Eigenheim

Immobilienpreise explodieren: Bund prüft Reform der Maklergebühr

Steigende Immobilienpreise machen es immer schwieriger, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Nachdem die Bundesregierung mit dem Baukindergeld Zuschüsse für Familien zur Verfügung stellt, sollen jetzt die hohen Kaufpreise gesenkt werden. Im Fokus stehen die Nebenkosten.

Hauskauf© psdesign1 / Fotolia.com

Berlin - Die Wohnung in einem Berliner Altbau wird angepriesen als "Stuckappartement mit Grüßbalkon", ein angesagtes Viertel, 98 Quadratmeter. Kaufpreis: 580.000 Euro. Eine ziemliche Stange Geld.

Doch dann kommt noch einiges oben drauf: 7,14 Prozent Maklerprovision macht 41.412 Euro. Grunderwerbssteuer 6,0 Prozent - plus 34.800 Euro. Dazu Notarkosten von 8.700 Euro und Grundbucheintrag: 2.900 Euro. Macht 87.812 Euro Kaufnebenkosten. Insgesamt 15 Prozent des Kaufpreises.

Nebenkosten fressen Eigenkapital auf

Für die Nebenkosten-Summe bekommt man schon einen Porsche. Angesichts munter steigender Immobilienpreise rückt das Thema verstärkt in den Blick, denn die mitsteigenden Kauf-Nebenkosten fressen mittlerweile das gesamte, über Jahre mühsam angesparte Eigenkapital auf - ohne dass ein Quadratmeter der Immobilie schon abbezahlt worden ist.

Baukindergeld mit wenig Wirkung?

Familien bekommen in angesagten Vierteln der Großstädte kaum noch bezahlbare Mietwohnungen und prüfen daher einen Kauf etwas außerhalb, doch selbst das wird immer schwieriger. Die Nebenkosten sind so hoch, dass auch eine bereits von der Regierung vereinbarte, bis zu zehn Milliarden Euro teure Leistung verpuffen könnte: das Baukindergeld.

Spätestens ab Herbst sollen Anträge über die staatliche KfW-Bank gestellt werden können. Insgesamt 12.000 Euro pro Kind werden über zehn Jahre gezahlt, wenn das Einkommen der Eltern nicht 90.000 Euro übersteigt (plus 15.000 Euro Freigrenze je weiteres Kind). Aber nur um die Nebenkosten bei Kaufnebenkosten in Höhe von rund 85.000 Euro mit dem Baukindergeld zu bezahlen, bräuchte man sieben Kinder. Die Leistung wird mit Steuermitteln finanziert.

Bestellerprinzip bei der Maklercourtage wird geprüft

Wenn man bei anderen Hebeln, wie den Kaufnebenkosten ansetzt, würde es die Allgemeinheit nichts kosten. Und wäre vielleicht effektiver. Bundesweit schwanken die größten Zusatzbrocken beim Haus- oder Wohnungskauf zwischen 3,57 und 7,14 Prozent des Kaufpreises an Maklercourtage für den Käufer sowie zwischen 3,5 Prozent (Bayern) und 6,5 Prozent Grunderwerbssteuer (Brandenburg, NRW, Saarland, Thüringen und Schleswig-Holstein). Trotz sprudelnder Steuereinnahmen kassiert der Staat also über die von den Ländern erhobene Steuer kräftig mit.

Nun ist die Debatte über eine Senkung dieser Kosten voll entbrannt. "Wir prüfen aktuell, ob sich das Bestellerprinzip auch auf Immobilienverkäufe übertragen lässt", sagt Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD). Das bedeutet, dass derjenige die Maklerkosten zu tragen hat, der den Makler beauftragt hat - oft der Verkäufer. Dies wurde bereits bei der Vermittlung von Mietwohnungen eingeführt. "Die Einführung dieses Bestellerprinzips war ein wichtiger Schritt, um Mieter spürbar zu entlasten", sagt Barley.

Sind Freibeträge bei der Grunderwerbssteuer möglich?

Vom Koalitionspartner kommt erstmal eine andere Forderung: Im Koalitionsvertrag sei vereinbart worden, Freibeträge bei der Grunderwerbssteuer zu prüfen, sagt der CDU-Rechtsexperte Jan-Marco Luczak. Aber dafür müssen die Länder mitmachen, für die das eine wichtige Einnahmequelle ist. In die gleiche Richtung zielt die FDP - und wenig überraschend die Makler- und Eigentümerbranche, die vom Staat fordert, die Grunderwerbssteuer zu senken oder abzuschaffen.

Denn das Bestellerprinzip torpediert das bisherige Geschäftsmodell. Muss der Verkäufer die Courtage komplett selbst tragen, könnte er künftig entweder die Kosten auf den Kaufpreis aufschlagen oder selbst den Verkauf abwickeln. Die Maklergebühr schwankt in Deutschland zwischen 5,95 bis 7,14 Prozent des Kaufpreises. In Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen und Brandenburg zahlt der Käufer die Provision komplett, in den anderen Bundesländern wird sie in der Regel geteilt zwischen Käufer und Verkäufer. Die Grünen hatten bereits im Juli im Bundestag einen Antrag eingereicht, um das Bestellerprinzip auch beim Kauf von Wohneigentum einzuführen, zudem solle die Provision der Makler auf zwei Prozent inklusive Mehrwertsteuer gedeckelt werden.

Deutlich niedrigere Provisionen in Österreich und den Niederlanden

Die Leistung der Makler ist außer Exposées, Besichtigungen und Hilfe bei der Kaufabwicklung oft unklar. Die Grünen betonen, in Österreich und den Niederlanden gelte bereits das Bestellerprinzip. "In den Niederlanden, wo Preisabsprachen gesetzlich verboten seien, habe ein transparenter Preiswettbewerb zu Maklerprovisionen zwischen 1 und 2 Prozent geführt", wird in einem Antrag betont. Die Bundesregierung fahre einen "Makler-Kuschelkurs", so Fraktionschefin Katrin-Göring-Eckardt.

Was sagt die Maklerbranche?

Die Maklerbranche ist aufgeschreckt. Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD, betont: "Das Bestellerprinzip würde Immobilienkäufer nicht entlasten, sondern im Gegenteil stärker belasten." Denn der Verkäufer würde die Provision auf den Kaufpreis aufschlagen - dadurch würde sich auch die Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbssteuer erhöhen, und die Gesamtkosten für den Erwerber würden steigen. "Der Gesetzgeber würde somit zum Preistreiber - und zum einzigen Profiteur: Verlierer ist der Steuerzahler", sagt Schick.

Sein Vorschlag: Eine Reform der Grunderwerbssteuer. "Bis 2006 lag die Grunderwerbssteuer bundesweit noch bei 3,5 Prozent - heute liegt sie bereits bei bis zu 6,5 Prozent." Der Präsident des Eigentümerverbands Haus & Grund, Kai Warnecke, nimmt auch die Steuer ins Visier, fordert aber auch, dass der Staat kartellrechtlich gegen Preisabsprachen unter den Maklern vorgehen müsse. Vieles ist beim Immobilienerwerb heute intransparent und ein Verhandeln der Provision in der Regel unmöglich - da man sonst halt an andere Interessenten verkauft. Mit der Barley-Prüfung ist nun Musik in dieser Frage. Das Wie ist noch umstritten, das Ziel aber klar: Die Kaufneben-Kosten sollen sinken.

Quelle: DPA

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