Preissteigerungen

Millionenschwerer Wettermast als Wahrzeichen

Der Garchinger Wettermast ist ein erneutes Beispiel für eine am Landtag vorbeigeschummelte Baumaßnahme, die den Steuerzahler Millionen kostete.

Geld ausgeben© Peter Atkins / Fotolia.com

Der Garchinger Wettermast ist ein erneutes Beispiel für eine am Landtag vorbeigeschummelte Baumaßnahme, die den Steuerzahler Millionen kostete. Keine politische Instanz hat zugestimmt, und doch wurden statt zunächst angepeilter 850.000 Euro über sechs Millionen Euro verbraten.

Warum nicht gleich viel teurer bauen?

Der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) schildert die Geschichte wie folgt: Auf dem Gelände der TU München in Garching stand seit 1961 ein Beobachtungsmast zur Überwachung meteorologischer Daten. Die Daten sind für den Betrieb des Forschungsreaktors nötig. Der alte Beobachtungsmast war eine einfache Stahlgitterkonstruktion, an der die Messgeräte befestigt waren. Für die Neugestaltung und Bebauung der Flächen musste der Mast aber verlegt werden. Dabei entstand dann eine neue Idee: Der Mast sollte nicht nur Messdaten liefern, sondern ein Wahrzeichen für den neuen "Wissenschaftscampus" werden.

Neues Wahrzeichen statt schlichtem Gittermast

Schon in der Planung kletterten die Kosten deshalb von ursprünglich 850.000 Euro für einen neuen Stahlgittermast auf erst 1,9 Millionen und dann auf 2,7 Millionen Euro für den neuen Turm. Auch die Arbeiten dauerten deutlich länger als geplant, 25 Nachtragsaufträge mussten erteilt werden. Inzwischen ist der neue Turm in Betrieb - und die Kosten belaufen sich auf 6,1 Millionen Euro. Der ORH findet: Bevor man mit dem Bauen beginnt, sollte man sorgfältig planen. Vor allem aber sollte man den Landtag fragen - denn das wäre hier zwingend nötig gewesen. Aber, so der Rechnungshof wörtlich: Wer will schon einen schlichten Gittermast, wenn er stattdessen ein neues Wahrzeichen bekommen kann?

Den Schwarzen Peter hat nicht nur die Uni

Das Wissenschaftsministerium ist aufgefordert, so die abschließende Bemerkung des ORH, seiner Aufsichtspflicht nachzukommen und künftig sicherzustellen, dass die Universitäten kostenbewusst handeln. Eine gewisse Verantwortung trage allerdings auch die Baubehörde. Diese habe spätestens seit 2007 von der Neukonzeptionierung gewusst und einigen Maßnahmen auch zugestimmt.

Top