Machtkampf

Gazprom will RWE aus Konkurrenz-Projekt locken

Im Ringen um die Macht über Europas Gasversorgung will der russische Energieriese Gazprom einem Zeitungsbericht zufolge den RWE-Konzern auf seine Seite ziehen. Dabei geht es um das Nabucco-Konkurrenzprojekt South Stream. Würde RWE dort aussteigen, wäre Nabucco vermutlich zum Scheitern verurteilt.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (afp/red) - Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew habe RWE, das derzeit am Nabucco-Projekt beteiligt ist, eingeladen, sich am Nabucco-Konkurrenzprojekt South Stream zu beteiligen, berichtete das "Handelsblatt" (Montagsausgabe) unter Berufung auf Verhandlungskreise. South Stream ist ein Projekt, das im Wesentlichen von Gazprom und dem italienischen Energiekonzern ENI vorangetrieben wird. Würde es Gazprom gelingen, RWE aus dem Nabucco-Konsortium herauszubrechen, wäre das Projekt demnach kaum zu halten.

Das von mehreren europäischen Energiekonzernen initiierte Nabucco-Projekt will künftig Erdgas unter Umgehung von Russland aus Ländern wie Turkmenistan und Aserbaidschan nach Westeuropa bringen. Gazprom nutzt dem Zeitungsbericht zufolge die momentane Schwäche des Nabucco-Konsortiums. Die Verhandlungen mit den potenziellen Lieferländern gestalten sich demnach derzeit schwierig.

Trotz jahrelanger Bemühungen kann das Nabucco-Konsortium keine belastbaren Lieferzusagen für die Pipeline vorweisen. Solange dies nicht der Fall ist, kann der Bau der 3.300 Kilometer langen Pipeline, die von der türkischen Ostgrenze bis nach Österreich führen soll, nicht beginnen. Nabucco soll nach der derzeit noch gültigen Planung spätestens 2015 das erste Gas nach Westeuropa liefern.

Die Pipeline, deren Bau von der EU begrüßt wird, würde die Abhängigkeit von russischem Gas verringern: Rund ein Viertel des in Europa verbrauchten Erdgases kommt aus Russland, in Deutschland liegt der Wert sogar noch höher. Gazprom dagegen zielt mit dem South-Stream-Projekt darauf ab, den Einfluss der Pipeline-Transitländer Weißrussland und Ukraine zu verringern. Mit beiden Ländern hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Streitigkeiten gegeben, die zu empfindlichen Störungen der Gaslieferungen führten.

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