Dem Breitbandkabel gehört die Zukunft

Kabelnetze: Viel Schelte für Kartellamt und Bundespolitik

Seit Jahren möchte die Deutsche Telekom ihre Kabelnetze verkaufen, was sich als ein schwieriges Unterfangen erweist. Erst im Februar hatte das Kartellamt den Verkauf an den US-Konzern Liberty Media untersagt.

25.04.2002, 17:51 Uhr
telefonieren© Sven Bähren / Fotolia.com

Durch den abschlägigen Bescheid an Liberty Media habe das Bundeskartellamt den Ausbau des Kabel-TV-Netzes zu einem Multimedianetz verzögert, so Hans-Willi Hefekäuser von der Deutschen Telekom am Mittwoch Nachmittag bei der Anhörung des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag. Das Bundeskartellamt habe sowohl dem Verbraucher als auch dem Wettbewerb damit "einen Bärendienst" erwiesen.

Hans Hege von der Direktorenkonferenz Landesmedienanstalten ergänzte, Deutschland sei das Schlusslicht in der internationalen Kabel-Entwicklung. Die Briten hätten vier Mal so viele digitale Kabelhaushalte wie die Deutschen, und auch die Anzahl der deutschen Haushalte, die schnelles Internet über Kabel beziehen würden, sei verschwindend gering: zwei je tausend Kabelhaushalte. In den USA seien es 67, selbst in Österreich 32. Die Bundespolitik müsse begreifen, dass die Zukunft der breitbandigen digitalen Übertragung gehöre, betonte Hege.

Da es keine Entwicklung der Kabelnetze mit der Telekom geben könne, forderte er die "Abspaltung" des Kabels. Sie müsse verbunden werden mit der Fusion der Netzebene 4. Die operative Führung sollten neue Investoren übernehmen. Das ermögliche nicht nur den Ausbau des Netzes und den Wettbewerb zur Telekom, sondern es könnten so auch die kartellrechtlichen Bedenken überwunden werden, so Hege abschließend.

Die Umgestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen sei eine Grundvoraussetzung, um das Potenzial des Breitbandkabels auszuschöpfen, betonte Werner Scheuer vom Verband Privater Kabelnetzbetreiber (ANGA). Bevor ein Netzbetreiber heute ein innovatives Digitalangebot starten könne, müsse er erst einmal die verschiedenen Interessen einer Vielzahl von Programmanbietern unter einen Hut bringen. Scheuer forderte von der Politik Rechtssicherheit für die Kabelbranche.

Ausführliche Infos zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
  • Tarifvergleich

    VDSL und Kabelinternet: Tarifangebote im Juni

    Schnelles Internet muss nicht teuer sein: Neukunden können sich im Juni bei Wahl eines Tarifs per VDSL oder Kabelinternet viele Vorteile sichern. Der Einstiegt ist ab 5 Euro pro Monat möglich.

  • Videoanruf

    Tarifangebote für VDSL und Kabelinternet im Mai

    Im Mai warten viele Tarifaktionen auf Internet-Neukunden. Reduzierte Preise und mehr winken sowohl bei Buchung eines VDSL-Anschlusses als auch bei Wahl eines Kabelanschlusses.

  • Internet

    Entlassungswelle bei Kabelgesellschaft ish

    Bei dem westfälischen Netzbetreiber stehen nur wenige Monate nach dem Start Massenentlassungen an. Nicht zuletzt der gescheiterte Kabelverkauf der Telekom an Liberty Media wird als Grund genannt.

  • Energieversorung

    Bundeskartellamt untersagt E.ON-Bergemann Zusammenschluss

    E.ON hat kein Glück derzeit mit Fusionsvorhaben: Nach dem Verbot der Gelsenberg-Übernahme hat das Bundeskartellamt nun auch die Übernahme der Essener Bergemann GmbH untersagt. Hierbei hätte E.ON ebenfalls eine mittelbare Kontrolle über Ruhrgas erlangt.

  • Telefontarife

    Kartellamt untersagt Liberty Kauf der Telekom-Kabel

    Keine Überraschung: Das monatelange Tauziehen um den Kauf der TV-Kabel der Deutschen Telekom durch den US-Konzern Liberty wurde vom Bundeskartellamt endgültig beendet.

Top