Warnung vor Panikmache

Energieexperte: Kaum höhere Strompreise durch Atomausstieg

Nach Ansicht des Energieexperten der rheinland-pfälzischen Verbraucherzentralen, Hans Weinreuter, bedeutet ein Atomausstieg nicht zwangsläufig höhere Strompreise. Sollten die sieben ältesten Atomkraftwerke dauerhaft vom Netz bleiben, "könnte der Preis allerhöchstens um einen Cent pro Kilowattstunde steigen".

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Mainz (dapd-rps/red) - Weinreuter warnte deshalb vor Panikmacherei. Bei einem generellen Verzicht auf Atomkraft könnten aber die Strompreise um 20 Prozent in die Höhe klettern. "Ob es tatsächlich so kommt, hängt von vielen weiteren Faktoren ab", erklärte der Energieexperte. Der mit dem Ausbau regenerativer Energien verbundene größere Wettbewerb unter Stromanbietern könne zum Beispiel den Preissprung abfedern. Zugleich könnten Haushalte mehr in Energieeinsparung investieren. Dazu müsse aber die Beratung intensiviert und die Förderung ausgebaut werden, sagte Weinreuter.

Größere Nachfrage nach Ökostrom

Es müsse aber zunächst verhindert werden, dass Spekulanten an der Leipziger Strombörse auf hohe Strompreise wetten. "Dem muss die Politik einen Riegel vorschieben", erklärte der Experte. Angesichts der Atomkatastrophe in Japan wächst in Rheinland-Pfalz das Interesse an Ökostrom. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur dapd verzeichneten die Stadtwerke in den vergangenen Wochen einen leichten Anstieg an Nachfragen. Tipp: Mit unserem Stromtarifrechner können Sie auch gezielt nach Ökostrom-Tarifen suchen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Strompreis

    Netzentgelte sinken im Schnitt um vier Prozent

    Die Netzentgelte sollen den Tarifexperten von Verivox zufolge im kommenden Jahr im bundesweiten Schnitt sinken. Das gilt leider nicht für alle Bundesländer. Und vor allem bedeutet das nicht, dass die Stromanbieter die Preissenkungen weitergeben.

  • Strompreis

    Ökostrom-Umlage liegt 2018 bei 6,792 Cent

    Die Ökostrom-Umlage fällt im kommenden Jahr um 0,088 Cent und liegt damit bei 6,792 Cent pro Kilowattstunde. Leider sagt das aber noch nichts darüber aus, wie die Stromrechnung ausfallen wird. Andere Kostenbestandteile verteuern sich nämlich.

  • Strompreise

    Stadtwerke und Kommunen rüsten sich für Energiewende

    Stadtwerke und private Unternehmen wollen bei der Energiewende in Deutschland vorne mitmischen. Gerade die Kommunen, die sich schon im Abseits sahen, wittern ihre Chance. Der Ökostrom-Branchenverband BEE erwartet Milliardeninvestitionen und deutliche Arbeitsplatzzuwächse.

  • Hochspannungsleitung

    Jenaer Stadtwerke verzichten künftig auf Atomstrom

    Die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck verzichten nach der Reaktorkatastrophe in Japan künftig auf Strom aus Atomkraftwerken. Der Strombezug werde zum 1. April komplett auf alternative Energien aus Wind- und Wasserkraft umgestellt, teilte das Unternehmen am Freitag in Jena mit.

  • Stromtarife

    Wirtschaft und Umweltverbände streiten über Atomausstieg

    Nach der Ankündigung, die AKW-Laufzeitverlängerung vorerst auszusetzen, streiten Wirtschaft und Umweltschützer über das mögliche Tempo beim Atomausstieg. Laut WWF und Öko-Institut könnte man bis 2020 ohne Stromlücke oder hohe Preise aus der Kernenergie aussteigen, die Wirtschaft warnt jedoch vor Populismus.

Top