Studie

Finanzvermögen: Deutsche kommen während COVID-19 glimpflich davon

Beim Finanzvermögen stehen die Deutschen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in der Corona-Krise gut da. Eine Studie hat neben der Entwicklung des Vermögens auch das Sparverhalten in den Blick genommen.

27.08.2020, 14:54 Uhr
500 Euro© eyetronic / Fotolia.com

Die weltweite Corona-Pandemie hat massive Auswirkungen auf das Finanzvermögen und das Sparverhalten privater Haushalte in Europa. Wie die ING Deutschland berichtet, hat sich das Kapital der Europäer um insgesamt rund 771 Milliarden Euro oder 3,0 Prozent gegenüber Dezember 2019 reduziert. Deutsche kamen demnach mit einem Verlust von 128 Milliarden Euro oder 2,0 Prozent vergleichsweise gut davon. Ende Juni sei das Finanzvermögen der Deutschen dank Erholung der Kapitalmärkte und hohen Neuanlagen laut Prognose bereits wieder auf Rekordniveau.

Das Geldhaus hat das die Entwicklung des Finanzvermögens sowie des Sparverhaltens privater Haushalte in Deutschland und in der Eurozone im ersten Quartal 2020 in der Studie "Unser Geld & COVID-19" analysiert.

1. Quartal: Finanzvermögen stark gesunken

Erwartet heftig hat sich die Corona-Pandemie im ersten Quartal auf das Finanzvermögen privater Haushalte der Eurozone ausgewirkt, erklärt die Bank weiter. Obwohl über 165 Milliarden Euro neu in Finanzanlagen geflossen seien – und damit soviel wie seit 2007 nicht mehr in einem Jahresanfangsquartal –, habe sich ihr Gesamtwert kapitalmarktbedingt um 771 Milliarden Euro oder um 3,0 Prozent gegenüber Dezember 2019 auf 25,1 Billionen Euro reduziert.

Das sei der mit Abstand höchste Finanzvermögensverlust binnen drei Monaten in den letzten 20 Jahren gewesen. Zum Vergleich: Der zweitgrößte Quartalsverlust habe im ersten Quartal 2001 bei 2,6 Prozent gelegen. Ursache sei damals das Platzen der Dotcom-Blase gewesen.

Deutsche kommen relativ gut davon

Deutsche Bürgerinnen und Bürger seien im ersten Quartal noch vergleichsweise glimpflich davongekommen, sie verloren 2,0 Prozent bzw. 128 Milliarden. Euro auf 6,34 Billionen Euro. Grund dafür sei der vergleichsweise hohe Anteil an Bankeinlagen inklusive Bargeld (41 Prozent vs. Eurozone 35 Prozent) und Versicherungen (37 Prozent vs. Eurozone 35 Prozent), die entweder gar nicht oder nur in geringem Maße auf Schwankungen des Kapitalmarktes reagierten. Der Anteil an Aktien, die stark mit dem Kaptalmarkt schwanken, sei entsprechend geringer (10 Prozent vs. Eurozone 17 Prozent).

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Studie: Griechen und Italiener sind am stärksten betroffen

Insgesamt hätten Bürgerinnen und Bürger aus 16 der 19 Eurozone-Länder im ersten Vierteljahr Vermögenseinbußen hinnehmen müssen. Am heftigsten betroffen sei Griechenland mit minus 11 Prozent gegenüber dem Vorquartal, im Wesentlichen bedingt durch überdurchschnittlich hohe Verluste des Aktienvermögens. Auf den weiteren Plätzen folgen Italien mit minus 5,1 Prozent und Belgien mit minus 4,4 Prozent. Andererseits konnten litauische, holländische und zypriotische Einwohner ihr Vermögen sogar im gleichen Zeitraum noch um 5,5 Prozent, 3,3 Prozent bzw. 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal steigern.

Nahezu alle Länder im Plus gegenüber 2019

Betrachte man den Nettoeffekt im ersten Quartal 2020 verglichen mit den vergangenen 12 Monaten, also die Summe aus Mittelzuflüssen (Einzahlungen) und Wertentwicklung (Rendite), liege der gesamte Euroraum weiterhin mit 1,4 Prozent im Plus. Gleiches gelte für fast alle Einzelländer. Mit Griechenland, Italien, Belgien und Spanien lägen nur vier von 19 Ländern auch gegenüber dem Vorjahreswert im roten Bereich.

Deutsche bevorzugen Bargeld beim Sparen

Die ebenfalls kürzlich von der ING vorgelegte Studie "Wie Krisen das Sparverhalten der Deutschen verändern" habe gezeigt, dass deren Anlageverhalten bereits in der Vergangenheit maßgeblich von Krisen beeinflusst wurde. Und so habe auch die Corona-Pandemie schon jetzt deutliche Spuren in der Geldanlage hinterlassen.

Obwohl zuletzt als Zahlungsmittel von abnehmender Bedeutung, habe Bargeldsparen im ersten Quartal mit Abstand am meisten zugelegt. Mit einem Rekordvolumen von 20 Milliarden Euro sei mehr als jeder fünfte neue Spar-Euro, also 22 Prozent, in den Sparstrumpf geflossen.

Ebenfalls deutlich gestiegen seien Aktien-Investments mit 14 Milliarden Euro. Der große Verlierer des ersten Quartals hingegen seien die Bankeinlagen gewesen, die mit 5 Prozent des Sparvolumens so wenig neues Geld hätten anziehen konnten wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Ausblick: Deutsches Finanzvermögen bereits wieder auf Rekordniveau

So heftig und unerwartet die Corona-Pandemie eingeschlagen habe, so schnell scheine ihr negativer Effekt auf das Finanzvermögen auch schon wieder verpufft. Mit der Erholung der Kapitalmärkte und weiterhin sehr hohen Neuanlagen sei das Finanzvermögen in Deutschland um schätzungsweise 3,4 Prozent oder 212 Milliarden Euro auf einen neuen Rekordwert von 6,55 Billionen Euro per Ende Juni 2020 gestiegen. Innerhalb eines Quartals sei dies der höchste absolute Vermögensanstieg aller Zeiten sowie der dritthöchste prozentuale Anstieg der letzten 20 Jahre.

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