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Nachfrage nach Mieterstrom-Förderung liegt hinter Erwartungen

Die Förderung von Mieterstrom-Modellen durch die Bundesregierung stößt bisher auf verhaltenes Interesse. Mit den Verträgen können Mieter den Ökostrom vom eigenen Dach beziehen und sparen. Vermieter erhalten dafür Zuschläge.

SolarzellenBei Mieterstrom-Modellen beziehen Mieter den Solarstrom vom Vermieter.© il-fede / Fotolia.com

Berlin - Die Nachfrage nach geförderten Mieterstrom-Modellen, über die Mieter verstärkt von Solaranlagen auf Hausdächern profitieren sollen, bleibt gut ein Jahr nach Einführung überschaubar. Die Bundesnetzagentur veröffentlichte in der Nacht zum Dienstag neue Zahlen. Die Summe der Leistung der eingetragenen Anlagen beträgt für das laufende Kalenderjahr 3,7 Megawatt - förderfähig wären allerdings 500 Megawatt pro Jahr. Demnach wurden seit Inkrafttreten des Gesetzes am 25. Juli 2017 bis Ende Juni dieses Jahres 139 Anlagen eingetragen. "Wir beobachten die Wirkungen, aber zunächst muss das Gesetz auch im Markt wirken können", teilte das Bundeswirtschaftsministerium auf Anfrage dazu mit.

Vorteile von Mieterstrom-Modellen

Das Gesetz sollte die Energiewende in den Innenstädten voranbringen. Dafür lässt der Hausbesitzer eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach bauen, von der die Bewohner der Mietwohnung ohne Umweg Strom beziehen - und zwar billiger als von einem normalen Stromanbieter. Es entfallen nicht nur bestimmte Teile der Stromrechnung, etwa Netzentgelte, sondern der Betreiber der Anlage - also der Hausbesitzer oder ein von ihm beauftragter Anbieter - bekommt auch noch einen Zuschlag pro Kilowattstunde. Der nicht verbrauchte Strom wird ins Netz eingespeist und vergütet. Mieter sind nicht verpflichtet, den Strom vom Dach zu beziehen, das darf nicht mit dem Mietvertrag verknüpft werden.

Was sagen Kritiker?

Kritiker sehen sich nach einem Jahr bestätigt. "Die Zahlen zeigen, dass das Mieterstromgesetz kaum wirkt", sagte ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), der Stadtwerke und kommunale Netzbetreiber vertritt, der dpa. Das liege nicht am Modell selbst, sondern an der rechtlichen Ausgestaltung: "Bürokratische Vorgaben wie Preisobergrenzen oder das Verbot geeigneter Flächen wie Garagendächer hemmen die Nachfrage."

Finanziert wird der Zuschlag über die EEG-Umlage, die alle privaten Stromverbraucher und viele Unternehmen mit der Stromrechnung zahlen. Dass beim Mieterstrom die regional berechneten Netzentgelte für die Netzbetreiber wegfallen, führt ebenfalls zu Mehrkosten für die anderen Stromverbraucher in der Region - allerdings sehr überschaubar, wie das Wirtschaftsministerium angibt.

Dennoch kritisiert das unter anderem der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): "Das Modell, über Privilegierung bei Netzentgelten Mieterstrommodelle zu fördern, ist kompliziert und birgt soziale Risiken", sagte Stefan Kapferer, der Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung. Zielführender sei eine komplette Förderung über die EEG-Umlage, so dass die Last bundesweit verteilt würde.

Bündnis fordert höhere Zuschläge und die Abschaffung der EEG-Umlage beim Mieterstrom

Ein Bündnis aus Immobilien-, Energie- und Umweltverbänden sowie Verbraucherschützern hat bereits Verbesserungsvorschläge vorgelegt. Es fordert unter anderem, den Strom von der EEG-Umlage zu befreien oder den Zuschlag entsprechend zu erhöhen. Verbraucher ohne Mieterstrom, die dies über ihre Stromrechnung mitfinanzierten, sollten über eine Reform beim Strompreis entlastet werden. Zudem sollten aus Sicht der Verbände der Lieferbereich für den Mieterstrom erweitert werden, etwa auf den Wohnblock oder das Quartier.

Die Grünen im Bundestag nannten das Mieterstromgesetz einen "Rohrkrepierer". Schon vor einem Jahr sei es als viel zu bürokratisch und ineffizient kritisiert worden, sagte Vize-Fraktionschef Oliver Krischer. "Wieder einmal haben Union und SPD unter Beweis gestellt, dass sie nicht willens oder in der Lage sind, die notwendigen nächsten Schritte in der Energiewende zu gehen."

Quelle: DPA

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