Verbraucherzentrale

Grundversorger sollen über günstigere Tarife informieren

Preisunterschiede von bis zu 84 Prozent hat die Verbraucherzentrale NRW bei Tarifbestandteilen der Grundversorger festegestellt. Sie fordert jetzt, dass Stromversorger Kunden, die sich in der Grundversorgung befinden, in den Jahresrechnungen über ihre eigenen preiswerteren Tarife informieren.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (red) - Schon durch einen Wechsel in einen Sondertarif des örtlichen Stadtwerks könnten dreistellige Euro-Beträge gespart werden. Bei einem Vergleich der Strompreise (Grundversorgungsangebote) von 110 Grundversorgern in den 396 Gemeinden Nordrhein-Westfalens durch die Verbraucherzentrale NRW sind jetzt erhebliche Preisunterschiede von bis zu 84 Prozent aufgefallen.

Jeder Zweite steckt noch in der Grundversorgung

Das Unternehmen, das in der jeweiligen Kommune die meisten Stromkunden hat, muss nach dem Energiewirtschaftsgesetz allen ansässigen Haushalten einen Pflichttarif mit kurzer Laufzeit und kurzer Kündigungsfrist anbieten. Noch immer steckt jeder Zweite in Nordrhein-Westfalen in diesem jeweils teuersten Grundversorgungstarif seines Stadtwerks. Doch Pflichttarif ist nicht gleich Pflichttarif.

"Der Preis für die Grundversorgung variiert von Kommune zu Kommune um mehr als 150 Euro pro Jahr", erläutert NRW-Verbraucherzentralenvorstand Klaus Müller die Ergebnisse des jüngsten Preis-Checks in 396 NRW-Kommunen. Beim Ranking der teuersten Grundversorger sind den Verbraucherschützern bei den Tarifbestandteilen, die der Stromanbieter – neben Netzentgelten, Steuern, Konzessionsabgaben und Umlagen – frei gestalten kann, Preisunterschiede von bis zu 84 Prozent aufgefallen.

Stromanbieter sollten Kunden über Alternativen informieren

Die Verbraucherzentrale sieht die Stromversorger in der Pflicht, ihre Kunden über eigene alternative Tarifangebote neben der Grundversorgung zu informieren. In den Jahresabrechnungen müsste für den Kunden transparent gemacht werden, dass er durch einen einfachen Tarifwechsel beim gleichen Versorger sparen kann. Derweil rät die Verbraucherzentrale NRW allen Stromkunden in der Grundversorgung, selbst Preisvergleiche anzustellen und empfiehlt, den Anbieter zu wechseln oder zumindest einen günstigeren Tarif des örtlichen Versorgers zu wählen. Schon durch den einfachen Wechsel zu einem anderen Tarif lassen sich auch bei den teuersten Grundversorgern immer noch bis zu 125 Euro jährlich einsparen.

In jedem Ort ein günstigeres Ökostrom-Angebot

"In jedem Ort in Nordrhein-Westfalen gibt es darüber hinaus zumindest ein Ökostromangebot mit Gütesiegel, das preisgünstiger ist als der Grundversorgungs-Pflichttarif", rechnet die Verbraucherzentrale NRW vor: "Wer aus der Grundversorgung der zehn teuersten Anbieter unseres Preisvergleichs aus- und auf zertifizierten Ökostrom umsteigt, kann zwischen 108 und 172 Euro pro Jahr sparen."

Wer umsteigen will und einen anderen Stromanbieter sucht, kann sich mit unserem Strompreisvergleich über günstige Angebote informieren.

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