Urteil

Krank in der Türkei: keine Kostenerstattung bei Privatkliniken

Die Kostenerstattung für Krankenhaus-Aufenthalte im Ausland durch die gesetzliche Krankenkasse ist an Bedingungen geknüpft. Ein Gericht hat entschieden, dass Kosten für Privatkliniken grundsätzlich erst einmal nicht übernommen werden – auch wenn der Patient nicht frei wählen konnte.

KrankenkasseFür eine Kostenerstattung im Ausland ist entscheidend, ob der Patient in einem Vertragskrankenhaus behandelt wurde.© Marco2811 / Fotolia.com

Gießen - Gesetzlich Krankenversicherte können sich die Kosten für Krankenhaus-Aufenthalte in der Türkei erstatten lassen. Allerdings sollten sich Patienten noch in der Klinik erkundigen, ob sie in einem Vertragskrankenhaus oder in einer Privatklinik sind, und welche Regeln dort rund um die Kostenerstattung gelten.

Denn grundsätzlich zahlt die Krankenkasse erst einmal nicht für Privatklinik-Aufenthalte - selbst dann, wenn Patienten das Krankenhaus nicht frei wählen konnten und nicht wussten, dass sie in einer Privatklinik waren. Das geht aus einem Urteil des Sozialgerichts Gießen (Az.: S 7 KR 261/17) hervor.

Konkreter Fall: Frau erleidet Herzattacke im Türkei-Urlaub

Die Klägerin in dem Fall hatte 2016 im Türkei-Urlaub eine Herzattacke erlitten. Bewusstlos wurde sie in eine Privatklinik eingeliefert und erhielt einen Herzschrittmacher. Die Rechnung dafür zahlte sie zunächst aus eigener Tasche und beantragte dann Erstattung durch ihre Krankenkasse. Die zahlte aber nur etwa 1.250 statt der geforderten 13.000 Euro. Dagegen zog die Frau vor Gericht - und verlor.

Fehlender Nachweis: Kosten wären deutlich niedriger ausgefallen

Die Entscheidung der Krankenkasse sei korrekt, so das Gericht: Denn nach dem deutsch-türkischen Sozialversicherungsabkommen (DT-SVA) habe die Frau zwar Anspruch auf Leistungen aus der Krankenversicherung - allerdings nach türkischem Recht. Demnach muss der Sozialversicherungsträger nur die Sätze für vergleichbare Behandlung in einem Vertragskrankenhaus bezahlen, und nicht für die deutlich teurere Behandlung in der Privatklinik.

In diesem speziellen Fall gab es zwar einen Vertrag zwischen der Klinik und dem Sozialversicherungsträger. Eigentlich habe das Krankenhaus deshalb gar keine Privatrechnung stellen dürfen - wenn es denn gewusst hätte, dass der Fall der Frau unter das DT-SVA fällt. Einen entsprechenden Nachweis habe die Patientin aber nicht dabeigehabt und auch während des Aufenthalts nicht nachgereicht.

Quelle: DPA

Das könnte Sie auch interessieren
Top