Grundlegende Veränderung

Fachkongress: Löst die Brennstoffzelle eine Revolution im Energiemarkt aus?

Kürzlich trafen sich Experten in Hannover zu einem Fachkongress zum Thema Brennstoffzelle. Ergebnis: Dieser Energieerzeugungsart kann ein beträchtliches Zukunftspotenzial eingeräumt werden.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Zu Beginn dieser Woche drehte sich beim gleichnamigen Kongress in Hannover alles um das Thema Brennstoffzelle. Eingeladen hatte der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), der Fachverband für Energie-Marketing und -Anwendung beim VDEW (HEA) und die Unternehmensberatung Arthur D. Little. Experten aus der Wissenschaft, von Energieversorgungsunternehmen, Hersteller von Heizenergietechnik und Brennstofflieferanten diskutierten, ob die Brennstoffzelle eine Revolution im Wärme- und Strommarkt auslösen wird.

Als Ergebnis zeigte sich, dass der Brennstoffzellentechnologie ein beträchtliches Zukunftspotenzial eingeräumt werden kann. Die Markteinführung spezifischer Techniken, an denen führende Hersteller bereits mit Hochdruck arbeiten, wird dabei ab 2005 erwartet. Dennoch müssten Brennstoffzellen, die einerseits Energie für Heizung im Haus liefern und andererseits elektrischen Strom erzeugen, mit einer Reihe zum Teil technisch und ökonomisch ausgereifter Systeme konkurrieren, gab Prof. Ulrich Wagner von der TU München zu bedenken. Deshalb sei in der Phase der Einführung der Einsatz fossiler Brennstoffe für eine Übergangsfrist nötig, mittelfristig sollten jedoch die Weichen für höhere Anteile erneuerbarer Energien zur Bereitstellung des für die Brennstoffzelle benötigten Wasserstoffs gestellt werden.

Die großen Verbundunternehmen E.ON, RWE und EnBW befassen sich seit längerem in Pilotvorhaben und Feldversuchen mit der Brennstoffzelle. Für Dr. Wolfram Münch von der EnBW ergeben sich aufgrund der höheren Nutzungsgrade der Energieumwandlung positive Auswirkungen hinsichtlich Klima und Umwelt. Obwohl noch größerer Forschungsbedarf bestünde, wären kleinere Anlagen für Mehrfamilienhäuser optimal geeignet. Dr. Jörg Heinen von der RWE Plus AG sieht es für sein Unternehmen als einen wesentlichen Erfolgsfaktor an, sich an der gesamten Wertschöpfungskette zu beteiligen. Und Brigitte Nolopp von E.ON stellte Untersuchungsergebnisse vor, die zeigen, dass Komplettdienstleistungen für Wärme und Strom momentan noch schwierig zu vermarkten seien, da Hausbesitzer ihr Heizungssystem persönlich besitzen und nicht nur für eine Dienstleistung bezahlen wollen.

Für den Fall optimaler Rahmenbedingungen ergibt sich nach Modellrechnungen von Jochen Gerber von Arthur D. Little für das Jahr 2020 ein Marktpotenzial von 120 Gigawatt in Europa. Er räumte der neuen Technologie die Fähigkeit ein, die Strukturen des Energiemarktes grundlegend zu verändern. Dies gelte insbesondere für den Privatkundenmarkt. Die dezentrale Produktion von Strom und Wärme ermögliche neue Geschäftsmodelle und könne damit bestehende Vertriebsstrukturen nachhaltig verändern und den Schlüssel zur Realisierung von Multi-Utility-Strategien bilden, fasste Gerber abschließend zusammen.

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