Streit

Maut für Fernbusse: Kann das Reisen teurer werden?

Fernbusse müssen bisher keine Maut zahlen. Kritiker sehen darin einen klaren Wettbewerbsvorteil und wollen, dass die Busse in das Mautsystem einbezogen werden. Würde das Reisen mit dem Fernbus dann teurer werden?

Busfahrt© Yuri Bizgaimer / Fotolia.com

Berlin (dpa/red) - Es ist ein heißes Eisen in der Verkehrspolitik: Fernbusse zahlen anders als schwere Lastwagen keine Maut. Die Bundesregierung hat das mit der Öffnung des Fernbusmarktes Anfang 2013 so entschieden. Inzwischen hat sich in Deutschland ein passables Streckennetz entwickelt. Kritiker fordern nun, die Busse in das Mautsystem einzubeziehen. Es gehe um einen angemessenen Beitrag an den Kosten, die durch die Abnutzung der Fernstraßen entstünden.

Könnten die Fernbus-Reisen teurer werden?

Das Bundesverkehrsministerium hat ausgerechnet, dass eine Omnibusmaut, die der Lkw-Maut entspricht, mit 0,2 Cent pro Fahrgast und Kilometer zu Buche schlüge. Wenn die Unternehmen das in voller Höhe weitergäben, würde sich der Preis für einen Busfahrschein für eine Strecke von 100 Kilometern um 20 Cent erhöhen. Bei 500 Kilometern wäre es ein Euro mehr.

Wird wegen der fehlenden Maut gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen?

Das ist umstritten. Bahnchef Rüdiger Grube hatte bereits im Frühjahr eine Maut für Fernbusse gefordert. Die Bahn zahle im Fernverkehr pro Person und Kilometer sechs Cent Trassennutzungsgebühren, die Fernbusse hingegen keine Maut. Zudem werde die Bahn bei Ökostrom-Umlage, Stromsteuer und Klimaabgabe mit mehr als 300 Millionen Euro jährlich zur Kasse gebeten. Die Bahnlobby "Allianz pro Schiene" rechnet vor, nach dem jüngsten Wegekostengutachten des Verkehrsministeriums entgingen dem Staat allein in diesem Jahr 335 Millionen Euro, weil für Fernbusse keine Maut erhoben werde.

Gegenargumentation der Busunternehmer

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) bestreitet einen Wettbewerbsvorteil. Mit der Mineralölsteuer, die für jeden Liter Diesel fällig wird, komme der Bus für die Kosten auf, die er durch die Straßennutzung verursache. Busse seien nur für 1,2 Prozent der Sanierungskosten für Autobahnen verantwortlich. Die Bahn dagegen decke mit den Trassenpreisen nur ein Viertel ihrer Infrastrukturkosten. Die Ökobilanz des Busses sei hervorragend. Zudem hätten die Busse den Wettbewerb im Fernverkehr erhöht, sagt BDO-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonhard. So sei die Deutsche Bahn zu einer Qualitätsoffensive gezwungen gewesen.

Ist die Einführung einer Busmaut wahrscheinlich?

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist dazu nichts festgelegt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat "keine Pläne", sie einzuführen. Sie würde nach seinen Worten "den aktuellen harten Wettbewerb mit der Bahn auch nicht relevant verändern". Dobrindts Sprecher Sebastian Rudolph merkt an, nach aktuellen Untersuchungen seien "rund 50 Prozent der Fernbusreisenden entweder Neukunden oder vom Pkw auf den Fernbus umgestiegen". Das zusätzliche Mobilitätsangebot "auch für den kleinen Geldbeutel" wolle die Bundesregierung weiterhin fördern. Und die bundeseigene Bahn habe mit einer neuen Strategie für ihre Fernbusflotte auch schon reagiert

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Quelle: DPA

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