Entscheidung

EZB: Für Banken wird es teurer – Immobilienkredite weiter günstig

Die Europäische Zentralbank wird die Strafzinsen für Banken erhöhen. Das könnte dazu führen, dass die Institute überschüssiges Geld tendenziell in Umlauf bringen wollen. Und das wiederum könnte zu einer weiteren Senkung der Zinsen bei Immobilienkrediten führen.

12.09.2019, 14:43 Uhr (Quelle: DPA)
EuroDie EZB erhöht den Strafzins für Bankeinlagen auf 0,5 Prozent.© goodstock / Fotolia.com

Frankfurt/Main - Für Banken wird es teurer, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag beschlossen, den Strafzins für Bankeinlagen von 0,4 Prozent auf 0,5 Prozent zu erhöhen. Experten rechnen damit, dass in der Folge die Zinsen sinken werden, die Kleinsparer auf ihr angelegtes Geld erhalten. Wer einen Hauskauf plant oder bald eine Anschlussfinanzierung braucht, kann sich dagegen freuen.

Immobiliendarlehen sind noch günstiger geworden

Immobiliendarlehen sind bereits jetzt günstig wie nie: Ein Kredit über eine Laufzeit von zehn Jahren kostet nach Angaben der unabhängigen FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main derzeit im Schnitt 0,69 Prozent. Bei einer Laufzeit von 15 Jahren liegt der durchschnittliche Zinssatz bei 0,98 Prozent (Stand jeweils: 11. September).

Vor drei Wochen waren es noch 0,71 Prozent bei einer Laufzeit von 10 Jahren und 1,04 bei 15 Jahren (Stand: 22. August). Die genauen Zinssätze hängen allerdings unter anderem von der finanziellen Situation des Kreditnehmers ab.

Experte: Zinssätze gehen noch weiter runter

Der Strafzins soll Institute dazu anregen, mehr Kredite zu vergeben. "Der Druck wird größer, die Banken wollen ihr Geld loswerden, weil die EZB ihnen zu teuer wird. Als eine Lösung bieten sich große Baufinanzierungsvolumen an, die selbst bei niedrigen Zinsen so gut wie ohne Risiko vergeben werden können", erklärt FMH-Experte Max Herbst die Situation der Banken und Sparkassen. Er rechnet deshalb damit, dass diese Institute ihre Zinssätze weiter senken.

Mit Minuszinsen im Hypothekenbereich rechnet Herbst aber nicht. Er rät Kreditnehmern, die bald eine Anschlussfinanzierung brauchen, sich über die aktuellen Konditionen zu informieren. "Aber ich sehe keine Notwendigkeit, jetzt schon zu unterschreiben", so Herbst.

Beim Hauskauf nicht nur auf die Zinsen achten

Ähnliches empfiehlt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen: "Je weiter das Vertragsende entfernt ist, desto wichtiger ist es jetzt natürlich, die Zinsentwicklung im Blick zu behalten." Wer über einen Neuabschluss nachdenke, für den gelte: "Beim Neukauf nicht verlocken lassen. Der niedrige Zins allein rechtfertigt nicht den Kauf einer Immobilie."

Der Nutzen der Niedrigzinsen ist sowieso relativ, gibt Oelmann zu bedenken: "Im Moment sind die Preise in vielen Regionen explodiert. Das hebt natürlich den Zinsverlust auf."

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