Energienotstand

In Portugal wird der Sprit knapp

Ein Streik von Lkw-Fahrern hat Portugal für einige Tage ins Chaos gestürzt. Ausgerechnet kurz vor Ostern ging den Tankstellen der Sprit aus, weil die Tankwagenfahrer ihre Arbeit niedergelegt haben.

Telefontarife Portugal© Kristina Afanasyeva / Fotolia.com

Lissabon - Update: Kurz vor Beginn der Osterfeiertage haben in Portugal die Fahrer von Gefahrgut-Lastwagen ihren Arbeitskampf beendet und damit einen weiteren Benzinmangel auch für Urlauber verhindert. Die Gewerkschaft SNMMP und der Verband der Transportunternehmer Antram hätten sich am Donnerstag darauf geeinigt, am 29. April Verhandlungen aufzunehmen und bis Ende des Jahres eine Einigung über die Forderungen der Fahrer zu erzielen, teilte Portugals Verkehrsminister Pedro Nuno Santos Medienberichten zufolge in einer Pressekonferenz mit. Die Versorgungslage an den Tankstellen werde sich aber erst allmählich und nicht schlagartig ändern, fügte er hinzu. Update Ende

Energienotstand wegen Spritknappheit

Ausgerechnet vor dem Touristenansturm der Osterfeiertage war den Tankstellen im Urlaubsland Portugal der Sprit ausgegangen. Wegen eines unbefristeten Streiks der Fahrer von Gefahrgut-Lastwagen hatte die Regierung in Lissabon am späten Dienstagabend den Energienotstand ausgerufen. Knapp 2.800 Tankstellen im ganzen Land hätten bereits Treibstoffknappheit gemeldet, darunter rund 800 allein in der Hauptstadt Lissabon, berichtete die Wochenzeitung "Expresso" am Mittwoch in der Onlineausgabe. Es fehle vor allem an Diesel.

Auch Flughäfen und ÖPNV haben Probleme

Der Präsident des Verbandes der Tankstellenbesitzer (ANAREC), Francisco Albuquerque, erklärte am Mittwoch, rund 40 Prozent aller Zapfsäulen Portugals seien schon trockengelegt oder kurz davor. Probleme mit der Treibstoffversorgung hätten auch die Flughäfen in Lissabon und Faro gemeldet, teilte der Airportverwalter ANA mit.

Nach Medienberichten machte sich die Spritknappheit schon nach gut zwei Tagen auch im öffentlichen Transport negativ bemerkbar. Der Busnahverkehr sei in verschiedenen Städten eingeschränkt worden, schrieb die Zeitung "Público". Taxifahrer-Verbände hätten die Regierung aufgrund der Lage um ein Dringlichkeitstreffen gebeten. Sorgen äußerte auch die Bahngesellschaft CP.

Lange Schlagen an den Tankstellen

Der unbefristete Ausstand hatte am Montag begonnen. Die Fahrer fordern, dass sie als eigene Berufsgruppe anerkannt werden. An den Tankstellen des auch bei deutschen Touristen sehr beliebten südwesteuropäischen Landes bildeten sich wegen des Ausstandes zum Teil sehr lange Autoschlangen. An den angrenzenden Straßen und Autobahnen kam es deshalb zu Staus.

Der nationale Verband der Tourismus-Unternehmen (CTP) warnte angesichts der alarmierenden Nachrichten vor einer "Touristenflucht", die der Volkswirtschaft schweren Schaden zufügen könne. Bei der Überwindung der jahrelangen Finanz- und Wirtschaftskrise hatte der Tourismus in Portugal mit ständig steigenden Übernachtungszahlen eine entscheidende Rolle gespielt. Der Anteil des Sektors am Bruttoinlandsprodukt kletterte zuletzt (2017) auf knapp 14 Prozent. Die Tourismus-Einnahmen betrugen nach offiziellen Angaben rund 27 Milliarden Euro.

Energienotstand: Militär hilft mit Fahrern aus

Bei der Ausrufung des Notstandes hatte die sozialistische Regierung von Ministerpräsident Antonio Costa erklärt, die vom Gesetz bei einem Streik vorgeschriebenen Mindestdienste würden nicht eingehalten. Auch deshalb sei es zur Treibstoffknappheit gekommen, hieß es. Der Notstand ermöglicht unter anderem die Mobilisierung von Angehörigen des Militärs, der Nationalgarde, der Feuerwehr und des Zivilschutzes zur Sicherstellung der Versorgung.

Beobachter hofften unterdessen auf eine Entspannung der Lage. Zum einen sicherte die zuständige Gewerkschaft SNMMP der Regierung nach langen Verhandlungen in der Nacht zum Mittwoch zu, dass man ab sofort die Mindestdienste einhalten werde. Die Versorgung von Krankenhäusern, Flughäfen und Militär-Einrichtungen werde zu 100 Prozent garantiert, hieß es. Am Mittwoch stellte das Militär außerdem 15 "für den Transport von Gefahrengut gut ausgebildete" Fahrer zur Verfügung, die wenn nötig als Ersatz für die streikenden Fahrer zum Einsatz kommen sollen.

Quelle: DPA

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