Wie gesättigt ist die Branche?

debitel-Chef will Pfründe für Provider sichern

Der Provider verlangt vom Gesetzgeber eine Neufassung des TK-Gesetzes, was die Öffnung der Mobilfunknetze für Wiederverkäufer betrifft. Ansonsten wären sowohl Wettbewerb als auch Arbeitsplätze gefährdet, hieß es.

14.03.2003, 15:29 Uhr
mobil telefonieren© Luis Camargo / Fotolia.com

Mit der zwangsweisen Öffnung der Mobilfunknetze für Provider verlangt debitel praktisch eine Absicherung für das, was das Unternehmen mit Vodafone, T-Mobile und E-Plus freiwillig vereinbart hat: Der Konzern will auch in der UMTS-Ära Handyverträge anderer Anbieter vermarkten und in deren Netzen Kapazitäten mieten, um Dienste unter eigenem Namen zu verkaufen. Die Bereitschaft der Netzbetreiber, ihre Netze an Provider wie debitel zu vermieten, wird jedoch von Branchenexperten als gering eingestuft, da die Unternehmen den direkten Kundenkontakt bevorzugen würden. debitel-Boss Wagner sieht das jedoch anders. Wagner meint, dass die Netzbetreiber von Service-Providern profitieren würden, da sie den Vertrieb so anderen überlassen könnten.

Zur Vorgeschichte

In den Lizenzbedingungen für die Mobilfunktechnik GSM war die Kooperation zwischen Netzanbietern und Service-Providern gesetzlich festgeschrieben. Es gab allerdings eine Ausnahme: Bei o2 war die Vorgabe kein Teil der Auflagen. debitel reichte daraufhin Klage ein, und zwar erstmals im Februar 2000 beim Landgericht München. Gleichzeitig wurde die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post aufgefordert, den Resale-Anspruch des Providers durchzusetzen. Die RegTP sah sich jedoch nicht in der Lage, den Anspruch durchzusetzen. Im Februar des darauffolgenden Jahres bestimmte das Landgericht München, dass die Unternehmen sich über die Zusammenarbeit einigen sollten. Erst danach habe sich o2 zu Gesprächen bereit erklärt, so die Darstellung von debitel.

Es kam jedoch zu keiner Einigung, so dass debitel im April 2002 den Prozess wieder aufnahm. In einer mündlichen Verhandlung im November setzte der vorsitzende Richter beiden Parteien eine einwöchige Frist, um einen Vertrag abzuschließen. Bis zu diesem Termin kam allerdings keine Einigung mit o2 zustande; es kam zu einem weiteren Prozess. Das daraufhin gesprochene Urteil des Münchner Landgerichts am 23. Januar dieses Jahres verpflichtet o2 Germany dazu, einen Diensteanbietervertrag mit der debitel AG abzuschließen. Außerdem wurden wirtschaftliche Rahmenbedingungen, nach denen o2 mit debitel zusammenzuarbeiten habe, festgelegt.

Forderung: TKG-Novelle den eigenen Bedürfnissen anpassen

Diese müssen laut der gerichtlichen Anordnung in erster Linie "marktüblich" sein, "mindestens jedoch den Konditionen entsprechen, die o2 dem eigenen Vertrieb einräumt". debitel-Chef Wagner betonte daraufhin, er sähe den Beschluss nicht nur als "haushohen Sieg für debitel" an, die Anordnung sei auch von großer Bedeutung für die gesamte Mobilfunkbranche. Gleichwohl warnte Wagner, die bevorstehende Novelle des Telekommunikationsgesetzes müsse hinreichend ausformuliert werden, da die Folgen solch ungeklärter gesetzlicher Grundlagen dem Wettbewerb gefährlich werden könnten.

In den Lizenzbedingungen für die neue Technik UMTS wurde jedoch - wie oben erwähnt - auf eine solche Kooperationsverpflichtung verzichtet, da ein Konkurrenzkampf unter den damals sechs Lizenznehmern erwartet wurde. Seitdem Quam und mobilcom aus dem UMTS-Geschäft ausgestiegen sind, gibt es aber nur noch vier Konkurrenten. Um dennoch einen größeren Wettbewerb zu gewährleisten, fordert Wagner daher, dass die Interessen der Service-Provider im neuen Telekommunikationsgesetz berücksichtigt werden. In dem bisherigen Diskussionsentwurf ist das jedoch nicht vorgesehen.

Markteinschätzung: Was geht überhaupt?

Das Geschäft der Service-Provider, der Verkauf von Mobilfunkverträgen, ist nach Meinungen vieler in der Branche an seine Grenzen gestoßen. Es werden derzeit zumeist nur noch kleine Margen und ein geringes Wachstum verzeichnet. Diese Entwicklung hängt - eine Milchmädchenrechnung - vor allem damit zusammen, dass etwa 70 Prozent der Deutschen ein Handy besitzen. Die Unternehmer können neue Kunden fast nur noch mit Hilfe hoher Subventionen anlocken und auch halten. Diese hohen Kundenbindungskosten hinterlassen deutliche Furchen auch in der debitel-Bilanz. Genaue Zahlen vom Jahr 2002 will das Unternehmen aber erst Ende des Monats bekannt geben.

debitel will, um aus den roten Zahlen wieder herauszukommen, künftig verstärkt eigene Inhalte für das mobile Internet verkaufen. Dafür fordert Wagner sowohl einen diskriminierungsfreien Netzzugang als auch den Zugang zu allen Inhalten der Netzbetreiber für das mobile Web. Wagner fürchtet, dass die Portale der Mobilfunknetzbetreiber den Inhaltemarkt dominieren. Er fordert mehr Vorprodukte von den entsprechenden Betreibern, die aufgekauft und zu einem Dienst umfunktioniert werden können.

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