Bundesweit 1500 Anzeigen

Dialer-Firma HAS: Festnahmen und Durchsuchungen

In und um Hamburg geht es rund in Sachen Dialer-Betrug: Das HAS-Sammelverfahren führte am gestrigen Montag zu bundesweiten Durchsuchungen. Auch sollen die HAS-Geschäftsführer festgenommen worden sein.

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Unter Leitung der Staatsanwaltschaft Hamburg sind in Zusammenarbeit mit dem LKA und einer speziellen Ermittlungsgruppe am gestrigen Montag an mehreren Orten im Bundesgebiet Durchsuchungen vorgenommen worden. Es wurde neben den Geschäftsräumen der Firma "Hanseatische Abrechnungssysteme GmbH" (HAS) in Hamburg auch das Wohnhaus eines Geschäftsführers dieser Firma sowie weitere Objekte im Raum Frankfurt und Karlsruhe durchsucht. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Einem Bericht der Hamburger Morgenpost zufolge seien auch die Geschäftsführer der HAS festgenommen worden.

Über 1500 einzelne Anzeigen liegen vor

Dem Ermittlungsverfahren liegt folgender Sachverhalt zu Grunde: Bei der Staatsanwaltschaft Hamburg ist seit Anfang 2004 ein Ermittlungsverfahren gegen die Geschäftsführer der Firmen "Hanseatische Abrechnungssysteme GmbH" und "Digital Web Media Limited" anhängig. Die Ermittlungen wurden zwischenzeitlich zu einem bundesweit ausgeschriebenen Sammelverfahren zusammengeführt. Aktuell liegen hier nach Angaben der Hamburger Staatsanwaltschaft 1191 Verfahrensakten mit insgesamt weit über 1500 einzelnen Anzeigen vor.

Der Inhalt der einzelnen Anzeigen ist weitgehend identisch: Geschädigte, die im Regelfall über einen PC und einen Internetzugang verfügen, erhielten, ohne dass sie bewusst einen Vertrag im Internet geschlossen hätten, eine Rechnung der in Hamburg ansässigen Firma HAS GmbH. In diesen Rechnungen wird die Behauptung aufgestellt, die Geschädigten hätten bewusst einen "30 Tage-Zugang" zu einer Web-Seite mit erotischem Inhalt geschlossen.

Rechnung über angebliche "eigene Internetdienstleistung"

Als Beleg für den angeblichen Vertragsschluss und damit für die Rechtmäßigkeit der mit diesen Rechnungen geltend gemachten Forderung in Höhe von 69,95 Euro wird auf diesen Rechnungen auch die Telefonnummer der Geschädigten angegeben. Während auf den Rechnungen der HAS GmbH anfangs noch davon gesprochen wurde, dass die Geschädigten eine "eigene Internetdienstleistung" der HAS GmbH in Anspruch genommen hätten, wurden die Rechnungen später angeblich nur noch im Auftrag der Digital Web Media Limited durch die HAS GmbH versandt. Soweit die Geschädigten die geforderten Beträge nicht überwiesen, wurden umgehend Mahnungen durch die HAS GmbH übersandt, ohne dass inhaltlich auf Beschwerdeschreiben der Geschädigten oder deren Rechtsanwälten eingegangen wurde.

Einschreiten der RegTP ignoriert

Nachdem gegen die HAS GmbH durch die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation mit Bescheid vom 26. Februar dieses Jahres ein Inkassoverbot ausgesprochen wurde, tauchten neue Rechnungen auf, in denen die Firma Digital Web Media Limited nunmehr versuchte, ihre Ansprüche selbst geltend zu machen. Darüber hinaus wurden durch diese Firma nunmehr auch Mahnungen und 2. Mahnungen an die Geschädigten übersandt. Diese weiteren Forderungsschreiben wiesen dieselben Kunden- und Rechnungsnummern auf, die bereits zuvor durch die HAS GmbH versandt wurden. Nach Auswertung der hier vorliegenden Kunden- und Rechnungsnummern wird davon ausgegangen, dass insgesamt über 150.000 Rechnungen durch die HAS GmbH und die Digital Web Media Limited versandt wurden.

Wie von den Geschädigten übereinstimmend berichtet wurde, ist davon auszugehen, dass der hier eingesetzte Dialer auf folgendem Weg auf die Computer der Geschädigten gelangt: Die Geschädigten surfen im Internet, sie kommen mit dem Mauszeiger auf ein Werbebanner, hinter dem der Aufruf besonderer Webseiten hinterlegt ist, oder sie erhalten eine E-Mail, die nach dem Öffnen des Anhangs viele Browserfenster öffnet, oder sie suchen im Internet mit Hilfe einer so genannten Suchmaschine nach Informationen über wissenschaftliche Themen und finden in der Ergebnisliste auch den Eintrag "weitere Informationen" und klicken diesen mit der Maus an.

Anschriften illegal ermittelt

In allen drei Fällen passiert dann das gleiche: Es werden mehrere Webseiten geöffnet, die dann auch das Laden und Ausführen eines Dialerprogramms bewirken, welches im Regelfall ohne weitere Fragen oder Hinweise auf eine Kostenpflicht unbemerkt eine von der Firma PGMedia zur Verfügung gestellte Frankfurter Festnetzrufnummer anruft. Diese Firma speichert nunmehr die Rufnummer des Geschädigten und gibt diese zur Adressenermittlung weiter. Sofern der Geschädigte nicht im Telefonbuch verzeichnet ist, wird durch Call Center eine Anschriftenermittlung vorgenommen. Dabei geben sich die Call Center-Mitarbeiter in der Regel als Mitarbeiter der Post AG aus, die angeblich ein Paket zustellen wollen und wegen eines angeblich beschädigten Adressenfeldes von den Geschädigten die Anschriften erfragen. Nachdem die Geschädigten ihre Adresse genannt haben, erhalten sie dann die Rechnung der HAS GmbH oder nachfolgend der Digital Web Media Limited.

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