Kapazitätsprobleme

E.dis verweigert Anschluss von regenerativen Anlagen

Weil die Netzkapazitäten in einigen Regionen von Uckermark, Prignitz und Teltow-Fläming erschöpft seien, will der Fürstenwalder Energieversorger E.dis keine neuen Wind- und Solarstromanlagen an Netz anschließen. Das Umweltministerium verwies indes auf klare gesetzliche Regelungen, dass regenerative Energie abgenommen werden müsse.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Fürstenwalde (ddp-lbg/sm) - Der Fürstenwalder Energieversorger E.dis will in einigen Gebieten keine neuen Wind- und Solarstromerzeuger mehr ans Netz anschließen. Die Netz-Kapazitäten in einigen Regionen von Uckermark, Prignitz und Teltow-Fläming seien erschöpft, sagte E.dis-Sprecher Horst Jordan am Mittwoch in Fürstenwalde auf Anfrage.

"Bei voller Auslastung produzieren die Anlagen wesentlich mehr, als in der Region verbraucht werden kann", fügte er hinzu. Der Anteil erneuerbarer Energien liege im Bundesdurchschnitt bei acht Prozent, bei der E.dis dagegen schon bei über 20 Prozent.

Die Leitungen, die normalerweise Strom aus konventionellen Kraftwerken in diese Gebiete bringen, würden bei voller Auslastung der Windräder in umgekehrter Richtung geschaltet und den Öko-Strom aus den Regionen weg transportieren, sagte Jordan. Bei starkem Wind seien die E.dis-Leitungen dort inzwischen voll ausgelastet, es sei eine technische Grenze erreicht. Im Zweifel seien sogar Zwangsabschaltungen von Leitungen möglich.

Deshalb werde die E.dis in diesen Regionen keine neuen Netzanschlussverträge mehr abschließen. Das bedeute in der Praxis, dass Investoren in Bereichen mit vielen Windrädern nicht mehr bauen können. Für die bestehenden Anlagen ändere sich aber nichts. Es werde niemand abgeklemmt, versicherte der Sprecher. Auch der Häuslebauer, der eine kleine Solaranlage aufs Dach setzen will, könne das weiter tun, wenn er den Strom nicht ins Netz einspeist.

Die E.dis beruft sich dabei auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Danach habe der Versoger solange regenerative Energie aufzunehmen, bis die Kapazität erschöpft ist, sagte Jordan. Dann sei zu prüfen, ob es wirtschaftlich zumutbar ist, das Netz in solchen Regionen auszubauen. Dafür wären aber neue Hochspannungsleitungen nötig, deren Bau wegen der langen Genehmigungsverfahren vier bis fünf Jahre dauere.

Es gebe eine klare gesetzliche Regelung, dass regenerative Energie von den Netzbetreibern abgenommen werden müsse, sagte dagegen eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums der "Märkischen Oderzeitung" (Mittwochausgabe). Man könne im Ministerium nicht überprüfen, ob es tatsächlich Kapazitätsprobleme gebe, sondern nur dazu auffordern, im Konsens Lösungen zu finden. Ansonsten bleibe den Betroffenen noch der Gang zum Gericht.

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