Unabhänige Leitungen

Ex-Kanzler Schröder wirbt im Gasstreit für Ostsee-Pipeline

Der russische Regierungschef Wladimir Putin und Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder machten bei einem gemeinsamen Treffen Werbung für eines ihrer Lieblingsprojekte, die Ostsee-Pipeline. Diese soll russisches Gas direkt nach Deutschland bringen und Transitländer wie die Ukraine umgehen.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (AFP/sm) - Zugleich ist sie aber ein großer Zankapfel in der EU, vor allem osteuropäische Länder sind dagegen. Doch die Pipeline und Schröder als Aufsichtsratschef des Betreiber-Konsortiums könnten tatsächlich Gewinner des Gasstreits werden.

Schröder und Putin sind sich einig: "Unsere europäischen Partner haben jetzt begriffen, dass dieses Projekt nötig ist und schnell realisiert werden muss", sagte Putin. "Die aktuelle Situation macht unsere Pläne für den Bau der Pipeline noch wichtiger", pflichtete Schröder bei.

Auch in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung versicherte Schröder den deutschen Gaskunden, die Russen seien verlässliche Partner. Und rührte erneut die Werbetrommel für die Ostseepipeline: "Wer mehr Versorgungssicherheit will, muss Leitungen bauen, die unabhängig von staatlicher Einflussnahme sind. Die Ostseepipeline ist dafür ein gutes Beispiel."

Die Ostsee-Pipeline sei "ein sehr wichtiges Projekt" - nicht nur für die Energiesicherheit Deutschlands, sondern in ganz Europa. Schröder ist Aufsichtsratschef der Bau- und Betreibergesellschaft Nord Stream, an der die deutschen Konzerne E.ON Ruhrgas und die BASF-Tochter Wintershall beteiligt, sind die Mehrheit aber hat der Gazprom-Konzern.

Experten vermuten, dass der Gasstreit den Bau umstrittener alternativer Pipelines begünstigt. "Kein Zweifel - die Nord Stream und die South Stream Pipelines werden die großen Gewinner des Konflikts sein", sagt Christopher Weafer von der Moskauer Investmentbank Uralsib. South Stream ist ein weiteres Gazprom-Projekt zum Bau einer Pipeline über das Schwarze Meer nach Südeuropa. Der Streit werde Deutschland und auch Ex-Kanzler Schröder mehr Macht geben, die Probleme zu lösen, die das Projekt bislang aufhalten, sagt Weafer.

Proteste aus osteuropäischen Ländern

Über die geplante 1200 Kilometer lange Ostsee-Pipeline soll ab 2011 russisches Gas direkt von Sibirien nach Deutschland gelangen. Damit soll Deutschland weniger unabhängig werden von Transitländern wie Polen und der Ukraine. Das rund 7,4 Milliarden Euro schwere Bauprojekt stößt aber auf heftige Kritik.

Baltische Staaten und die skandinavischen Ostsee-Anrainer Schweden, Dänemark und Finnland protestieren aus Umweltschutzgründen gegen den Bau. So verweist Lettland auf mögliche Probleme mit chemischen Waffen, die die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg in der Ostsee versenkte. Transitländer fürchten um ihre Durchleitungsgebühren und dass sie selbst leichter durch Moskau erpressbar werden.

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