Untersuchung

Hamburg und Berlin sind Ökostrom-Hochburgen

Ökostrom ist teilweise günstiger als ein klassischer Energietarif. Das verrät eine Analyse, die gleichzeitig geprüft hat, wo die meisten Ökostromwechsler leben.

Erneuerbare EnergienStromkunden, die noch nie gewechselt haben, sparen kräftig mit einem Wechsel zum Ökostrom.© luigi giordano / Fotolia.com

Heidelberg - Ökostrom ist umso beliebter, je städtischer jemand wohnt. Das hat eine Analyse des Vergleichsportals Verivox ergeben. Demnach entscheiden sich Stadtbewohner wesentlich häufiger für Ökostrom als Landbewohner und Menschen in den Innenstädten häufiger als am Stadtrand oder in den Vororten.

In der Auswertung aller Verivox-Ökostromwechsel der vergangenen zwei Jahre verzeichnen die Stadtstaaten – allen voran Berlin und Hamburg – ein überdurchschnittlich hohes Interesse an grünem Strom: Während bundesweit durchschnittlich 34 Prozent aller Verbraucher in einen Öko-Tarif wechselten, waren es hier rund zehn Prozent mehr.

Bundesweit höchste Ökostromquote in Berlin-Kreuzberg

Weit über dem Berliner Durchschnitt von 44 Prozent liegen die urbanen, hippen Bezirke der Stadt – allen voran: Friedrichshain-Kreuzberg. Hier entschied sich mit 54 Prozent mehr als jeder zweite Verbraucher für Ökostrom. Darauf folgen die Bezirke Mitte (47 Prozent), Tempelhof-Schöneberg und Neukölln (jeweils 45 Prozent).

In Berlin liegt gleichzeitig die Gegend mit der höchsten Ökostrom-Wechselquote der gesamten Republik: Im Bereich der Postleitzahl 10999 in Kreuzberg zwischen dem Kottbusser Tor und dem Görlitzer Park entschieden sich zwei von drei Verbrauchern (66 Prozent) für Ökostrom – so viel wie nirgends sonst in Deutschland.

Das geringste Interesse an Ökostrom zeigt sich in den Randbezirken der Hauptstadt. So haben sich jeweils nur rund 35 Prozent der Verbraucher in Marzahn-Hellersdorf und Spandau beim Stromanbieterwechsel für Ökostrom entschieden. Doch selbst die Berliner Schlusslichter liegen noch leicht über dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Hamburg: Die meisten Ökostromwechsler wohnen in Altona

In Hamburg ist der Anteil der Ökostromwechsler in Altona am größten. Knapp jeder zweite (47 Prozent) entschied sich hier für grünen Strom. Aber auch in Hamburg-Mitte, Eimsbüttel und Hamburg Nord ist der Anteil der Ökostromwechsler weit überdurchschnittlich (45 Prozent). Die geringsten Werte erreichen Harburg (37 Prozent) und Bergedorf (38 Prozent).

In Hamburg-Altona liegt zugleich die grünste Postleitzahl: Im Schanzenviertel in 20357 Hamburg entschieden sich knapp zwei Drittel aller Wechsler (63 Prozent) für einen Ökostromtarif. Am wenigsten waren es in 22115 Hamburg-Mitte; rund um den U-Bahnhof Mümmelmannsberg wählte nicht einmal jeder Dritte (29 Prozent) grünen Strom.

Ökostrom beziehen und dabei sparen

"Ähnlich wie bei Lebensmitteln haben Großstädter auch beim Strom einen ausgeprägteren Wunsch nach grünen und nachhaltigen Produkten. Das gilt insbesondere in den urbanen, hippen Bezirken. Doch anders als bei Bio-Produkten können Verbraucher durch den Wechsel in einen Ökostromtarif sogar noch Geld sparen", erklärt Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox.

Das gilt besonders für die etwa 30 Prozent der deutschen Haushalte, die noch nie ihren Anbieter gewechselt haben. Eine Familie mit einem Verbrauch von 4.000 kWh zahlt in der Grundversorgung im bundesweiten Durchschnitt derzeit 1.269 Euro pro Jahr.

Im günstigsten Ökostromtarif werden für die gleiche Strommenge 1.059 Euro fällig. Das entspricht einer jährlichen Ersparnis von 210 Euro. Wer zu einem Ökostromanbieter mit den besonders strengen Siegeln "ok power" oder "Grüner Strom Label" wechselt, die einen zusätzlichen Beitrag zur Energiewende leisten, zahlt durchschnittlich 1.099 Euro und spart immer noch 170 Euro im Jahr.

Preise für Ökostrom im Vergleich
Das könnte Sie auch interessieren
  • Strom- und Gaspreise

    Deutlicher Preisanstieg bei Strom und Gas

    Strom kostet in diesem Jahr rund 30,85 Cent pro Kilowattstunde und ist damit so teuer wie nie zuvor. Gleichzeitig sind die Preise für Gas erstmals wieder in den letzten Jahren angestiegen. Laut Bundesnetzagentur sind es besonders die Großhandelspreise, die die Kosten in die Höhe treiben.

  • Stromrechnung

    Analyse: Niedriger Stromverbrauch kostet extra

    Die Entwicklung der Strompreise in den vergangenen fünf Jahren wirkt sich nicht auf alle Kunden in gleichem Maße aus, zeigt eine Untersuchung von Verivox. Es kommt demnach darauf an, ob viel oder wenig Strom verbraucht wird.

  • Strom- und Gaspreise

    Strom und Gas sind 2019 teurer geworden

    Über 600 Strom- und fast 400 Gasversorger haben in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres ihre Preise erhöht. Das ist ein Teilergebnis einer Preisanalyse von Verivox.

  • Sieger

    Preis und Service: Ökostromanbieter im Test

    Ökostromanbieter sind einer Studie zufolge zum Teil günstiger als die örtlichen Grundversorger. Im Test wurde aber nicht nur der Preis verschiedener Unternehmen vergleichen, auch der Service wurde überprüft.

  • Wechsel

    EuGH: EEG-Umlage ist keine staatliche Beihilfe

    Bei der EEG-Umlage hat Deutschland vor dem EuGH Recht bekommen. Die EU-Kommission hatte das Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien wegen bestimmter Inhalte kritisiert. Mit dem aktuellen Urteil entfallen Milliarden-Rückforderungen.

Top