Busreisen

Fernbus-Fusion: Flixbus übernimmt Postbus

Mit der Übernahme von Postbus will Flixbus die Anzahl an halb leeren Fernbussen auf Deutschlands Straßen reduzieren - und natürlich auch Gewinn daraus schlagen. Der Fernbus-Marktführer will das Streckennetz optimieren. Was heißt das für Kunden?

Fernbus© Petair / Fotolia.com

Bonn/Berlin – Der Fernbus hat die Verkehrsbranche in Deutschland kräftig durcheinander gewirbelt. Doch von den vielen Anbietern, die nach der Liberalisierung 2013 auf den Markt drängten, sind nur noch wenige übrig. Nun gibt die Deutsche Post auf - und verkauft das schwierige Geschäft an den Marktführer Flixbus. Der wollte 2016 die letzten weißen Flecken von seiner Netzkarte tilgen und vor allem mittelgroße und kleinere Städte mit 20.000 bis 30.000 Einwohnern dazuholen. Diesem Ziel sind André Schwämmlein, Jochen Engert und Daniel Krauss nun ein gutes Stück näher gekommen.

Nummer eins schluckt Nummer zwei

Flixbus, die Nummer eins im deutschen Fernbus-Markt, hat Postbus, die Nummer zwei, übernommen. Das Unternehmen, das 900 Orte in 20 Ländern anfährt, hat damit rund 120 neue Ziele dazugewonnen. Jetzt komme es darauf an, aus beiden Streckennetzen ein besseres zu machen, sagt Geschäftsführer Schwämmlein. Bislang parallel fahrende Linien auf Verbindungen wie München-Berlin - Flixbus bedient diese Strecke 20 Mal am Tag, Postbus 5 Mal - sollen zugunsten neuer Ziele reduziert werden. "Wir wollen zum Beispiel die Küste häufiger anfahren und den grenzüberschreitenden Verkehr ausbauen, vor allem aber die Regionen stärken", sagt Schwämmlein. Profitieren sollen Kleinstädte, die bisher noch nicht an das Fernbus-Netz angeschlossen sind.

Branche sieht viele Vorteil ein der Fusion

Ein Plan, der in der Branche mit Wohlwollen gesehen wird: "Der Fernbus bietet in vielen Städten tatsächlich den einzigen Anschluss an den Fernverkehr, etwa in Bremerhaven", sagt Kai Neumann, Referent für Fernbusse beim Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). "Daher begrüßen wir sehr, dass der ländliche Raum gestärkt wird."

"Der Zusammenschluss bietet große Chancen", sagt auch Christoph Gipp, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Iges. Gerade auf beliebten Strecken könnten Angebot und Nachfrage effizienter zusammengebracht werden. Das Verkehrssystem in Deutschland werde optimiert.

Für die Kunden kommt noch eine weitere gute Nachricht hinzu: Sie müssen zumindest auf absehbare Zeit nicht mehr Geld für ihr Ticket zahlen. Die Preise würden in naher Zukunft nicht steigen, sagt Schwämmlein. Sein Unternehmen setze stattdessen auf vollere Busse. Nach Iges-Zahlen liegt die Auslastung der Fahrzeuge im Schnitt bei 51 Prozent.

Werden die Fernbus-Preise steigen?

Neumann verweist darauf, dass die großen Fernbusanbieter an erster Stelle im Wettbewerb mit Autos, der Bahn und Fluggesellschaften stehen. "Die Branche wird die Reisenden daher auch in Zukunft davon überzeugen müssen, dass der Fernbus das Verkehrsmittel der Wahl ist", sagt der BDO-Referent. Zuverlässigkeit, Service, Qualität und wettbewerbsfähige Preise seien die Kriterien, an denen sich der Fernbus messen lassen müsse.

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält Preiserhöhungen indes für unausweichlich. "Längerfristig werden sich die Preise erhöhen, zumal im Fernbusgeschäft kein Geld verdient wird", sagt Sprecher Karl-Peter Naumann. Allgemein gelte: "Je weniger Angebot im Markt, desto mehr gehen die Preise nach oben." Im vergangenen Jahren hatten die Fernbusanbieter die Preise langsam angehoben.

Keine kartellrechtlichen Probleme

Mit der Übernahme hat Flixbus seine unangefochtene Position im Fernbusgeschäft weiter gefestigt. Nach der Fusion mit dem britischen Konkurrent Megabus Ende Juni und dem Zusammenschluss mit Postbus hat das Unternehmen nun einen Marktanteil (gemessen an Fahrplankilometern) von 80 Prozent. Kartellrechtlich bereitet das Geschäft keine Probleme, da die geltende Umsatzschwelle von 500 Millionen Euro jährlich nicht erreicht wird.

Postbus schaffte den Durchbruch nicht

Verlierer des Deals ist die Deutsche Bahn. Ihre Fernbusanbieter Berlin Linien Bus und IC Bus kommen zusammen auf einen Marktanteil von 14 Prozent. Das Geschäft entwickelt sich defizitär. Auch die Deutsche Post kam nicht über einen Marktanteil von zehn Prozent hinaus. Doch der Konzernvorstand war nicht bereit, Geld in die Hand zu nehmen, um das verlustreiche Randgeschäft nach vorne zu bringen. "Wir hätten viel in den Postbus investieren müssen", sagt ein Sprecher.

Postbus war im November 2013 als Kooperation mit dem ADAC an den Start gegangen. Der Autoclub stieg im November 2014 aus dem Projekt aber wieder aus, die Post betrieb das Geschäft alleine weiter. Dabei hatte die Post mit dem Club zusammen hochfliegende Pläne. "Der Bus für Deutschland", hieß es damals hochtrabend. Zuverlässigkeit, gute Netzplanung, Nähe zum Kunden - Konzernvorstand Gerdes sparte nicht an Superlativen, um das Projekt zu befördern. Doch es half nichts.

Busse könnten auch Pakete befördern

Der Deal mit Flixbus sieht nun vor, dass der Bonner Konzern mit dem Marktführer eine Vertriebskooperation eingeht. Bis Ende des Jahres sollen Bustickets in den 5.000 Partner-Filialen der Post erhältlich sein. Postbus-Gutscheine für Fahrten ab dem 1. November können nach der Übernahme des Unternehmens durch Flixbus auf Flixbus.de eingelöst werden. Darüber hinaus wollen Flixbus und Post in der Logistik zusammenarbeiten. Derzeit testen die Bonner einen Express-Kurierservice zwischen Hamburg und Berlin, bei dem DHL-Pakete taggleich mit dem Fernbus versendet werden. Die Post prüft nun, wie sie diesen Service gemeinsam mit Flixbus ausweiten kann.

Quelle: DPA

Ausführliche Infos zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
  • 5G-Antenne Telekom

    Telekom startet 5G-Ausbau und unlimitierten Datentarif

    Die Telekom beginnt ihren 5G-Ausbau an sechs Standorten und bietet bereits jetzt die Möglichkeit, entsprechende Tarife zu buchen. Die Verträge bieten unbegrenztes Datenvolumen und kosten rund 75 und 85 Euro.

  • Flugzeug

    Klimaschutz: Sorgt eine Kerosinsteuer bald für steigende Flugpreise?

    Die Anstrengungen zur Verbesserung des Klimaschutzes könnten auch die Flugpreise in die Höhe treiben. Derzeit diskutieren Politiker über die Einführung einer Kerosinsteuer. Bisher gilt die Steuer nur als Vorschlag unter vielerlei möglichen Maßnahmen.

  • Bahn

    Aktuell: Sparpreise und Rabatte bei der Bahn

    Die Deutsche Bahn muss sich gegen die Konkurrenz durch Billigflieger und Fernbusse behaupten. Besonders Besitzer einer Bahncard profitieren jetzt davon. Die 19-Euro-Sparpreise verlängert. Einzelne Leistungen werden aber auch teurer.

  • Brexit

    Brexit-Entscheidung: Briten stimmen für den Austritt aus der EU

    Die Entscheidung ist gefallen: Die Briten wollen aus der EU austreten. Erste Auswirkungen: Die Aktien britischer Unternehmen stürzen ab, ebenso wie die britische Währung. Wirtschaftlich sind Großbritannien und Deutschland eng verflochten.

  • Benzin Preise

    Billig tanken: Deutsche Autos bleiben trotzdem in der Garage

    Das Tanken ist schon seit einigen Monaten dank der niedrigen Preise eher eine erfreuliche Situation. Dennoch hauen die Deutschen wegen der Billigpreise nicht direkt auf den Putz: An dem Konsumverhalten hat sich bei den meisten nichts verändert.

Top