Energieverbrauch

EU-Kommissionschef: Für Toaster reicht Verbrauchskennzeichnung

Sollen auch Toaster und Haartrockner bei ihrem Energieverbrauch eingeschränkt werden? EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker äußerte nun, sich etwas mehr zurückhalten zu wollen und ist gegen neue Energiesparauflagen für genannte Geräte.

Stromverbrauch© Alain Lavanchy / Fotolia.com

Straßburg - Für Alltagsgeräte wie Toaster und Haartrockner soll es nach dem Willen von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker künftig keine Energiesparauflagen geben. Entsprechende Pläne hat Juncker den EU-Kommissaren am Dienstag in Straßburg vorgestellt. Damit will Juncker dem Eindruck von Brüsseler Regulierungswut entgegentreten. Die Vorschläge sollen wohlwollend aufgenommen worden sein. Entscheidungen über konkrete Produkte sollen aber erst in den nächsten Wochen fallen.

Auflagen wegen der Ökodesign-Richtlinie

Generell plädiert Juncker für mehr Zurückhaltung, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Behördenkreisen erfuhr. Hintergrund ist die sogenannte Ökodesign-Richtlinie. Diese schreibt vor, dass Produkte umweltgerecht zu gestalten sind, damit sie weniger Strom verbrauchen. Auflagen gibt es zum Beispiel für Staubsauger, Heizungsanlagen oder Kaffeemaschinen. Die europäische Industrie selbst befürwortet solche Auflagen häufig.

Junckers rechte Hand, der Vizepräsident der EU-Kommission Frans Timmermans, versicherte, die Behörde setze auch weiter auf die stromsparende Gestaltung von Produkten. "Wir haben durch Ökodesign bisher Einsparungen erreicht, die dem jährlichen Energieverbrauch von Italien entsprechen - was gewaltig ist", sagte Timmermans. Allerdings sei es wichtig, "behutsam und sorgfältig" vorzugehen.

Energiesparauflagen für Solarpanele und Aufzüge

Bei Produkten ohne großes Energiesparpotenzial und bei Geräten, bei denen eine Regulierung als starker Eingriff ins Leben der Verbraucher verstanden werden könnte, soll sich die EU stärker zurückhalten, heißt es. Hier könne eine Verbrauchskennzeichnung reichen. Toaster und Föhne sollen deshalb auch künftig frei von Auflagen bleiben. Für Aufzüge oder Solarpaneele hingegen plant die Behörde Auflagen.

EU-Kommissare sollen stärker in Entscheidungen einbezogen werden

Zudem sollen die EU-Kommissare, also die höchste Entscheidungsebene der EU-Kommission, die Regulierung stärker leiten. Sie sollen nicht erst am Ende des Prozesses über Energie-Auflagen entscheiden, sondern eine Vorauswahl treffen, noch bevor sich Expertengremien mit Details befassen. Wie bisher auch hätten die EU-Staaten und das Europaparlament ein Prüfrecht.

Gemischte Meinungen zu den neuen Plänen

Im Europaparlament fanden Junckers Pläne ein gemischtes Echo. Die beiden CDU-Abgeordneten Peter Liese und Markus Pieper unterstützten den neuen Ansatz ausdrücklich. "Standards die zu weniger Energieverbrauch führen sind sinnvoll, aber die EU darf sich nicht im Klein-Klein verlieren und wir müssen den Eindruck vermeiden als ob wir den Komfort der Bürger einschränken wollen", teilten die beiden Parlamentarier mit.

Der SPD-Abgeordnete Jo Leinen sieht das anders. "Man raubt dem Verbraucher eine Möglichkeit, Geld zu sparen und verbaut der Industrie eine Chance, mit innovativen und effizienten Technologien auf dem Weltmarkt voranzugehen", meinte er. Der Umweltschutzdachverband European Environmental Bureau äußerte Verständnis dafür, dass Juncker Populisten den Wind aus den Segeln nehmen wolle, warnte aber vor zu weitreichenden Schritten. Zumindest Kennzeichnungen zum Energieverbrauch müssten erhalten bleiben.

Quelle: DPA

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