Nullzins

Immer mehr Banken streichen Zinsen bei Tagesgeldkonten

Der Anteil an Banken, die überhaupt noch Zinsen aufs Tagesgeld zahlen, nimmt ab. Von 721 Banken und Sparkassen erhalten Sparer einer aktuellen Untersuchung zufolge bei nicht einmal mehr 20 Prozent der Institute überhaupt noch Zinsen, berichtet Verivox.

09.02.2021, 12:40 Uhr
Erspartes© cirquedesprit / Fotolia.com

Im anhaltenden Zinstief wird es für Sparer immer schwerer, noch Erträge zu erzielen. Nach einer aktuellen Verivox-Analyse zahlen inzwischen 573 Banken und Sparkassen überhaupt keine Zinsen mehr aufs Tagesgeld. Das ist die höchste Zahl, die Verivox bei seinen regelmäßigen Marktauswertungen je erhoben hat. Nullzinsen sind kein Naturgesetz, sagen die Experten. Bei Top-Banken gäbe es noch immer 0,45 Prozent Tagesgeldzinsen.

Nullzinsen bei 79 Prozent der Banken

Für seine Analyse hat Verivox die Preisverzeichnisse von 721 Banken und Sparkassen ausgewertet. Davon bieten 573 Institute einen Tagesgeldzinssatz von 0,00 Prozent – das entspricht einem Anteil von 79 Prozent. Vor gut einem Jahr – im Januar 2020 – lag der Anteil der Nullzins-Banken noch bei 63 Prozent, berichtet Verivox weiter

Ausgewertet wurden die angebotenen Tagesgeldzinsen bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro. Die Zinssätze wurden auf die zweite Nachkommastelle gerundet. Unter den Nullzins-Angeboten fänden sich deshalb auch Tagesgelder mit einem Zinssatz von 0,001 Prozent. Bei dieser Verzinsung würde es 10 Jahre dauern, bis eine Tagesgeldanlage von 10.000 Euro einen Euro Zinsen abwirft.

Symbolische Verzinsung bei 81 Banken

Darüber hinaus zahlten 81 Banken und Sparkassen 0,01 Prozent aufs Tagesgeld und böten damit ebenfalls nur eine symbolische Verzinsung. Auch der durchschnittliche Tagesgeldzins läge mit 0,02 Prozent nur knapp über der Nulllinie.

"Im historischen Nullzins-Zeitalter haben es Verbraucher immer schwerer, mit ihren Ersparnissen noch Zinserträge zu erzielen", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "Anders als Negativzinsen, die zunächst nur für Neukunden gelten, treffen Null- und Niedrigst-Zinsen alle Sparer."

Was sind die Alternativen zum Tagesgeldkonto?

Doch Verbraucher hätten Alternativen. Auch im aktuellen Marktumfeld seien Nullzinsen kein Naturgesetz. Top-Banken mit Sitz im europäischen Ausland zahlten 0,45 Prozent auf Tagesgeld. Bei deutschen Anbietern könnten Sparer bis zu 0,21 Prozent einstreichen. Wer sein Geld für zwei Jahre fest anlege, erhalte bei Banken im europäischen Ausland in der Spitze 1,25 Prozent und bei deutschen Instituten bis zu 0,8 Prozent Zinsen.

Langfristig orientierte Anleger sollten aber auch Alternativen am Aktienmarkt ins Auge fassen, rät Oliver Maier: "Wer in einen breit gestreuten Index wie den MSCI World investiert und seine Anteile mindestens 15 Jahre lang gehalten hat, war noch nie im Minus und konnte sich im Schnitt über mehr als 7 Prozent Rendite im Jahr freuen."

Das könnte Sie auch interessieren
  • Kontoauszüge

    Fast 350 Banken verlangen Negativzinsen

    Die Negativzinsen, die Banken und Sparkassen für überschüssige Gelder an die Europäischen Zentralbank zahlen, landen zunehmend auf den Abrechnungen von Verbrauchern. Seit Ende 2020 hat sich die Zahl der Institute mit Negativzinsen fast verdoppelt.

  • Zinsen

    Verivox: Über 100 Banken führten Anfang 2021 Negativzinsen ein

    Immer mehr Banken führen Negativzinsen ein, mit dem Jahreswechsel hat dieser Trend sogar noch einmal Aufwind bekommen, berichtet das Vergleichsportal Verivox. Teilweise würden Banken hier auch auf andere Gebühren zurückgreifen.

  • Erspartes

    Über 200 Banken geben Negativzinsen an Kunden weiter

    Immer mehr Banken verlangen Negativzinsen von ihren Kunden. Das zeigt eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox. Demnach haben mittlerweile fast 200 Banken Strafzinsen eingeführt, ein Teil davon kassiert auch unter einem Sparguthaben von 100.000 Euro Gebühren.

  • Finanzierung

    Online-Ratenkredite und Vergleichsportale im Test

    Ratekredite weisen aktuell ganz unterschiedliche Konditionen aus. Das zeigt eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Service-Qualität. Dabei wurden aber nicht nur die Zinsen begutachtet, sondern auch der Service und die Rückzahlungsmodalitäten.

  • Zinsentwicklung

    Verivox: 126 Banken verlangen Negativzinsen

    Negativzinsen sind vor etwa einem Jahr zu einem großen Thema geworden. Damals änderte die Europäische Zentralbank ihren Einlagenzins. Wie Verivox berichtet, führen seitdem mehr und mehr Institute Negativzinsen auch für Privatkunden ein.

Top