Preissteigerungen

Jobcenter verschlingen Verwaltungskosten

Die Verwaltungskosten der Jobcenter in Deutschland steigen in auffälliger Geschwindigkeit und Höhe.

Geld ausgeben© Peter Atkins / Fotolia.com

Die Verwaltungskosten der Jobcenter in Deutschland steigen in auffälliger Geschwindigkeit und Höhe. Im Vergleich zu 2012 haben sich die Kosten verdreifacht. Was einem dabei zu denken gibt: Für die Verwaltung werden Gelder abgezweigt, die eigentlich für die Eingliederung der Arbeitslosen gedacht waren. Was mit diesem Geld passiert, bleibt unklar.

Verwaltungskosten wachsen stetig

Auch die Bundesagentur für Arbeit verfügt über mehrere Haushaltsposten. Da wären etwa die Kosten für Eingliederungsmaßnahmen von Arbeitslosen wie Umschulungen, Trainingsmaßnahmen oder Zuschüsse für Bewerbungskosten. Und dann gibt es noch den Haushaltsposten für Verwaltung und Personal. Seit Jahren werden die Gelder zwischen beiden Haushalten umgeschichtet, berichtet Spiegel Online. Allerdings wird der Betrag, der zwischen den beiden Posten wandert, immer größer: Während es 2010 noch 0,2 Prozent waren, die von den Geldern für die Eingliederung zur Verwaltung wanderten, ist die Zahl im Jahr darauf auf 3,6 Prozent gestiegen. 2013 wurde dann ein Wert von 11,4 Prozent erreicht. Fast vier Milliarden Euro waren für die Eingliederungsleistungen bestimmt – 445 Millionen Euro davon wurden letztendlich für Verwaltungskosten aufgewendet.

Betreuungsbedarf nicht gedeckt

Die Umschichtungen bleiben nicht ohne Konsequenzen. Die Gelder, die dazu dienen sollen, Arbeitssuchende erfolgreicher zu vermitteln, schrumpfen, sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer dem "Spiegel". In den vergangenen drei Jahren seien Mittel zur Förderung und Qualifizierung von Arbeitslosen um 40 Prozent gekürzt worden. Die Abgeordnete fordert Bundesministerin Andrea Nahles dazu auf, genügend Mittel für beide Haushaltsposten bereitzustellen. Eine Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) stützt die Forderung. Demnach ist ein Mangel in der Betreuung ein Grund, warum Langzeitarbeitslose nicht wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Die Kommunen seien mit dem Bedarf an Betreuung schlichtweg überfordert.

Geldfluss bleibt undurchsichtig

Wofür die umgeschichteten Gelder in der Verwaltung letztendlich ausgegeben werden, bleibt bisher ungeklärt. Allerdings sei genau das laut Arbeitsmarktexperten Holger Schäfer ein zentraler Punkt. "Individuelle Betreuung, die wegen des höheren Verwaltungsaufwands teurer ist, bringt unter Umständen größere Erfolge als günstigere langfristige Maßnahmen." Würden demnach die Gelder dafür eingesetzt, mehr Personal einzustellen, könnten auch bessere Ergebnisse erzielt werden.

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