Verbraucherschutz

Mängel bei jedem sechsten TV-Energielabel

Das Energielabel soll Verbrauchern grundsätzlich eine Orientierung bei der Kaufentscheidung bieten. Bei stetig steigenden Strompreisen ist dies besonders wichtig. Der vzbv und der BUND konnten bei einer Stichprobe bei jedem sechsten TV-Gerät überhaupt kein oder aber ein fehlerhaftes Label feststellen.

14.02.2014, 14:31 Uhr
Stromverbrauch© Alain Lavanchy / Fotolia.com

Berlin (dpa/tmn/AFP/red) -Wie Kühlschränke oder Waschmaschinen müssen auch Fernsehgeräte im Handel mit dem EU-Energielabel gekennzeichnet werden. Doch längst nicht immer sind die Angaben korrekt, wie der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einer Stichprobe herausgefunden haben. Von 1.158 Geräten bei 22 Händlern waren elf Prozent gar nicht und sieben Prozent fehlerhaft gelabelt. Das betrifft insgesamt rund jedes sechste Gerät.

Vertauschte Labels

Als fehlerhaft stuften die Tester etwa veraltete, schwarz-weiße, mit einem anderen Gerät vertauschte oder in einem anderen als dem von der EU vorgegebenen Design ausgeführte Label ein. Die farbige Skala der Labels reicht bei Fernsehern von A+ oder sogar A++ (grün) für besonders effiziente Geräte bis hin zu einem F (rot) für Energieschleudern.

Leider werde die Kennzeichnung der Elektrogeräte von Herstellern und Handel nicht flächendeckend gewährleistet, beklagte der Leiter Energiepolitik des BUND, Thorben Becker. Die fehlende oder falsche Auszeichnung solcher Produkte sowie der Verkauf von Geräten, die wegen ihrer schlechten Energieeffizienz gar nicht in den Handel kommen dürften, führe zu einem zusätzlichen Energieverbrauch in Europa von 100 Terrawattstunden im Jahr. Das entspreche rund 75 Prozent der Energie, die alle Haushalte in Deutschland zusammen im Jahr 2011 verbrauchten.

Händler sind mitverantwortlich

Wenn gar kein Label am ausgestellten Gerät zu finden ist, trifft die Schuld den Händler, der die vom Hersteller mitgelieferten Verbrauchsetiketten anbringen muss, erklärt Johanna Kardel, Referentin Energieeffiziente Produkte beim vzbv. Möglich sei auch, dass der Verkäufer die Verpackung nicht öffnen möchte und deshalb vielleicht ein schwarz-weiß kopiertes oder sogar ein Label anheftet, das gar nicht zum betreffenden Gerät gehört.

Verbrauchswerte sollen geprüft werden

Grundsätzlich gilt aber: "Die Verantwortung liegt auf beiden Seiten", sagt Kardel. Denn es könne auch vorkommen, dass der Hersteller ein nicht zulässig gestaltetes Label oder ein Etikett mit falschen Informationen liefert. Die Angaben liegen allein in der Eigenverantwortung der Hersteller. Ob die von Herstellern angegebenen Verbrauchswerte stimmen, wollen vzbv und BUND künftig auch mit Laboruntersuchungen herausfinden.

Gründlich Informieren

Verbrauchern empfiehlt Johanna Kardel, sich vor einem Gerätekauf erst einmal umfassend über Energieeffizienz und das EU-Label zu informieren - etwa auf den Infoseiten der Deutschen Energie-Agentur (dena). Und: "Bei Händlern, die gar nicht gelabelt haben, müssen Verbraucher nachfragen."

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