Neue Studie

Durch AKW-Versicherung würde Strom unbezahlbar

Die Schäden, die ein Atomunfall in der Art von Fukushima zur Folge hat, sind finanziell kaum absehbar und ebenso schlecht versicherbar. Wissenschaftler der Universität Linz haben nun berechnet, was es kosten würde, würden die tatsächlichen Risiken versichert, und wie sich dies auf die Strompreise auswirken würde.

06.10.2011, 09:24 Uhr
Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Linz (red) – Die Ergebnisse wurden vom österreichischen Umweltlandesrat Rudi Anschober vorgestellt; die Studie selbst basiert auf Berechnungen von Professor Friedrich Schneider von der Universität Linz. Anschober führt an, dass eine Umwälzung der Kosten für eine ausreichende AKW-Versicherung diese Art der Energieerzeugung aus dem Markt drängen würde.

Derzeitige Haftung reicht nicht aus

In Deutschland müssen Kraftwerksbetreiber derzeit bis zu einer Summe von 2,5 Milliarden Euro für Schäden haften, in den meisten anderen Ländern liegt der Betrag deutlich darunter. Damit könnten aber nur kleinere Unfälle abgesichert sein, die Gesamtkosten für Fukushima lägen bei rund 300 Milliarden US-Dollar (etwa 225 Milliarden Euro).

Anschober stellt verschiedene Szenarien vor, wie deutsche Atomkraftwerke versichert werden könnten und welche Kosten entstehen würden: Würden alle 17 Kraftwerke einzeln bei verschiedenen Versicherungsgesellschaften versichert, würden jährlich 331,5 Milliarden Euro fällig werden. Am günstigsten käme man weg, würde man nur die noch laufenden Kraftwerke bei einem Versicherer gemeinsam unterbringen; hier würden jährlich 19,5 Milliarden Euro anfallen.

Einfluss auf die Strompreise bei Umwälzung

Würden diese zusätzlichen Kosten auf die Verbraucher umgewälzt, würde das den Strompreis folgendermaßen beeinflussen: Beim günstigsten Szenario würde ein Aufschlag von 14 Cent pro Kilowattstunde (kWh) anfallen, beim teuersten wären es 2,36 Euro. Würde man tatsächlich die Prämien derart umlegen, wäre Strom kaum noch bezahlbar. Schneider rechnet weiter, dass bei einem Basismarktpreis von vier Cent pro kWh erst mit einer Laufzeit von etwa 100 Jahren einigermaßen erträgliche Strompreise erreicht wären; erst mit einer Laufzeit von 500 Jahren wäre ein Preis von vier Cent/kWh wieder möglich.

Anschober, in dessen Auftrag die Studie erstellt wurde, sagte dazu: "Noch heute übermittle ich diese Studie an Bundeskanzler, Außenminister, Wirtschaftsminister und Umweltminister. Österreich muss eine Initiative bei der Kommission gegen diese Milliardensubventionierung der Atomenergie und für europaweit einheitlich strenge Haftungsregeln starten und gegen diesen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht eine Klage einbringen."

Das könnte Sie auch interessieren
  • Geld sparen

    20 Jahre: Preisentwicklung bei DSL, Energie und anderen Gütern

    Die Preisentwicklung von DSL- und Mobilfunkverträgen ist unter vielen anderen Produkten im 20-Jahres-Vergleich tatsächlich erfreulich, zeigt eine Studie. Ganz anders sieht es da beispielsweise im Energiebereich aus.

  • Strom- und Gaspreise

    Deutlicher Preisanstieg bei Strom und Gas

    Strom kostet in diesem Jahr rund 30,85 Cent pro Kilowattstunde und ist damit so teuer wie nie zuvor. Gleichzeitig sind die Preise für Gas erstmals wieder in den letzten Jahren angestiegen. Laut Bundesnetzagentur sind es besonders die Großhandelspreise, die die Kosten in die Höhe treiben.

  • Strompreise

    Kein AKW wird als Kaltreserve vorgehalten (Upd.)

    Die Netzagentur will keines der acht stillgelegten AKW zur Überbrückung möglicher Stromengpässe im Winter nutzen. Dies teilte der Präsident der Behörde, Matthias Kurth, am Mittwoch in Berlin mit. Stattdessen sollen das Großkraftwerk 3 in Mannheim, das Kraftwerk 2 Mainz-Wiesbaden und Kraftwerk Block C in Ensdorf als Kaltreserve genutzt werden.

  • Strompreise

    Merkels Atomwende und die Parallelen zur Agenda 2010

    Eine fast beispiellose Kehre hat Schwarz-Gelb mit der Rücknahme der Laufzeitverlängerungen hingelegt. Doch so etwas gab es in der deutschen Politik schon einmal: Merkels Atomwende zeigt überraschend deutliche Paralellen zu Schröders Überrumpelungsaktion Agenda 2010.

  • Hochspannungsleitung

    Ethikkommission: Meinungen zu Atomausstieg gehen auseinander

    In einer kontroversen öffentlichen Sitzung hat die von der Bundesregierung eingerichtete Ethikkommission zur Energiepolitik die Chancen und Risiken eines schnellen Atomausstiegs abgewogen. Bei den Kosten der Energiewende gehen die Meinungen stark auseinander.

Top