Stromsteuer, EEG-Umlage & Co.

Entwicklung der Strompreise: Wie die staatlichen Abgaben wuchsen

Die Strompreise steigen seit Jahren. Über die Hälfte der Kosten machen staatliche Abgaben aus. Dieser Anteil ist seit 2006 um 13 Prozentpunkte gestiegen, berichtet das Vergleichsportal Verivox.

17.08.2021, 11:34 Uhr
Steckdose© Birgit Reitz-Hofmann / Fotolia.com

Politiker aller Parteien machen sich im Wahlkampf für sinkende Strompreise stark. Doch der größte Treiber ist und bleibt der deutsche Staat selbst. Allein in diesem Jahr zahlen private Haushalte über 20 Milliarden Euro für Steuern, Abgaben und Umlagen auf Strom. Das entspricht einer Abgabenquote von 53 Prozent. Damit ist der Staatsanteil seit 2006 um 13 Prozentpunkte angestiegen.

Entwicklung der Stromkosten – Staatsanteil lag 2006 noch bei 40 Prozent

2021 werden sich die privaten Stromkosten auf rund 38,6 Milliarden Euro belaufen. Geschätzt 9,3 Milliarden Euro (24 Prozent) entfallen dabei auf die Netznutzung, 8,8 Milliarden Euro (23 Prozent) bleiben den Stromversorgern für Beschaffung, Marge und Vertrieb. Die restlichen 20,5 Milliarden Euro – also über die Hälfte - machen staatlich veranlasste Preisbestandteile aus. 2006 lag dieser Kostenblock noch bei 40 Prozent, 2011 bei 46 Prozent und seit 2014 über der 50-Prozent-Marke.

"Mehrwertsteuer, EEG-Umlage, Konzessionsabgabe, Stromsteuer, KWKG-Umlage, §19-NEV-Umlage, Offshore-Netzumlage und die Umlage für abschaltbare Lasten: Acht verschiedene Steuern und Umlagen lasten derzeit auf Strom. Damit ist Elektrizität eines der am stärksten besteuerten Güter in Deutschland", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

EEG-Umlage beträgt aktuell 6,5 Prozent

Für die Ökostromumlage, mit der der Ausbau erneuerbarer Energien finanziert wird, werden aktuell 6,5 Cent je Kilowattstunde fällig. Für eine dreiköpfige Familie bedeutet das eine jährliche Belastung von 309 Euro brutto. Bei einem Wegfall der Umlage könnten die Strompreise entsprechend stark sinken.

Mehrwertsteuer reduzieren: schlagartig 10 Prozent weniger

Die Mehrwertsteuer macht mit einem Anteil von 16 Prozent (19 Prozent auf den Nettopreis) einen wesentlichen Posten auf der Stromrechnung aus. Aus Verbrauchersicht besonders ärgerlich: Sie wird auch auf sämtliche Umlagen und Abgaben aufgeschlagen – und Strom damit de facto doppelt besteuert. Die Mehrwertsteuer auf Strom belastet eine dreiköpfige Familie mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden mit 194 Euro pro Jahr. Würde Strom als lebensnotwendiges Gut eingestuft und damit unter den reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent fallen, entspräche das einer jährlichen Entlastung von 123 Euro.

"Jeder Haushalt in Deutschland könnte schlagartig zehn Prozent weniger für Strom bezahlen, wenn der Gesetzgeber ihn für lebensnotwendig erachten würde", so Storck.

Stromsteuer: Rund 100 Euro Kosten im Jahr für Dreipersonenhaushalte

Die Stromsteuer für private Verbraucher macht mit 2,05 Cent je Kilowattstunde rund 7 Prozent der Stromrechnung aus. Für einen Dreipersonenhaushalt entstehen Kosten von 98 Euro brutto pro Jahr. Auf nationaler Ebene kann die Stromsteuer aufgrund von EU-Regeln zwar nicht gänzlich abgeschafft werden. Die Europäische Union sieht einen Mindestsatz von 1 Cent/kWh für die Stromsteuer vor. Eine entsprechende Senkung würde Haushalte aber immer noch um 50 Euro brutto entlasten.

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