Preissteigerungen

Forscher: Bei Großprojekten wird bewusst gelogen

Es sind immer wieder die gleichen Gründe, warum die Kosten für Großprojekte so aus dem Ruder laufen, sagen Forscher.

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Es sind immer wieder die gleichen Gründe, warum die Kosten für Großprojekte so aus dem Ruder laufen, sagen Forscher. Das gilt für den neuen Berliner Flughafen ebenso wie für Stuttgart 21 oder die Elbphilharmonie. Vor allem ein Sachverhalt ist es, der das finanzielle Harakiri zur Methode werden lässt.

Das billigste, nicht das beste Angebot

Den Anfang macht die Abgabe des Angebots. Wer realistisch rechne und Faktoren für mögliche Kostensteigerungen nicht verschweige, erhalte in Zeiten knapper Ressourcen so gut wie nie den Zuschlag, sagen Experten wie der Karlsruher Ökonom Werner Rothengatter oder der in Oxford lehrende dänische Forscher Bent Flyvbjerg, die die unterschiedlichen Großprojekte weltweit einer genauen Betrachtung unterzogen haben. Flyvbjerg zufolge werde im Regelfall nicht das beste Angebot realisiert, sondern das billigste - im Endeffekt das mit den falschesten Zahlen. Sowohl viele Firmen als auch die meisten Politiker rechneten mit geschönten Zahlen, der Bürger werde regelrecht an der Nase herumgeführt.

Lügen, bis sich die Balken biegen

In fast allen Demokratien werde mit strategischen Falschangaben wirklich offensiv gelogen, um Wunschprojekte durchzudrücken, so die Forscher. Nur eines von zehn Projekten bleibe Flyvbjergs Forschungen zufolge innerhalb des Budgets. Besonders eklatant seien die Kostensteigerungen bei Bahnprojekten - diese würden im Schnitt um sage und schreibe 45 Prozent teurer. Doch es geht auch anders: Manche Länder, etwa Großbritannien oder Dänemark, haben verbindliche Vorschriften, die bei der Planung eines großen Projektes dezidiert befolgt werden müssen. Medienberichten zufolge haben auch die Planer des Berliner Flughafens inzwischen hilfesuchend bei Flyvbjerg angerufen - doch da war es schon viel zu spät.

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