Gesetzlich vs. privat

Krankenkasse: Beamte sollen in weiteren Ländern entscheiden können

In Hamburg dürfen Beamte seit einigen Monaten entscheiden, ob sie bei einer privaten oder gesetzlichen Krankenkasse versichert sein wollen. Über 1.000 haben im ersten Jahr gewechselt. Andere Länder wollen nun gleichziehen.

Krankenkasse© Marco2811 / Fotolia.com

Berlin - Nach dem Vorreiter Hamburg wollen mehrere SPD- oder linksgeführte Länder Beamten den Eintritt in die gesetzliche Krankenversicherung erleichtern. So gibt es konkrete Pläne in Thüringen, Brandenburg, Bremen und Berlin, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt. In Hamburg können seit August 2018 neue Beamte oder solche, die bereits gesetzlich krankenversichert sind, einen Zuschuss zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) als "pauschale Beihilfe" bekommen.

Acht von zehn Beamten sind privatversichert

Heute sind mehr als acht von zehn Beamten in Deutschland privat krankenversichert. In einer gesetzlichen Kasse müssen sie den Beitrag bisher allein zahlen. Behandlungskosten werden in der Privaten Krankenversicherung (PKV) für sie zu 50 bis 70 Prozent vom Staat als Beihilfe übernommen, den Rest zahlt die Versicherung. Die SPD war 2017 mit der Forderung nach einer Bürgerversicherung in den Bundestagswahlkampf gezogen. Privatversicherte sollten dorthin wechseln können. Jeder Neuversicherte sollte automatisch Mitglied sein. Auch immer mehr Gutverdiener, Beamte und Selbstständige sollten gesetzlich versichert werden. In der Koalition mit der Union hatte so eine Reform keine Chance.

Über 1.000 Beamte in Hamburg wechselten die Versicherung

In Hamburg haben im ersten halben Jahr rund 1.200 Beamte die pauschale Beihilfe beantragt. 1.015 davon erhielten den Zuschuss nach Angaben des Personalamts mit ihren Februar-Bezügen bereits ausgezahlt. "Die Zahl von über 1.000 Beamtinnen und Beamten zeigt, dass es einen großen Bedarf für eine solche Regelung gibt", sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Dass überproportional viele Antragsteller aus den unteren Besoldungsgruppen stammten, "verdeutlicht, dass wir eine sehr sozial gerechte Alternative zur bisherigen Beihilfe geschaffen haben."

Attraktiv sei das Modell insbesondere für Beamte mit Familie, da sie von einkommensabhängigen Beiträgen und der beitragsfreien Familienmitversicherung profitierten, sagte ein Behördensprecher. Zudem sei die pauschale Beihilfe ein Schutz vor Beitragsüberforderung im Alter. "Während Beiträge der privaten Krankenversicherung im Alter oft steigen, sinken die Beiträge der gesetzlichen mit abnehmendem Alterseinkommen."

Berlin, Thüringen und Brandenburg wollen Beamten die freie Wahl lassen

Thüringen will dem Hamburger Beispiel folgen. Die Landesregierung will Beamte vor die Wahl stellen, ob sie gesetzlich oder privat krankenversichert sein wollen. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird derzeit im Innenausschuss des Landtags beraten. Mit dem geplanten Gesetz soll eine zusätzliche Beihilfe eingeführt werden, damit sich Beamte auch für die GKV entscheiden können, ohne finanzielle Nachteile fürchten zu müssen, hatte Innenstaatssekretär Uwe Höhn (SPD) in Erfurt erläutert.

Die Brandenburger Landesregierung brachte im Januar einen Gesetzentwurf zur Einführung einer solchen Pauschale in den Landtag ein. Finanzminister Christian Görke (Linke) sieht das als Schritt zur Steigerung der Attraktivität der Landesverwaltung. Mehr Geld haben dann die rund 4000 der rund 34 000 Brandenburger Beamten, die bereits freiwillig in der GKV sind und bisher den Beitrag komplett selbst tragen mussten. Bremens rot-grüne Regierung will Beamten ebenfalls künftig freistellen, ob sie privat oder gesetzlich versichert sein wollen.

Auch Berlin plant eine pauschale Beihilfe für Beamte, die freiwillig gesetzlich versichert sind. Entsprechende Eckpunkte hatte der rot-rot-grüne Senat beschlossen. In Kraft treten soll das Modell Anfang 2020. Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) sieht in der Neuerung einen Beitrag, um Beamten eine echte Wahl zwischen GKV und PKV zu ermöglichen. Der Schritt sei vor allem im Hinblick auf Beamte in unteren Besoldungsgruppen wichtig.

Gesetzentwürfe werden in Niedersachsen und Mainz geprüft

In Niedersachsen werde das Thema der Aufnahme von Beamten in die GKV zurzeit "ergebnisoffen geprüft", teilte eine Regierungssprecherin mit. Dem Landtag in Hannover liegt ein Gesetzentwurf der oppositionellen Grünen-Fraktion vor, der wortgleich die in Hamburg geltende Regelung aufgreift. Aus dem Finanzministerium in Mainz hieß es, derzeit sei keine Initiative von Seiten des Landes geplant. Die Entwicklung in den anderen Ländern bleibe abzuwarten. Die Landesregierung beobachte diese.

Quelle: DPA

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