Geprüft

EU-Kommission genehmigt Netzreserve

Die sogenannte Netzreserve darf mit der Einwilligung der EU-Kommission in Deutschland eingeführt werden. Mit der Maßnahme werden Energiefirmen dafür bezahlt, dass sie ihre Kraftwerke für den Notfall bereitstellen. Die Kosten können auf die Verbraucher umgelegt werden.

Stromerzeugung© Bernd Boscolo / pixelio.de

Brüssel - Deutschland darf Energieversorger bis Juni 2020 dafür bezahlen, dass sie Kraftwerke als Reserve am Netz halten. Die EU-Kommission billigte den Plan für die sogenannte Netzreserve, wie sie am Dienstag mitteilte. Damit könnten Mehrkosten auf Stromkunden zukommen.

Gleichzeitig genehmigte die Brüsseler Behörde am Dienstag aber auch das neue Fördersystem für erneuerbare Energien, das die Kosten im Zaum halten soll.

"Hier setzt die Bundesregierung ab 2017 auf getrennte Ausschreibungen für Windkraftanlagen auf hoher See und an Land, für große Solaranlagen sowie für Biomasse- und Biogasanlagen. Die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager lobte: "Ausschreibungsverfahren tragen zum Ausbau der erneuerbaren Energien bei und stellen gleichzeitig sicher, dass die Stromkosten für Verbraucher begrenzt werden."

Netzreserve-Kosten dürfen an Verbraucher weitergegeben werden

Die EU-Kommission zitierte Angaben der Bundesnetzagentur, wonach die Kosten für die Netzreserve allein in diesem Jahr bei rund 126 Millionen Euro liegen könnten. Die Betreiber der Übertragungsnetze können diese Kosten über die Netzentgelte auf die Stromkunden abwälzen.

Kommission: Eingriff durch den Staat ist nötig

Die Kommission prüfte das Vorhaben darauf, ob es den Wettbewerb verzerrt. Sie kam zu dem Schluss, dass der staatliche Eingriff in Deutschland nötig ist, weil Netzkapazität für den Transport von Windstrom von Nord nach Süd fehlt. Die Reserve soll Süddeutschland vor Blackouts bewahren.

Allerdings verwies die Kommission auch auf die Zusage Deutschlands, in die Netze zu investieren und so die Reserve auf lange Sicht überflüssig zu machen.

Quelle: DPA

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