Teuerung

Inflation auf höchstem Stand seit zehn Jahren

Vor allem die Energiepreise und die Kraftstoffpreise heizen die Inflation in Deutschland derzeit an und treiben sie auf ein 10-Jahres-Hoch. Hinzu kommt in der Herbstferienzeit ein weiterer Effekt. Höhere Zinsen sind nicht in Sicht.

Geldstapel© Otto Durst / Fotolia.com

Wiesbaden - Gestiegene Energiepreise haben die Inflation in Deutschland im Oktober auf den höchsten Stand seit gut zehn Jahren getrieben. Die Verbraucherpreise lagen um 2,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das geht aus vorläufigen Daten hervor, die das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden veröffentlichte. Eine höhere Jahresteuerungsrate hatte es den Angaben zufolge zuletzt im September 2008 mit 2,8 Prozent gegeben. Von September auf Oktober 2018 stieg die Rate um 0,2 Prozent.

Energie und Kraftstoffe deutlich teurer

Deutlich mehr zahlen als im Oktober 2017 mussten Verbraucher für Haushaltsenergie und Kraftstoffe (plus 8,9 Prozent). Der gestiegene Ölpreis als Leitenergie zieht andere Energiepreise mit nach oben. Zugleich schwächelt der Euro tendenziell, was Rohöl für europäische Verbraucher teurer macht. Rohöl wird in Dollar abgerechnet. "Wer seinen Heizöltank für die bevorstehenden Wintermonate füllt, leert auf der anderen Seite mittlerweile ordentlich seine Geldbörse", sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe. Auch die Fahrt zur Tankstelle sei inzwischen wieder ein teures Unterfangen.

Teure Pauschalreisen beeinflussen Inflation

Nach Einschätzung von Volkswirten wurde die Inflation zudem von teureren Pauschalreisen in der Herbstferienzeit beeinflusst. Der Anstieg der Nahrungsmittelpreise verlangsamte sich dagegen, sie zogen unterdurchschnittlich um 1,9 Prozent an. Für Wohnungsmieten, die gut ein Fünftel der Konsumausgaben der privaten Haushalte ausmachen, mussten Verbraucher 1,6 Prozent mehr zahlen als im Vorjahresmonat.

Für den Euroraum insgesamt strebt die Europäische Zentralbank (EZB) mittelfristig eine Teuerungsrate knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhafte niedrige oder in großem Stil sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das bremst die Wirtschaft.

Zinsen bleiben wohl vorerst niedrig

Weil die Verbraucherpreise seit geraumer Zeit nach oben zeigen, strebt die Notenbank an, ihre umstrittenen Wertpapierkäufe zum Ende dieses Jahres zu beenden. Sparer müssen sich allerdings noch gedulden. Die Zinsen im Euroraum sollen bis mindestens "über den Sommer" 2019 auf dem Rekordtief von null Prozent verharren.

Da die Inflation tendenziell wieder anzieht, verlieren Sparer auf mickrig verzinsten Tages- oder Festgeldkonten bares Geld. Im Euroraum lagen die Verbraucherpreise im September um 2,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Andererseits profitieren beispielsweise Hausbauer von vergleichsweise günstigen Kreditkonditionen.

Quelle: DPA

Das könnte Sie auch interessieren
  • Taschenrechner

    Hohe Energiekosten treiben Inflation an

    Die erheblich gestiegenen Energiekosten schlagen sich auch bei der Teuerungsrate nieder. Vor allem die gestiegenen Preise beim Heizöl und beim Benzin haben die Inflation nach oben getrieben.

  • Finanzmarkt

    EU-Stresstest: Deutsche Banken landen im Mittelfeld

    Die meisten europäischen Banken haben beim Stresstest der Aufseher solide abgeschnitten. Insgesamt acht deutsche Banken, darunter auch die Deutsche Bank, gerieten beim Krisenszenario unter Druck.

  • Energiekosten

    Heizkosten-Entwicklung: Ölpreise steigen

    Wie hoch die Heizkosten im Schnitt in den Haushalten in Deutschland liegen, können Verbraucher mit dem aktuellen Heizspiegel vergleichen. Große Unterschiede kommen nicht nur durch den jeweilig genutzten Brennstoff zustande.

  • Benzinpreise

    Rohöl verteuert sich – Treibstoffpreise steigen weiter

    Die Treibstoffpreise an den Tankstellen steigen weiter an. Hintergrund sind die Preisanstiege beim Öl auf dem Weltmarkt. Einen großen Einfluss haben die Entscheidungen der Organisation erdölexportierender Länder.

  • 500 Euro

    Bundesbank: Inflation und Niedrigzinsen machen Sparern zu schaffen

    Die niedrigen Zinsen und die steigende Inflation bekommen Sparer aktuell heftiger zu spüren. Nach Berechnungen der Bundesbank gibt es zum ersten Mal seit Jahren wieder negative Realzinsen. Zum Ende des Jahres könnte sich die Lage aber wieder entspannen.

Top