Digitale Spaltung in Deutschland droht sich zu verschärfen

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In Deutschland wächst die Gefahr einer "Digitalen Spaltung" der Gesellschaft trotz der derzeit vorhandenen Projekte und Programme zur Förderung der Informationsgesellschaft.

Das geht aus einer umfassenden Studie hervor, die von der internationalen Management- und Technologieberatung Booz Allen & Hamilton im Auftrag der Initiative D21 erarbeitet und am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Die Initiative D21 ist ein Zusammenschluss führender Unternehmen zur Förderung der Informationsgesellschaft in Deutschland. Den neuen Berechnungen zufolge werden im Jahr 2003 über 20 Millionen Menschen in Deutschland keinen Zugang zum Internet haben oder keinen Vorteil in der Nutzung sehen. Damit würde ein Viertel der Bevölkerung einen deutlichen Qualifikationsnachteil in der Ausbildung und bei Bewerbungen haben.

Dieser Bevölkerungsgruppe drohe außerdem der Ausschluss von vielen Dienstleistungen, die zukünftig nur noch im Internet angeboten werden. "Web oder weg" heißt die Alternative, so der Vorsitzende der Initiative D21, Erwin Staudt, Vorsitzender der Geschäftsführung IBM Deutschland. Er fordert Politik und Unternehmen deshalb auf, jetzt die Förderprogramme effizienter zu gestalten. Die neuen Medien müssen die Gesellschaft zusammen führen, sie dürfen sie nicht spalten."

Die Studie belegt, dass Alter, Wohnort und vor allem Bildung die Kriterien sind, die auch zukünftig über die Chancennutzung der Informationsgesellschaft entscheiden. Diese Faktoren werden sich auch durch neue Technologien wie internetfähige Fernseher oder Handys auf UMTS-Basis nicht verändern. Selbst wenn Deutschland schon heute das "Internet für alle" erreichen sollte, stehen wir morgen vor der Aufgabe "Medienkompetenz für alle", sagt Dr. Rainer Bernnat, Mitglied der Geschäftsleitung von Booz Allen & Hamilton.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei Nutzung und Anwendung des Internets im Mittelfeld und gehört zu der in der Studie entwickelten Kategorie "Land im Aufbruch". Länder wie Großbritannien und Frankreich seien deshalb erfolgreicher, weil sie koordinierter und vernetzter die Informationsgesellschaft fördern. "Wir haben zu viele Ziele, zu wenig Erfolgskontrolle und noch immer mehr Projekte als Computer für Schulen", so Erwin Staudt. Dies gelte auch für das Aktionsprogramm der Bundesregierung, das nach der Bundestagswahl als Fahrplan in die Informationsgesellschaft entworfen wurde: gutes Konzept, zu langsame Umsetzung. Staudt forderte für die Realisierung des Aktionsprogramms ein Managementsystem entsprechend den Grundregeln eines wirtschaftlich erfolgreich arbeitenden Unternehmens. Dies gelte auch für alle Förderprogramme.

Bei der Präsentation der Studie in Berlin wurde deutlich, dass Staat und Wirtschaft in enger Zusammenarbeit wesentlich effektiver Maßnahmen umsetzen könnten als bisher. So agiert die Vielzahl der Projekte in Deutschland aufgrund der föderalen Strukturen lediglich regional. Flächendeckend erfolgreich könnten sie nur dann sein, so Dr. Gerd Wittkemper, Senior Vice President bei Booz Allen & Hamilton, wenn sie Kräfte und Erfahrungen in einem schlagkräftigen Netzwerk verknüpften: "Zur Zeit arbeiten dutzende Initiativen nebeneinander. Jede einzelne durchläuft ihre eigene zeit- und kostenintensive Lernkurve."

Eine bundesweite Dachmarke, etwa "Deutschland.de", so die Anregung der Booz Allen & Hamilton-Berater, könnte hier Abhilfe schaffen. Die Idee: Eine zentrale Informationsbörse für Internet-Einsteiger und für staatliche Förderstellen, sowie Fördermittel aus der Wirtschaft. Gütesiegel für Programme müssten die Qualität der Internet-Initiativen und Förderprojekte sichern. Auf diese Weise werden diese transparent für Sponsoren und Interessenten. Eine "Public Private Partnership" nach dem Vorbild von Institutionen oder Agenturen in den USA oder Finnland könnte diese Rolle übernehmen. Politik und Wirtschaft käme dann die Rolle zu, Ergebnisse zu messen und erfolgreiche Konzepte zu verbreiten. Die Koordination sollte bei einer Stelle in Bundesregierung liegen. "Wir haben in Deutschland 15 Agrarminister und keinen e-minister", so Erwin Staudt.

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