Energiearmut

Millionen Haushalte können kaum die Stromrechnung bezahlen

Millionen deutsche Haushalte haben einem Bericht zufolge massive Probleme beim Begleichen ihrer Stromrechnung. In mehr als sechs Millionen Mahnverfahren kündigten die Stromlieferanten 2011 laut einem Bericht der Zeitung "taz" vom Mittwoch an, den Strom abzustellen. Für das laufende Jahr dürften die Zahlen noch gestiegen sein.

22.11.2012, 11:29 Uhr (Quelle: AFP)
Stromkosten© Sergej Toporkov / Fotolia.com

Berlin (AFP/dapd/red) - 312.000 Haushalten und Unternehmen sei die Stromversorgung tatsächlich gekappt worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen noch unveröffentlichten Bericht der Bundesnetzagentur, die sich auf Anfrage nicht näher äußern wollte.

Wann wirklich der Strom abgestellt wird

Mit dem Abstellen des Stroms wird dem Bericht zufolge ab Ausständen von rund 120 Euro gedroht. Die meisten Verbraucher hätten anschließend gezahlt oder sich mit dem Versorger über die Stundung der Stromkosten geeinigt, berichtete die "taz" unter Berufung auf die Bundesnetzagentur. Demnach befragte die Bundesnetzagentur für den Bericht erstmals alle Lieferanten und Netzbetreiber nach Versorgungsunterbrechungen.

Strom wird für viele Menschen zum Luxusgut

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hatte im Februar mitgeteilt, 2010 hätten Energieversorger in dem bevölkerungsreichsten Bundesland über drei Millionen Mal die Zahlung von Stromrechnungen angemahnt. 340.000 Haushalten sei die Sperrung des Anschlusses angedroht worden, 62.000 Kunden sei der Strom tatsächlich abgestellt worden. Preiserhöhungen bei Strom und Gas in Höhe von durchschnittlich 15 Prozent hätten Energie für viele Haushalte "zur unbezahlbaren Ware" werden lassen, kritisierten die Verbraucherschützer.

Anbieterwechsel bleibt Bedürftigen oft verwehrt

Problematisch ist weiterhin, dass viele Bedürftige den Stromanbieter gar nicht wechseln können, womit ihnen eine wichtige Einsparmöglichkeit verwehrt bleibt. Denn zum Wechsel wird meist eine ausreichende Bonität vorausgesetzt, die auf Transferleistungen angewiesene Menschen in der Regel nicht gewährleisten können.

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