Trotz Mietpreisbremse

Mietpreise in Großstädten steigen weiter

Die Mietpreise in Berlin und München sind in den letzten 2 Jahren stärker gestiegen als vor der Einführung der Mietpreisbremse, so eine Auswertung von immowelt. In Köln und Hamburg dagegen sieht es besser aus.

Mietvertrag© Björn Wylezich / Fotolia.com

Nürnberg – Die Mietpreisbremse hinterlässt in den Metropolen kaum Spuren. Im Gegenteil: In zwei der vier deutschen Millionenstädte sind die Mieten seit Inkrafttreten des Gesetzes vor zwei Jahren noch stärker gestiegen als vor der Gesetzeseinführung. Das zeigt eine Analyse von immowelt.de.

Mietsteigerungen in Berlin und München

Nahezu ungebremst sind die Mieten in den vergangenen zwei Jahren in Berlin und München in die Höhe geschnellt. In der Hauptstadt beispielsweise stiegen die Mieten seit dem 1. Quartal 2015 von 8,50 Euro pro Quadratmeter (Median) um 18 Prozent auf zehn Euro. In den zwei Jahren vor der Einführung der Mietpreisbremse lag die Steigerungsrate bei 16 Prozent.

In München zeigt sich ein ähnliches Bild. Trotz Einführung der Mietpreisbremse im August 2015 entwickeln sich die Mieten in der bayerischen Landeshauptstadt weiterhin kräftig nach oben. Seit dem 1. Quartal 2015 stiegen die Quadratmeterpreise von 14,80 Euro um 14 Prozent auf 16,90 Euro. In den zwei Jahren vor Inkrafttreten der Mietpreisbremse war die Steigerungsrate mit 12 Prozent etwas niedriger.

Der Zuzug in die beiden Metropolen ist laut immowelt.de ungebrochen und die Bevölkerung wächst von Jahr zu Jahr. Allein nach Berlin zögen jährlich rund 40.000 Menschen. Neuer, bezahlbarer Wohnraum werde aber kaum geschaffen. Stattdessen würden viele der Neubauten, die entstehen, zu Höchstpreisen verkauft oder vermietet. Auch Luxussanierungen trieben die Mieten weiter in die Höhe. Neubauten sowie umfassend sanierte Wohnungen sind per Gesetz von der Mietpreisbremse ausgenommen, erklärt das Portal. Es fehle auch an geförderten, bezahlbaren Sozialwohnungen.

Beruhigter Wohnungsmarkt in Köln und Hamburg

Auch die Mietpreise in Köln und Hamburg sind seit Einführung der Mietpreisbremse angestiegen, aber deutlich weniger stark. In Köln sind es drei Prozent (10,30 Euro pro Quadratmeter). Zwischen 2013 und 2015 lag die Steigerungsrate in der Domstadt noch bei zehn Prozent. In Hamburg stiegen die Mieten seit Einführung der Mietpreisbremse um zwei Prozent, von 10,80 Euro pro Quadratmeter im 1. Quartal 2015 auf 11 Euro im 1. Quartal 2017. Im 2-Jahres-Zeitraum zuvor lag die Steigerung noch bei acht Prozent.

Hamburg hat den Grundstein für den Kampf gegen die steigenden Mietpreise schon 2011 mit dem "Bündnis für das Wohnen" gelegt. Seitdem entstehen pro Jahr mehrere tausend – vor allem bezahlbare – Wohnungen in der Hansestadt. Auch Köln treibt den Wohnungsneubau voran: 2014 wurde das Stadtentwicklungskonzept Wohnen beschlossen, wonach in Zukunft jedes Jahr 3.400 Wohnungen entstehen sollen.

Mietpreisbremse gilt in 313 Städten und Gemeinden

Seit dem 1. Juni 2015 können die Länder für Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt die Mietpreisbremse verhängen. Bei Wiedervermietung von Bestandsimmobilien darf die Miete höchstens auf das Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete zuzüglich zehn Prozent angehoben werden. Allerdings gibt es Ausnahmen: Neubauten sowie umfassend sanierte Wohnungen sind ausgenommen. Außerdem gilt ein Bestandsschutz: Kein Vermieter muss die Miete senken – auch nicht, wenn er die Wohnung neu vermietet. Mittlerweile gilt das Gesetz in 313 Städten und Gemeinden.

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