Netzausbau

Mobilfunker drücken beim Turbo-Internet aufs Gaspedal

Der Ausbau des mobilen Turbo-Internets für Smartphones und Computer geht in großem Tempo weiter. Am Dienstag nahm O2 erste eigene Netze mit dem neuen Standard LTE in Nürnberg und Dresden in Betrieb.

04.07.2012, 08:31 Uhr
Netzwerk© TheSupe87 / Fotolia.com

Berlin/München (dapd/red) - Die Deutsche Telekom gab unterdessen bekannt, inzwischen 50 Städte an LTE angeschlossen zu haben - darunter jetzt auch Berlin, Bremen und Stuttgart. Vodafone gibt wiederum an, mobiles Internet mit LTE für gut 50 Städte anbieten zu können. Vor allem unter den beiden großen Anbietern tobt nun ein Wettkampf um die Geschwindigkeit beim mobilen Datentransport.

Wettkampf auch um den Speed

LTE-Nutzer werden an unterschiedlichen Orten auch unterschiedlich schnell im Internet unterwegs sein können. Auf dem flachen Land funken die Mobilfunker etwa auf Frequenzen, die möglichst weit strahlen. Auf anderen Frequenzen können die Anbieter in Städten wiederum mehr Datenpakete in der gleichen Zeit übertragen - dafür aber nur auf kürzeren Entfernungen. Sie brauchen also mehr Sender.

Telekom-Manager Michael Keller betonte am Dienstag, nur sein Konzern baue "in dieser Konsequenz" das hochfrequente Netz auf, das Daten mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) übertrage. Aber auch Vodafone hat sich das 100-Mbit-Netz auf die Fahnen geschrieben. O2 setzt hingegen vorerst nicht auf die aktuell schnellste LTE-Version. Neben der LTE-Durchdringung ringen die Anbieter so auch um Qualität.

Anbieter wollen bald mindestens 100 Städte versorgen

Telekom, Vodafone und O2 hatten für die LTE-Frequenzen im Mai 2010 insgesamt 4,4 Milliarden Euro für den Bund auf den Tisch gelegt. Die drei Konzerne haben dabei ehrgeizige Ziele, die aber nicht immer direkt vergleichbar sind. So erklärte die Telekom am Dienstag, die Zahl der versorgten Städte bis zum Jahresende auf 100 verdoppeln zu wollen, während eine O2-Sprecherin auf dapd-Anfrage als Zielmarke gar 200 ausgab, neben Städten aber auch Gemeinden mit einschloss. Ein Telekom-Sprecher erklärte dazu wiederum, sein Konzern versorge mehr als 8.000 Gemeinden mit LTE - die 100 Städte kämen "on top".

Ein Vorteil für die Verbraucher: Die Anbieter bauen vielfach andere Regionen und Städte aus. So begann die Telekom etwa am Konzernsitz in Bonn, während Konkurrent Vodafone seine Heimatstadt Düsseldorf als eine der ersten Städte in Angriff nahm. In ersten Städten wie Berlin und Hamburg entstand unter den LTE-Anbietern inzwischen auch ein Wettbewerb. Dort rüsten mindestens zwei Mobilfunker ihre Netze mit dem neuen Standard nach, in diesen Fällen Vodafone und Telekom.

Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg warten noch

Bei der Ersteigerung der Frequenzen hatten sich die drei Anbieter verpflichtet, zunächst die sogenannten "weißen Flecken" bei der Breitbandversorgung in Deutschland zu schließen - was größtenteils bereits erfolgt ist: Inzwischen listet die Bundesnetzagentur nur noch für Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg Lücken in der LTE-Verfügbarkeit auf. Dort warten noch immer Verbraucher und Unternehmen auf die Möglichkeit, schneller als mit klassischen Analog- oder ISDN-Modems zu surfen.

Gleichzeitig stellen sich die Anbieter darauf ein, dass sie mit der sogenannten vierten Generation der Mobilfunktechnik deutlich mehr Daten verarbeiten müssen als bisher. "Der Datenhunger ist klar erkennbar, vor allem nach Videos", sagte Telekom-Manager Keller. Im Hintergrund hilft sein Konzern sogar einem Konkurrenten: Die Telekom bindet viele LTE-Sendestationen von O2 an die Datenautobahn an. Um die Kunden buhlen die Anbieter allerdings weiterhin völlig separat.

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