Neue Heizung

Klimapaket bringt Neuregelung für Ölheizungen mit sich

Ölheizungen können ab 2026 nicht mehr ohne weiteres ausgetauscht werden. Mit dem neuen Klimapaket der Bundesregierung ist der Einbau einer neuen Ölheizung an bestimmte Bedingungen geknüpft.

22.01.2020, 16:01 Uhr (Quelle: DPA)
Raumtemperatur© dondoc-foto / Fotolia.com

Etwa 5,5 Millionen Ölheizungen versorgen rund 20 Millionen Menschen in Deutschland mit Wärme. Die meisten Anlagen sind in ländlichen Regionen im Betrieb - und die allermeisten davon nun von Neuregelungen durch das Klimapaket des Bundes betroffen. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Darf die alte Ölheizung weiter betrieben werden?

Ja, ein Verbot von Ölheizungen gibt es durch die Neuregelung nicht. Aber es ist vorgesehen, dass der Austausch einer Ölheizung in der Zukunft an Bedingungen geknüpft ist.

Vom Jahr 2026 an sollen Hausbesitzer in der Regel nur noch Anlagen mit Ölbetrieb installieren lassen können, wenn sie eine sogenannte Hybridlösung nutzen. Das ist die Kombination einer Ölheizung mit einer Anlage für erneuerbare Energien. Geregelt werden soll dies im neuen Gebäudeenergiegesetz, über welches der Gesetzgeber im Jahr 2020 entscheiden wird. Experten zufolge gilt es als unstrittig, dass das Gesetz kommt.

Wie funktioniert eine Hybridheizung?

Sie nutzt mehrere Energiequellen, in der Regel Öl oder Gas zusammen mit erneuerbaren Energien. Andreas Lücke vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) vergleicht diese Technologie mit den schon üblichen Hybrid-Autos - diese werden mit Strom sowie Benzin oder Diesel betrieben. Bei Heizungen werden neben Heizöl zum Beispiel Solar- oder thermische Energie aus der Luft oder dem Boden genutzt.

Bei Hybridlösungen werden zuerst die erneuerbaren Energien für die Heizung und zur Bereitung von Warmwasser genutzt. Erst in Zeiten mit sehr hohem Wärmebedarf im Winter, wenn diese Energie nicht ausreicht, wird Öl oder Gas zugeschaltet. Deren Verbrauch sinkt damit deutlich.

Sind im Gesetz auch Ausnahmen vorgesehen?

Ja, in Härtefällen. Wie genau das in der Praxis geregelt sein wird, ist Experten zufolge aber noch nicht ganz klar. Im Gesetz steht: "bei unbilliger Härte gilt das alles nicht" - also in Fällen, wo man eine extreme Unwirtschaftlichkeit nachweisen kann, erklärt Reinhard Loch von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Dies werde wohl auf Haushalte zutreffen, deren Gebäude sich nicht wirtschaftlich auf andere Heizstoffe umrüsten lassen. Loch verweist hier zum Beispiel auf Fachwerkhäuser und unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Für die meisten Hausbesitzer hingegen - zwei Drittel bis drei Viertel der Fälle - erwartet er keine großen Probleme.

Die alte Ölheizung soll raus: Welche Alternativen gib es?

Die einfachste Lösung ist zwar eine Umstellung auf Gas oder Fernwärme. Letztere gibt es aber vornehmlich in dicht besiedelten Räumen, auch Gas ist vielerorts nicht verfügbar. Das Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO) geht sogar davon aus, dass dieser Umstand auf etwas mehr als die Hälfte der Gebäude mit Ölheizungen zutrifft.

"Unserer Schätzung zufolge können 3,1 bis 3,2 Millionen Ölheizungen nicht ans Gas angeschlossen werden", sagt Andreas Lücke vom BDH. Oder aber der Anschluss kann sehr teuer werden: "Wenn das Gasnetz zum Beispiel 15 bis 20 Meter weit vom Haus weg liegt, kostet der Gasanschluss zwischen 5.000 und 8.000 Euro."

Auch wer seine Ölheizung um erneuerbare Energien ergänzen möchte, kann vor Hürden gestellt sein: Solartechnik bietet sich nicht auf Dächern an, die nach Norden gerichtet sind, eine Wärmepumpe ist nicht in jedem Bestandsbau einsetzbar. "Denn sie erfordert bestimmte technische Rahmenbedingungen sowohl im Haus - der Wärmestandard sollte nicht zu schlecht sein, die Heizkörper sollten angepasst sein -, als auch außerhalb des Hauses", erklärt Verbraucherschützer Loch.

Für eine Sole-Wasser-Wärmepumpe sind zudem Erdbohrungen nötig, "was im Bestand oft schwierig ist. In einem Reihenhaus etwa kommt man oft gar nicht mit den schweren Baugeräten in den hintern Gartenteil."

Wird der Austausch der alten Ölheizung gefördert?

Der Staat bietet all jenen, die schon vor dem Jahr 2026 handeln wollen, finanzielle Anreize: Sie erhalten auf zwei Weisen Förderung, wenn sie vorzeitig ihre alte Ölheizung ersetzen - aber in fast allen Fällen nur, wenn sie tatsächlich komplett auf Heizöl verzichten.

Eine Möglichkeit wird eine steuerliche Förderung für alle energieeffizienten Maßnahmen am Privathaus sein - zum Beispiel den Fenstertausch, die Dämmung und eben auch den Heizungstausch. Hausbesitzer können hier 20 Prozent der Investition, aber maximal 40.000 Euro je Haus oder Wohnung, auf drei Jahre verteilt von der Steuer abziehen. Das Gebäude muss dazu allerdings älter als zehn Jahre sein.

Bei dieser Maßnahme ist es laut BDH aber nicht möglich, einen alten Ölkessel gegen einen neuen einzutauschen. Und ein Umstieg auf einen Gas-Brennwertkessel soll nur möglich sein, wenn man auf eine Anlage setzt, die in der Fachsprache "renewable ready" ist: Sie kann ohne größere Umbauten künftig auch mit anderen umweltfreundlichen Energieträgern betrieben werden - also wieder eine Hybridlösung. Die direkte Beimischung erneuerbarer Energien ist ebenfalls förderfähig.

Alternativ können Zuschüsse beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) beantragt werden. Dazu gehört bei der Abkehr von Öl hin zu einer förderfähigen Hybridheizung, Biomasseanlage oder Wärmepumpenanlage eine Sonderprämie - der Fördersatz wird in diesem Fall um zehn Prozentpunkte erhöht.

Nach wie vor kann es Förderung für eine Heizweise geben, die Öl als Energieträger weiterhin vorsieht. So gibt es laut BDH beim Tausch eines Ölkessels gegen neue Öl-Brennwerttechnik mit EU-Energieeffizienzklasse A und Einbindung einer Solarthermie-Anlage einen 30-Prozent-Zuschuss für die Kosten der Solaranlage.

Dazu gibt es in manchen Bundesländern und manchen Kommunen eigene Förderprogramme. Im Fördermittelcheck der Beratungsgesellschaft CO2online lassen sich diese mit einer Postleitzahlensuche abfragen.

Wo stellt man den Antrag für die Förderung?

Für die steuerliche Förderung soll kein Extra-Antrag erforderlich sein, sondern man macht die Kosten über drei Jahre hinweg in der Steuererklärung geltend - jeweils sieben Prozent im ersten und zweiten Jahr sowie sechs Prozent im dritten Jahr, erläutert der Bundesverband Solarwirtschaft. Als Nachweis reiche dem Finanzamt eine Fachunternehmererklärung. Die Bafa-Förderung kann vor Vertragsschluss beantragt werden.

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