Krankenversicherung

Bundesregierung denkt über "Nichtzahler-Tarif" nach

Immer öfter zahlen Verbraucher ihre Beiträge zur Krankenversicherung nicht, viele von ihnen einfach, weil sie es sich finanziell nicht leisten können. Wegen des Schadens, der dadurch den Versicherungen entsteht, überlegt die Bundesregierung, ein neues Tarifmodell einzuführen. Mit diesem bekämen Versicherte aber nur eine Minimalversorgung.

03.02.2012, 15:36 Uhr
Geldanlage© svort / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Auch bei den gesetzlichen Krankenkassen verursachen säumige Beitragszahler einen Schaden in Milliardenhöhe. Bis Ende 2011 sei bei den Kassen ein Fehlbetrag von mehr als 1,2 Milliarden Euro aufgelaufen, bestätigte der GKV-Spitzenverband am Donnerstag in Berlin der Nachrichtenagentur dapd. Die privaten Krankenkassen meldeten zuletzt einen Fehlbetrag von 554 Millionen Euro. Insbesondere Selbstständige sind den Angaben zufolge oft im Zahlungsrückstand.

Hohe Einbußen durch fehlende Beiträge

Vergangenes Wochenende war bekanntgeworden, dass bei den privaten Krankenkassen immer mehr Mitglieder keine Beiträge zahlen. Nach Angaben des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV) gab es Ende September 2011 insgesamt 144.000 Nicht-Zahler in der privaten Krankenversicherung. Durch die säumigen Kunden fehlten den privaten Kassen rund 554 Millionen Euro. Grund sei die Einführung der allgemeinen Versicherungspflicht, sagte ein PKV-Sprecher auf dapd-Anfrage. Durch die neue Reglung könnten private Krankenversicherungen ihren Kunden wegen Zahlungsrückständen nicht mehr kündigen.

Regierung plant neuen Minimal-Tarif

Um dem Problem entgegenzutreten, prüft die Bundesregierung derzeit die Einführung eines sogenannten Nichtzahler-Tarifs, wie ein Sprecher des Finanzministeriums dapd bestätigte. Zeitungsberichten zufolge könnte der Tarif bei rund 100 Euro im Monat liegen und soll auf der Leistungsseite nur akute Krankheiten oder eine Schwangerschaft abdecken. Die nötigen Änderungen würden derzeit vom Bundesfinanz- und Bundesjustizministerium in Abstimmung mit den Kassen vorbereitet.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte diese Pläne abwegig. "Es kann nicht sein, dass die Versicherungspflicht durch die Hintertür wieder abgeschafft wird", sagte Lauterbach der "Saarbrücker Zeitung".

Das könnte Sie auch interessieren
  • Krankenkasse

    Krankenkasse: Beamte sollen in weiteren Ländern entscheiden können

    In Hamburg dürfen Beamte seit einigen Monaten entscheiden, ob sie bei einer privaten oder gesetzlichen Krankenkasse versichert sein wollen. Über 1.000 haben im ersten Jahr gewechselt. Andere Länder wollen nun gleichziehen.

  • Pflegeversicherung

    SPD fordert Reform der Pflege-Finanzierung

    Die SPD fordert eine weitreichende Reform der Finanzierung der Pflegeversicherung. Die Partei schlägt unter anderem einen Steuerzuschuss vor sowie eine Beteiligung von Beamten und Selbstständigen. Ziel sollen kalkulierbare Eigenanteile sein.

  • Sparbuch

    Privatkassen widersprechen Bericht über Mitgliederzahlen

    Der Verband der privaten Krankenversicherungen (PKV) weist Medienberichte zurück, laut denen die privaten Kassen mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen hätten. Der Spiegel hatte berichtet, dass im vergangenen Jahr die Zahlen der Mitglieder bei den privaten zugunsten der gesetzlichen Kassen zurückgegangen seien.

  • Sparbuch

    Gesetzliche Kassen freuen sich über Milliardenplus

    In den ersten neun Monaten diesen Jahres haben die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ein Plus von insgesamt 3,9 Milliarden Euro eingefahren, teilte jetzt das Bundesgesundheitsministerium mit. Im Vorjahr konnten die Kassen für den gleichen Zeitraum nur 277 Millionen erwirtschaften.

  • Versicherungsprämie

    Private Krankenkassen: Hohe Verluste durch Nichtzahler

    Die privaten Krankenversicherungen haben zunehmend Verluste durch Mitglieder, die ihre Prämie nicht bezahlen wollen oder können. Wegen der 2009 eingeführten Versicherungspflicht dürfen die Versicherungen Kunden nicht mehr ausschließen, wenn diese ihren Versicherungsbeitrag nicht zahlen.

Top