Digitalisierung

Elektronische Gesundheitskarte: Die nächsten Millionen sollen fließen

In die elektronische Gesundheitskarte wollen die Krankenkassen erneut 700 Millionen Euro investieren. Einem Zeitungsbericht zufolge kostet das jeden Kassenpatienten 10 Euro. Bisher haben Versicherte von der Karte aber kaum einen Nutzen.

Krankenkasse© Marco2811 / Fotolia.com

Berlin - Die Krankenkassen zahlen allein im kommenden Jahr 700 Millionen Euro in die Infrastruktur des digitalen Gesundheitsnetzwerks - obwohl die elektronische Gesundheitskarte (eGK) immer noch nicht mehr kann, als Stammdaten zu verwalten. Das entspreche 10 Euro pro Versichertem, berichtet die "Bild"-Zeitung über entsprechende Berechnungen der gesetzlichen Krankenkassen (GKV).

"Die Karte lohnt sich erst, wenn sie Patienten und Ärzten hilft, Doppeluntersuchungen und Fehlmedikation vermeidet und Kosten spart", sagte die Chefin der BKK VBU, Andrea Galle, der Zeitung. "Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg."

Elektronische Krankmeldung: 500 Briefe pro Jahr sollen wegfallen

Auch Versicherte könnten künftig durch eine funktionstüchtige eGK Geld sparen, versicherte Galle. Etwa wenn der postalische Versand von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen entfällt. "Wenn das in Zukunft elektronisch läuft, könnten wir uns bis zu 500 Millionen Briefe pro Jahr sparen."

GKV-Sprecher: Gesundheitsnetz entspricht höchsten Sicherheitsstandards

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, sagte der dpa: "In Deutschland entsteht gerade eine digitale Infrastruktur, die keinen Vergleich scheuen muss und die höchsten Sicherheitsstandards entspricht. Wer seine Daten freiwillig bei Google, Amazon und Co. hinterlegen möchte, kann dies natürlich tun. Das sichere Gesundheitsnetz, das gerade für die gesetzliche Krankenversicherung aufgebaut wird, ist vielleicht nicht hip, aber dafür sicher."

Weitere Kosten für technische Ausstattung für Arzt- und Zahnarztpraxen sollen folgen

Lanz erläuterte, seit kurzem laufe die Anbindung aller Arzt- und Zahnarztpraxen an das sichere Gesundheitsnetz. Damit kommen nennenswerte, aber zugleich auch voraussehbare Kosten auf die gesetzliche Krankenversicherung zu. "Denn der Gesetzgeber hat bereits vor gut zehn Jahren entschieden, dass die Beitragszahler die dafür notwendige technische Ausstattung in den Praxen bezahlen sollen."

Quelle: DPA

Das könnte Sie auch interessieren
  • Zuzahlung

    Zusatzbeitrag jetzt bei allen gesetzlichen Kassen

    Erstmals verlangen 2017 alle gesetzlichen Krankenkassen einen Zusatzbeitrag. Der Beitragssatz liegt damit zwischen 14,9 und 16,4 Prozent. Zum Jahreswechsel hat etwa jede vierte Kasse die Beitragssätze erhöht.

  • Krankenversicherung

    Gegen höhere Beiträge: Krankenkassen erhalten Finanzspritze

    Um höhere Zusatzbeiträge bei den gesetzlichen Krankenkassen zu vermeiden, soll über eine Milliarde aus dem Gesundheitsfonds an die Kassen fließen. Der GKV-Spitzenverband kritisiert die einmalige Maßnahme der Koalition: Ist die Finanzspritze zielführend?

  • Finanzen

    Deutsche scheinen unzufrieden mit ihren Krankenkassen

    Die Deutschen scheinen mit den Leistungen ihrer Krankenkassen häufig unzufrieden. So würden viele gesetzlich Versicherte gerne in eine private Krankenkasse wechseln. Doch eine nicht geringe Zahl derer, die bereits in einem Privattarif sind, würden lieber wieder zur gesetzlichen zurückkehren.

Top