Neue Wellen

Die Kreditaffäre Wulff, der Rubikon und die Bild-Zeitung

Neues Jahr, alte Affäre: Die Schlagzeilen um Bundespräsident Wulff reißen nicht ab. Jetzt geht es nicht mehr um den Kredit an sich, sondern um Wulffs Interventionen, gar Drohungen, bei der Bild-Zeitung. Ganz offenbar hat der Präsident Mitte Dezember nicht nur bei Chefredakteur Diekmann, sondern auch bei Springer-Chef Döpfner angerufen.

02.01.2012, 16:52 Uhr
Ersparnisse© anmaro / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Bundespräsident Christian Wulff hat sich nicht nur bei der Chefredaktion der "Bild"-Zeitung, sondern auch bei der Leitung des Springer-Verlags um einen Stopp der Berichterstattung über seinen Privatkredit bemüht. Wulff habe neben dem Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann, auch beim Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, interveniert, sagte ein Sprecher des Konzerns am Montag der Nachrichtenagentur dapd.

Vorabbericht inzwischen bestätigt

Er bestätigte damit einen Bericht von "Spiegel Online". Wulff bat Döpfner demnach, bei Diekmann Einfluss zu nehmen, damit ein Artikel über den Kredit nicht erscheine. Doch der Konzernchef, in dessen Haus die "Bild" erscheint, habe ihm in knapper Form beschieden, sich nicht in die Belange der Redaktion einmischen zu wollen.

Präsident soll auch mit Strafantrag gedroht haben

In der wütenden Botschaft auf Diekmanns Mailbox drohte Wulff den Angaben zufolge mit dem "endgültigen Bruch" mit dem Springer-Verlag, falls die "unglaubliche" Geschichte tatsächlich erscheine. Auch sollen die Worte "Krieg" und "Rubikon" gefallen sein. Der Bundespräsident drohte nach dapd-Informationen auch mit einem Strafantrag gegen die Journalisten. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und die "Süddeutsche Zeitung" hatten bereits zuvor übereinstimmend von dem Telefonat berichtet.

Was ist der Rubikon?

Der Rubikon, der für Bundespräsident Christian Wulff von der "Bild"-Zeitung in der Kreditaffäre überschritten wurde, war eigentlich ein Grenzflüsschen. Er trennte das italienische Kernland von der Provinz Gallia Cisalpina, dem heutigen Norditalien und kroatischen Istrien.

Der römische Feldherr und Politiker Julius Caesar überquerte im Jahr 49 vor Christus mit etwa 5.000 Soldaten den Fluss Rubikon. Dies kam rechtlich einer Kriegserklärung an den römischen Senat gleich. Caesar wusste, sobald er diese Linie mit seinen Legionären überschritt, würde er offiziell als Angreifer Roms gelten und seinen Gegenspieler Pompeius zur Gegenwehr herausfordern.

Überliefert ist, dass Caesar seinen Schritt mit dem Ausspruch "alea iacta est" begleitet hat, was als "Die Würfel sind gefallen" übersetzt wird. Wo genau der Rubikon floss, ist nicht überliefert. Anfang der 1930er Jahre wurde der Fluss Fiumicino als Rubikon bestimmt und vom damaligen Diktator Benito Mussolini in "Rubicone" umbenannt. Der Fluss entspringt nahe von Florenz und mündet südlich von Ravenna in die Adria.

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