Adieu Franc

Frankreich schafft alte Währung komplett ab

Frankreich-Urlauber erinnern sich gerne an den blauen 50-Franc-Schein mit dem Bild des "Kleinen Prinzen" auf der Rückseite, mit dem sie bis zur Euro-Einführung vor zehn Jahren bezahlen konnten. Doch ab Samstag ist das alte Papiergeld in Frankreich nichts mehr wert.

15.02.2012, 16:22 Uhr
Tarife© rkolbabek / iStockphoto.com

Paris (afp/red) - Wer seine Scheine bis Freitagabend nicht bei der Zentralbank in Euro umgetauscht hat, kann sie nur noch als Erinnerungsstücke behalten.

Auf umgerechnet 602 Millionen Euro schätzte die Banque de France Ende 2010 die Summe der noch nicht umgetauschten Banknoten. Obwohl laut Presseberichten seit Weihnachten rund 60.000 Franzosen an den Schaltern ihr altes Geld loswerden wollten, rechnet die Zentralbank damit, dass nur rund 100 Millionen Euro eingetauscht werden. Das würde dem Staat einen Gewinn von gut 500 Millionen Euro bescheren, der in den Haushalt 2012 fließen soll.

Abschied von Lira, Finnmark und Drachme

Frankreich ist nach Italien im Dezember erst das zweite Euro-Land, das die alten Scheine einzieht. Für die Franc-Münzen war die Frist bereits vor sechs Jahren verstrichen. Ende Februar folgt Finnland und am 1. März dann Griechenland, das mitten in den Spekulationen über einen Austritt aus der Euro-Zone die Drachme abschafft. Keine Frist für einen Umtausch gibt es dagegen in Deutschland, Belgien und Spanien. Laut dem deutschen Bankenverband sind noch etwa 6,5 Milliarden Mark an Banknoten im Umlauf.

In Frankreich setzte vor Ablauf der Frist eine rege Nachfrage im Internet nach den alten Scheinen ein, auf denen das Wissenschaftlerehepaar Curie, der Ingenieur Gustave Eiffel oder der Maler Paul Cezanne abgebildet sind. Doch wer unter seinen alten Ersparnissen einen kleinen Schatz vermutet, könnte enttäuscht werden: Nur die Scheine mit einer besonderen Seriennummer oder mit einem Druckfehler haben wirklich einen Wert. Sie werden im Internet bereits zu Preisen gehandelt, die um ein Vielfaches über dem Umtauschsatz liegen.

Der offizielle Kurs liegt für den alten 20er bei drei Euro und für den alten 500-Franc-Schein bei 76 Euro. Für den 50-Franc-Schein, der an den "Kleinen Prinzen" und dessen Schöpfer Antoine de Saint-Exupéry erinnert, bekommen die Franzosen noch 7,50 Euro.

Sonderaktionen zur Abschaffung des Franc

Mehrere Läden, aber auch Casinos und Hotels boten ihren Kunden in den vergangenen Wochen die Möglichkeit, in Franc zu bezahlen, um das alte Geld loszuwerden. Die Ausbeute war nicht schlecht: In der zentralfranzösischen Stadt Tours kamen in sechs Wochen gut 19.000 Euro zusammen.

Wer dennoch noch Franc-Scheine zu Hause im Sparstrumpf hat, kann sie bis Freitag gegen Vorlage des Ausweises umtauschen. Außerdem müssen die Tauschwilligen eine Bescheinigung unterschreiben, dass das Geld nicht aus illegalen Geschäften stammt. "Wir können nicht alles kontrollieren, vor allem nicht die Herkunft kleiner Summen", räumen die Behörden ein.

In Hoerdt im Elsass warf ein Unbekannter Umschläge mit Geldbündeln in die Briefkästen mehrerer gemeinnütziger Organisationen. So bekamen die evangelische und katholische Kirche, ein Chor und eine Elternvereinigung Spenden zwischen 500 und 2000 Francs. Das Geld stamme möglicherweise aus einem Banküberfall oder aus Schwarzarbeit, heißt es in der Kleinstadt mit 4500 Einwohnern.

Alte Scheine werden verbrannt

Der Franc, mit dem in Frankreich seit dem 14. Jahrhundert bezahlt wurde, geht nach dem Ende der Umtauschfrist einem traurigen Schicksal entgegen: Die Scheine werden eingestampft, zu kleinen Bündeln gepresst und dann verbrannt. Wer seine Banknoten behalten will, um im Falle einer Rückkehr Frankreichs zur Nationalwährung gut ausgestattet zu sein, der wird von dem Experten Michel Prieur enttäuscht: "In diesem Fall wird es auf keinen Fall dieselben Scheine geben", sagt der Vorsitzende der größten Numismatiker-Vereinigung cgb.fr.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Energiewende

    EU billigt Notfall-Kraftwerke im Zuge der Energiewende

    Falls es im Zuge der Energiewende zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen sollte, will die Bundesregierung Kraftwerke in Reserve halten. Die Betreiber der Anlagen sollen dafür bezahlt werden. Das prüfte die EU-Kommission genauer, denn dadurch kommen Mehrkosten auf Stromverbraucher zu.

  • Strom- und Gaspreise

    Strom- und Gaspreise sind in Europa gesunken

    In Europa sind die Strom- und auch die Gaspreise einer Auswertung zufolge im Schnitt im Vergleich zum Vorjahr gesunken. In Deutschland sind die Stromkosten dabei mit 30,5 Euro pro 100 kWh mit am höchsten.

  • Smartphone

    Günstige Türkei-Gespräche mit neuen Bedingungen (Upd.)

    Bei zwei Mobilfunkanbietern mit günstigeren Türkei-Tarifen gibt es Änderungen bezüglich der Tarifoptionen. Zum einen betrifft das bei Türkyildiz die Laufzeiten, zum anderen wird bei Turkcell eine neue Option eingeführt.

  • Geld sparen

    Deutsche horten ihr Geld für Notzeiten

    Die Finanzkrise hat für 54 Prozent der Deutschen keine finanziellen Auswirkungen, dennoch bleibt das Sparen für Notzeiten Sparziel Nummer eins der Deutschen. Dabei fühlen gerade sie sich von direkten Auswirkungen der Finanzkrise im europäischen Vergleich nur wenig betroffen.

  • Hochspannungsmasten

    Wie die Brüsseler Warte den Blackout verhindert

    Ihr Alptraum ist der Blackout: In einem nüchternen Bürogebäude in Brüssel überwachen Ingenieure 24 Stunden am Tag ein riesiges Hochspannungsnetz, das von Norddeutschland bis Süditalien reicht. Zuletzt gab es einen großflächigen Ausfall vor gut fünf Jahren; die Erinnerung daran ist noch frisch.

Top