Jahresvergleich

Mehrwertsteuersenkung und Energiepreise dämpfen Inflation

Die Energiepreise sind im Juli 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das hat sich dämpfend auf die Inflation ausgewirkt. Der Preisanstieg beim Strom hat sich demnach verlangsamt.

18.08.2020, 17:03 Uhr
Strom- und GaspreiseOhne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Inflationsrate im Juli laut Statistischem Bundesamt bei +0,8 Prozent gelegen,© Kautz15 / Fotolia.com

Preisrückgänge bei Energieprodukten gegenüber dem Vorjahresmonat wirkten sich dämpfend auf die Inflationsrate in Deutschland aus, berichtet das Statistische Bundesamt (Destatis). Diese habe - gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat - im Juli 2020 bei -0,1 Prozent gelegen. Damit sei die Inflationsrate im Juli 2020 zurückgegangen (Juni 2020: +0,9 Prozent). Außerdem seien die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Prozent gesunken Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Inflationsrate demnach im Juli 2020 bei +0,8 Prozent gelegen, ohne Energieprodukte und Nahrungsmittel bei +0,7 Prozent.

Auswirkungen der Mehrwertsteuersenkung

Nachdem die Inflationsrate im Juni leicht angestiegen sei, habe die Mehrwertsteuersenkung zum 1. Juli als eine Maßnahme des Konjunkturpakets der Bundesregierung nun die Preisentwicklung gedämpft. In welchem Umfang die niedrigeren Steuersätze an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurden, sei nur schwer nachweisbar, da die Preisentwicklung von vielen Faktoren abhänge. Der Einfluss der Senkung der Mehrwertsteuersätze könne daher nur modellmäßig berechnet werden. Unter der Annahme einer vollständigen und sofortigen Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung an die Verbraucherinnen und Verbraucher ergäbe sich im Juli 2020 rein rechnerisch eine um 1,6 Prozentpunkte niedrigere Inflationsrate.

Energiepreise gesunken

Die Preise für Waren insgesamt verbilligten sich der Behörde zufolge von Juli 2019 bis Juli 2020 um 1,4 Prozent. Ein Grund dafür dürfte die Mehrwertsteuersenkung sein: So habe sich der Preisrückgang bei Energie gegenüber dem Vorjahresmonat trotz wieder steigender Ölpreise auf dem Weltmarkt mit -6,7 Prozent leicht verstärkt (Juni 2020: -6,2 Prozent). Vor allem seien Heizöl (-31,3 Prozent) und Kraftstoffe (-12,9 Prozent) günstiger. Zudem habe sich Strom nur noch um 2,1 Prozent (+4,1 Prozent) verteuert.

Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln und Tabak

Die Preise für Nahrungsmittel hätten sich binnen Jahresfrist um 1,2 Prozent erhöht, hier habe sich der Preisauftrieb deutlich abgeschwächt (+4,4 Prozent). Das gelte vor allem für Obst (+7,8 Prozent) sowie Fleisch und Fleischwaren (+5,4 Prozent) ermittelt. Merklich teurer blieben auch Tabakwaren (+6,6 Prozent), die von der Mehrwertsteuersenkung ausgenommen seien. Dienstleistungen wie der Besuch beim Friseur oder im Restaurant hätten sich binnen Jahresfrist überdurchschnittlich um 1,2 Prozent verteuert, die Mehrwertsteuersenkung wirke sich hier kaum aus. Bedeutsam war hier die Erhöhung bei den Nettokaltmieten (+1,4 Prozent) gewesen, da private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden und diese zudem nicht von der Mehrwertsteuersenkung betroffen seien. Fahrkarten im Fernverkehr seien hingegen deutlich günstiger geworden (-16,0 Prozent), was vor allem auf die bereits seit Jahresbeginn gesunkene Mehrwertsteuer zurückzuführen sei.

Energiepreise im Vergleich zum Vormonat

Im Vergleich zum Juni sei der Verbraucherpreisindex insgesamt im Juli um 0,5 Prozent gesunken. Die Preise für Energieprodukte insgesamt seien um 0,7 Prozent zurückgegangen, vor allem seien die Preise für Heizöl (-4,4 Prozent) gesunken. Hingegen seien die Kraftstoffpreise um 1,5 Prozent gestiegen.

Insbesondere saisonbedingt hätten sich im Ferienmonat Juli auch die Preise für Pauschalreisen (+16,6 Prozent) und Flugtickets (+4,6 Prozent) verteuert, wobei das Angebot hier eingeschränkt war. Günstiger als im Juni seien im Juli zahlreiche Güter infolge der Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung gewesen.

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