Gasspeicher leeren sich

Gasversorgung in Europa: Gazprom will Fördermenge hochschrauben

Der russische Energiegigant Gazprom will offensichtlich die Menge an Gas, die über die Ukraine nach Europa gelangt, erhöhen. 2019 hatten sich Kiew und Moskau nach zähen Verhandlungen noch einmal auf einen Fünfjahresvertrag geeinigt.

15.02.2021, 17:04 Uhr (Quelle: DPA)
Erdgasspeicher© Werner Dreblow / Fotolia.com

Angesichts sich leerender Speicher in Deutschland will der russische Energiekonzern Gazprom mehr Gas durch die Ukraine in Richtung Europa pumpen. Für März ist demnach ein Volumen von täglich 124,2 Millionen Kubikmeter geplant. Das geht aus den Daten einer Auktion für die monatlichen Transportkapazitäten hervor, wie die Agentur Interfax am Montag in Moskau meldete. Ursprünglich waren 110 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag geplant.

Zähe Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine

Für den laufenden Monat Februar hatte der russische Gasgigant ebenfalls 124,2 Millionen Kubikmeter pro Tag gebucht. Das ist allerdings weniger als noch vor einem Jahr. Hintergrund ist, dass Russland die Ukraine als Transitland umgehen will. 2019 war nach zähen Verhandlungen ein neuer Fünfjahresvertrag zustande gekommen. Demnach verpflichtet sich Gazprom, in diesem Jahr mindestens 40 Milliarden Kubikmeter seines Erdgases über die Ukraine in den Westen zu liefern. 2019 waren es noch 89,6 Milliarden.

Deutsche Gasspeicher noch bis zu 34 Prozent gefüllt

In Deutschland sind nach Daten des Verbands der Gaswirtschaft die Gasspeicher aktuell noch zu 34 Prozent gefüllt. Wegen des frostigen Wetters ist in diesem Winter deutlich mehr geheizt worden als noch vor einem Jahr. Ungewöhnlich leer sind die Gasspeicher aus Sicht von Experten dennoch nicht: So lag der Füllstand im April 2018 nach einem besonders kalten Februar bei lediglich 14 Prozent.

Ukraine ist auf Gastransit angewiesen

Die Ukraine meldete unterdessen Rekordvorräte in ihren Gasspeichern. Am Sonntag waren mit 19,6 Milliarden Kubikmetern etwa 3,2 Milliarden Kubikmeter mehr in den Speichern als noch vor einem Jahr. Die meisten Gasdepots liegen im Westteil des Landes an der Grenze zur EU.

Die Ukraine befürchtet, mit der Inbetriebnahme der umstrittenen Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 als Transitland überflüssig zu werden. Das finanziell angeschlagene osteuropäische Land ist aber dringend auf die Gebühren angewiesen, die es von Russland für den Transport von Erdgas in die EU kassiert. Vor mehr als einer Woche hatte die Nord Stream 2 AG wieder mit dem Verlegen von Rohren bei Dänemark begonnen. Die USA wollen das deutsch-russische Projekt mit Sanktionen noch auf den letzten Metern stoppen.

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