Preissteigerungen

Das Eishörnchen als Gradmesser für die Inflation

An den Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs spüren Verbraucher die Inflation am meisten.

Geld ausgeben© Peter Atkins / Fotolia.com

An den Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs spüren Verbraucher die Inflation am meisten. Aktuelles Beispiel: In Großstädten kostet die Kugel Eis stellenweise schon einen Euro. Fast jeder wird sich noch erinnern, was ein Eis in der eigenen Kindheit gekostet hat - anders als etwa an den Strompreis vor zehn oder 20 Jahren.

Von wenigen Pfennig hin zu einem Euro

In verschiedenen Internetforen wurde die nun überschrittene Schallgrenze von einem Euro zum Anlass genommen, um über "Wucherpreise" zu schimpfen. Die italienischen Gastronomen hingegen wehren sich: Das Eis habe in Deutschland zu Unrecht das Image eines einfachen Produktes, das nicht viel kosten dürfe. Dabei würde zum einen die handwerkliche Arbeit vergessen, die dahinter stecke, zum anderen habe sich der Preis von Rohstoffen wie Zucker oder Milch, die einen Großteil der Zutaten bei der Eisproduktion ausmachen, in den vergangenen Jahren stetig erhöht. Zudem seien die Energiepreise gestiegen. Gleichwohl sei man bemüht, das Produkt erschwinglich zu halten, so das Statement der Union der italienischen Speiseeishersteller - obgleich Eis in anderen europäischen Ländern viel teurer sei.

Wie sich die gefühlte Inflation entwickelt

Laut dem Ökonom Alexander Koch schmerzen solche Preiserhöhungen im Alltag ganz besonders - gerade, wenn man die Waren im Laden an der Ecke wie früher bar bezahlt. Die Forscher sprechen dann von "gefühlter" Inflation, die bei Gütern des täglichen Bedarfs viel ausgeprägter sei als bei größeren Summen, die monatlich abgebucht würden. Hinzu komme der Effekt, dass sich das Gefühl für die Angemessenheit eines Preises schon in jungen Jahren ausbilde. Je älter man werde, je mehr "Preispunkte" man habe im Gedächtnis sammeln können, desto stärker empfinde man die Entwicklung, erläutert Ökonom Koch laut der Nachrichtenagentur dpa. Dass die Verbraucher nun spürbar weniger Eis essen würden, glaubt Koch indes nicht - und nennt ein weiteres Beispiel: Der Preis für eine Maß Bier auf dem Münchner Oktoberfest schrammt schon an der Schallmauer von zehn Euro. Dass der Bierkonsum auf der Wiesn deshalb zurückgegangen wäre, sei ihm nicht bekannt, sagt der Inflationsforscher.

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