassen in Deutschland auf gutem Weg. Für die Leitungen Suedlink (von Schleswig-Holstein nach Süddeutschland) und Suedostlink (von Sachsen-Anhalt nach Bayern) sei die Bundesfachplanung abgeschlossen. "Die Korridore, in denen die Leitungen verlegt werden sollen, stehen damit fest", sagte Homann der Deutschen Presse-Agentur. Im sich jetzt anschließenden Planfeststellungsverfahren werde nun "der meterscharfe Verlauf festgelegt". Über die sogenannten Stromautobahnen soll der vor allem im Norden produzierte Windstrom in den Süden transportiert werden.

Stromleitung "Nordlink" verbindet Deutschland und Norwegen

Ein wichtiger Meilenstein beim Netzausbau ist im Norden bereits geschafft. Dort verbindet "Nordlink" die Strommärkte Deutschlands und Norwegens. Das rund zwei Milliarden Euro teure Projekt ist vor einigen Wochen regulär in Betrieb gegangen und wird an diesem Donnerstag von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsidentin Erna Solberg offiziell eingeweiht. "Nordlink" verläuft zwischen Wilster in Schleswig-Holstein und Tonstad in Norwegen und ist insgesamt 623 Kilometer lang, 516 Kilometer davon liegen im Grund der Nordsee.

Deutschland speichert Ökostrom in den Wasserkraftwerken Norwegens

Über die Stromtrasse fließt je nach Produktion und Bedarf Windstrom nach Norwegen oder in Gegenrichtung Strom aus Wasserkraft nach Deutschland. Die riesigen Wasserspeicher Norwegens können so als indirekter Speicher für überschüssige deutsche Windenergie dienen. Im Gegenzug kann Deutschland etwaige Versorgungslücken beim Windstrom durch Wasserkraft aus Norwegen ausgleichen. Die Kapazität des Kabels wird mit 1.400 Megawatt angegeben. Damit können laut Tennet mehr als 3,6 Millionen Haushalte mit Strom versorgt werden.

Verzögerungen wegen des Einsatzes von Erdkabeln

Bei der Planung der Nord-Süd-Stromtrassen hatte es Verzögerungen gegeben, vor allem weil die Politik nach heftigen Bürgerprotesten entschieden hatte, sie als Erdkabel statt als Freileitung an Strommasten zu bauen. "Das war eine richtige Entscheidung, hat aber eine völlige Neuplanung nötig gemacht", sagte Homann.

Inzwischen zeichnen sich aber weitere Verzögerungen ab. Für Suedlink könnte sich die Fertigstellung vom Jahr 2026 auf das Jahr 2028 verschieben. Ob es dazu kommt, steht aus Sicht von Homann aber nicht fest. "Ob das wirklich so kommt, werden wir sehen", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur. Er gehe weiter davon aus, "dass die bisher angestrebten Inbetriebnahmedaten eingehalten werden".

Homann: Strengere Klimaziele haben Auswirkungen auf den Netzausbau

Das neue Klimagesetz werde nicht ohne Folgen für den Netzausbau bleiben, sagte Homann. "Verschärfte Klimaziele bedeuten nichts anderes als zusätzlichen Bedarf an Stromtransport." Was das genau für den Leitungsbau bedeute, sei aber noch nicht abzusehen. Das hänge von den konkreten Entscheidungen der Politik ab, etwa davon, "wo Elektrolyseure für die Wasserstoffproduktion errichtet werden".

Das könnte Sie auch interessieren
  • Hochspannungsmasten

    Tennet : Neue Leitungen - Netzausbau verteuert sich um 20 Milliarden

    Mehr Ökostrom bedeuten auch einen umfassenden Netzausbau. Die Netzbetreiber sagen nun, dass die bisher geplanten Stromleitungen für die Energiewende nicht ausreichen werden und 20 Milliarden Euro zusätzlich investiert werden müssen.

  • Geld sparen

    Netzentgelte sinken - Strom wird 2019 günstiger

    Die Übertragungsnetzbetreiber haben angekündigt, die Netzentgelte im kommenden Jahr zu senken. Für private Verbraucher und insbesondere für Firmen könnte die Stromrechnung dann niedriger ausfallen.

  • Netzausbau

    Nordlink-Stromtrasse erhält weitere EU-Hilfen

    Die Stromtrasse Nordlink soll ab 2020 Ökostrom von Norwegen nach Deutschland leiten und umgekehrt. Die Europäische Union hatte 2017 bereits einen Kredit in Millionenhöhe für das Projekt zugesagt, jetzt folgt eine weitere Finanzspritze.

Top