Finanztest

Kreditberatung: Banken versagen auf ganzer Linie

Ein niederschmetterndes Ergebnis für die Tester von Finanztest: Zwölf überprüfte Filialbanken berieten allesamt schlecht oder gar falsch bei Kreditangeboten. Außerdem veranlassten einige Berater falsche Einträge bei der Schufa.

15.05.2012, 11:45 Uhr
Ersparnisse© anmaro / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Für die Zeitschrift "Finanztest" (Juni-Ausgabe) wurden insgesamt 85 Kreditangebote in Höhe von 4000 Euro bei zwölf Filial- und fünf Direktbanken getestet. Keine der zwölf getesteten Filialbanken erfüllte demnach ihre Aufgabe. Zehn fielen komplett durch, zwei Filialbanken erhielten lediglich die Note "ausreichend".

Den Kreditangeboten der Filialbanken fehlten demnach oft die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen, die dem Kunden einen Vergleich verschiedener Angebote ermöglichen. Stattdessen seien Tester im Einzelfall mit dem Hinweis abgefertigt worden, die neue Software könne die Angebote leider nicht ausdrucken oder die Ausdrucke seien gar verboten.

Bonität bei der Schufa durch falsche Anfragen verschlechtert

Außerdem beschädigten einige Bankberater laut Warentest die Kreditwürdigkeit der Kunden durch falsche Anfragen bei der Schufa, der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung. Als Folge davon wird es für den Betroffenen entweder deutlich teurer, Geld zu leihen oder er erhält gar kein Kreditangebot mehr.

Einige Banken im Test beharrten darüber hinaus auf dem Abschluss einer Restschuldversicherung, die bei der geringen Kreditsumme laut "Finanztest" allerdings verzichtbar ist. Durch eine solche Versicherung habe sich zum Beispiel in einem Fall der Zins von 9,99 Prozent auf satte 19,33 Prozent erhöht.

Direktbanken machen es besser durch Automatisierung

Ein Lichtblick sind laut Warentest dagegen die Direktbanken: Vier von fünf getesteten Instituten schnitten "sehr gut" ab. Eines war "ausreichend". Die Direktbanken haben das Erstellen von Kreditangeboten in der Regel automatisiert.

Banken missachten Gesetze und nehmen Kunden nicht ernst

"Finanztest"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen bezeichnete das Testergebnis als "Katastrophe". So hätten Filialbanken in vielen Fällen nicht nur Gesetze missachtet, unnötig Zinsen hochgeschraubt und die Kreditwürdigkeit von Kunden geschädigt. Die Banken hätten zugleich dokumentiert, "dass sie die Information ihrer Kunden nicht ernst nehmen", erklärte Tenhagen. Dies aber sei ein wesentlicher Eckpfeiler des Verbraucherschutzes auf den Finanzmärkten. Er warf den Banken vor, die politischen Bemühungen, durch mehr und bessere Informationen das Vertrauen der Kunden in das Finanzsystem wieder herzustellen, zu untergraben.

Was Stiftung Warentest Kunden rät

Kunden sollten laut Stiftung Warentest Angebot am besten über eine Direktbank einholen. Wer lieber in die Filiale geht, sollte sich gut vorbereiten und informieren. Man sollte darauf achten, dass das Formular "Europäische Standardinformation für Verbraucherkredite" ausgehändigt wird. Spricht der Berater die Schufa-Abfrage nicht selber an, sollte man darauf hinweisen, dass das Merkmal "Anfrage Kreditkonditionen" eingestellt sein muss. Mit anderen Einstellungen kann die Bonität beeinflusst werden.

Vorab informieren und Konditionen vergleichen

Tarife.de bietet die Möglichkeit, zahlreiche Anbieter und deren Kredite zu vergleichen. Vergleiche gibt es für Ratenkredite und speziell für Autokredite. So verschafft man sich schnell einen Überblick.

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